Frauenfeld: «Ali weiss nicht, ob sein Vater noch lebt»
Aktualisiert

Frauenfeld«Ali weiss nicht, ob sein Vater noch lebt»

Jeanette Pedersen (52) hat in rund einem Dutzend Einsätzen für Médecins Sans Frontières viele Flüchtlinge getroffen. Sie begleitet die Ausstellung der NGO zum Thema Flucht.

von
jeb
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Ali (20) macht die Flucht noch immer zu schaffen.

Ali (20) macht die Flucht noch immer zu schaffen.

Médecins Sans Frontières
«Meine Vergangenheit belastet mich tagtäglich.»

«Meine Vergangenheit belastet mich tagtäglich.»

Médecins Sans Frontières
Jeanette Pederson (52) war bereits rund ein Dutzend Mal für Médecins Sans Frontières im Einsatz, unter anderem in Syrien, Nordirak und Griechenland. Auch Ali hat sie kennen gelernt.

Jeanette Pederson (52) war bereits rund ein Dutzend Mal für Médecins Sans Frontières im Einsatz, unter anderem in Syrien, Nordirak und Griechenland. Auch Ali hat sie kennen gelernt.

Médecins Sans Frontières

Mehr als 65 Millionen Menschen sind laut Médecins Sans Frontières weltweit auf der Flucht. Die Organisation will diesen Menschen ein Gesicht geben und stellt dem Publikum in einer Wanderausstellung persönliche Geschichten von Flüchtenden vor.

Vom 22. bis 26. Mai ist die Ausstellung im Coop Schlosspark in Frauenfeld zu sehen. Eine, die für Médecins Sans Frontières flüchtende Menschen betreut hat, ist Jeanette Pedersen. Sie war mehrere Jahre für die Organisation in verschiedenen Ländern als Pflegefachfrau im Einsatz. Im April ist die 52-Jährige aus Syrien zurück in die Schweiz gekommen.

Kaum Zukunftsperspektiven

20 Minuten erzählt sie, dass die vielen intern Vertriebenen, die sie in Syrien getroffen hat, zermürbt sind von den sieben Jahren Krieg. «Viele mussten mehrmals fliehen, fast alle haben Familienangehörige verloren», sagt Pedersen. Anders als bei ihren früheren Einsätzen – die Pflegefachfrau war bereits rund ein Dutzend Mal für Médecins Sans Frontières im Einsatz – hätten viele kaum mehr Hoffnung.

«Die Leute sind apathisch, haben resigniert.» Vor allem für die jungen Leute sei es schwierig, da sie jahrelang kaum zur Schule gegangen sind und sich keine stabile Zukunft vorstellen können.

Schüsse im Grenzgebiet

Pedersen hat auch Ali (20), einen der Protagonisten der Ausstellung, schon getroffen. Der junge Mann aus Afghanistan hat vor drei Jahren auf der Flucht seinen Vater aus den Augen verloren, als im Grenzgebiet zwischen Iran und der Türkei auf sie geschossen wurde. Da Ali illegal im Land war, musste er zügig weiterreisen und konnte seinen Vater nicht suchen. «Das belastet ihn schwer», sagt die Bernerin. «Ali weiss nicht, ob sein Vater noch lebt oder nicht.»

Auch die Mutter, die in Kabul zurückblieb, hat nichts mehr von ihrem Mann gehört. Die Ungewissheit sowie die Erlebnisse auf der Flucht seien psychisch sehr belastend. Dennoch gehe der junge Mann seinen Weg und flicke in einem Beschäftigungsprogramm Velos. Alles in der Ungewissheit, ob er seine Eltern je wiedersehen wird.

Im Rahmen der Ausstellung wird am 22. Mai um 19.30 Uhr im Kino Luna in Frauenfeld der Film «Eldorado» vom Schweizer Filmemacher Markus Imhoof («Das Boot ist voll») gezeigt. (Video: Youtube/Cinegardens: Indie Film Trailers)

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