Aktualisiert 04.02.2013 07:34

«Wir warens nicht»

Alitalia überpinselt Logo auf Crash-Maschine

Spurenbeseitigung auf Italienisch: Nach einer Bruchlandung in Rom reagierte die Fluggesellschaft Alitalia umgehend – und verpasste der Unglücksmaschine einen neuen Anstrich.

von
jbu
Vorher mit markantem Schriftzug, nachher in unschuldigem weiss. Alitalia hat in der Nacht auf Sonntag ganze Arbeit geleistet.

Vorher mit markantem Schriftzug, nachher in unschuldigem weiss. Alitalia hat in der Nacht auf Sonntag ganze Arbeit geleistet.

16 Verletzte hatte die Bruchlandung am Flughafen Rom-Fiumicino am Samstagabend gefordert. Eine Flugbegleiterin und ein Passagier mussten gar mit schweren Verletzungen ins Spital. Die Unglücksmaschine gehörte der rumänischen Fluggesellschaft Carpatair, flog aber im Auftrag von Alitalia, deren Logo auch fett auf dem Rumpf des Flugzeugs prangte – jedenfalls zum Zeitpunkt des Unglücks.

Denn als die Fotografen am Sonntagmorgen am Flughafen eintrafen, um Bilder der verunglückten Maschine zu schiessen, trauten viele ihren Augen nicht: An der Stelle, wo die Alitalia-Maschine am Vorabend mit zerbrochenem Fahrwerk in der Wiese zum Stillstand kam, lag nun plötzlich ein strahlend weisses Flugzeug.

Alitalia hatte das Flugzeug in einer Nacht-und-Nebel-Aktion neu lackiert. Um die Herkunft des Flugzeugs zu vertuschen, wurden der Schriftzug an der Seite und die firmeneigenen Farben auf Rumpf und Fenstern mit weisser Farbe überdeckt. Lediglich an der Kennung YR-ATS neben der rumänischen Staatsflagge konnte man danach noch erkennen, dass es sich um dasselbe Flugzeug handelte, das am Vorabend noch den Alitalia-Schriftzug getragen hatte.

Untersuchung eingeleitet

Trotz der verzweifelten Spurenbeseitigung muss sich die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft nun wohl vor der Justiz verantworten. Die Staatsanwaltschaft von Civitavecchia untersucht, ob die genutzten Maschinen der Carpatair ausreichend gewartet wurden. Zudem wird die Qualifikation der rumänischen Besatzungen überprüft. Ob die Vertuschungsaktion ebenfalls ein Nachspiel haben wird, ist nicht bekannt.

Alitalia greift regelmässig auf Billigangebote osteuropäischer Subunternehmer zurück. Die Zivilluftfahrtbehörde Enac beobachtet Carpatair bereits seit Dezember. Vertreter von Gewerkschaften hatten sich beklagt, dass die rumänische Fluggesellschaft die Sicherheitsbestimmungen nicht einhalte. Alitalia selbst stornierte vor zwei Wochen die Flüge zwischen Ancona und Rom wegen «einiger Missstände». Damals musste ein Flugzeug der Carpatair sofort nach dem Start in Ancona wegen eines Triebwerkschadens zur Notlandung ansetzen. Bereits im Dezember verlor eine ATR72 der Carpatair in Pisa Treibstoff. Am 5. Januar kam es in einer weiteren Maschine zu einem Druckabfall in der Kabine.

(Quelle: YouTube/CNNExclusive) (jbu/sda)

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