Alitalia versinkt im Chaos
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Alitalia versinkt im Chaos

Die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia versinkt im Chaos. In Mailand und Rom wurden wegen eines «wilden» Streiks des Personal alle Flüge bis 15.00 Uhr gestrichen.

Trotz der Einigung zwischen Gewerkschaften und der Regierung die Verhandlungen über die Zukunft der Airline wieder aufzunehmen, kam es erneut zu spontanen Streiks.

In Mailand wurden am Vormittag 214 Flüge gestrichen. Die Verwaltungsgesellschaft der Mailänder Flughäfen Malpensa und Linate SEA rief die Alitalia- Passagiere mit Appellen im Radio und im Fernsehen auf, nicht zu den Flughäfen zu fahren.

Gewerkschaften verlieren die Kontrolle

Nach dem zwölfstündigen Streik vom Donnerstag, der zur Annulation von 600 Flügen geführt hatte, einigten sich die Regierung und die Gewerkschaften, die Verhandlungen am Montag unbefristet wieder aufzunehmen.

«Wir müssen alles unternehmen, um dem Land den Zusammenbruch der nationalen Fluggesellschaft zu ersparen», begründete Vizepremier Gianfranco Fini die Haltung der Regierung.

Im Gegenzug hatten sich die Gewerkschaften verpflichtet, die Protestaktionen einzustellen. «Die Position der Gewerkschaften wird geschwächt, wenn das Alitalia-Personal Tage lang den italienischen Flugverkehr lahm legt», erklärte der Chef des Gewerkschaftsverbands UIL, Luigi Angeletti, am Freitag.

Verhandelt soll über ein Massnahmenpaket werden, das die Regierung ursprünglich am letzten Sonntag in Aussicht gestellt, dann aber wieder zurückgezogen hat.

Gegen das Massnahmendekret stemmt sich aus Spargründen Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Seiner Ansicht nach sind die Förderungsmassnahmen für den Flugverkehr sinnlos, weil davon bis zu 70 Prozent Konkurrenten der Alitalia profitieren würden. Ohne einen einschneidenden Sanierungsplan könne Alitalia nicht gerettet werden.

Sanierungsplan am Montag

Alitalias Präsident Giuseppe Bonomi will der Regierung am kommenden Montag einen Sanierungsplan vorlegen. «Wir überlegen, starke industrielle Massnahmen zu ergreifen. Nur so können wir für die Sanierung und den Neubeginn sorgen und zugleich die Arbeitsplätze retten», betonte der Alitalia-Präsident.

Die Gewerkschaften befürchten, dass der Plan die Streichung von mindestens 3000 Jobs vorsehen wird. «Die Verhandlungen werden langwierig sein», prophezeite Gewerkschaftschef Savino Pezzotta.

Auch Industrieminister Antonio Marzano teilt diese Ansicht. «Wir müssen alles tun, um Alitalia zu retten. Nach der Pleite von Parmalat hoffe ich, mich nicht auch um die Insolvenz Alitalias kümmern zu müssen», meinte der Minister.

Insolvenzgefahr

Die Gefahr, dass Alitalia in die Insolvenz schlittert, wird laut Experten immer konkreter. Nicht auszuschliessen sei, dass die Airline bald unter die Leitung eines Insolvenzverwalters gestellt werden könnte, wie es bereits mit dem Nahrungsmittelkonzern Parmalat im Dezember geschehen war.

Die Insolvenzerklärung würde der Regierung Berlusconi ermöglichen, neue, billigere Verträge mit dem Personal abzuschliessen und die Umwandlung der Gesellschaft in eine kleinere Airline auf regionaler Basis in die Wege zu leiten, wurde spekuliert. Das Schatzministerium ist mit einem 62-Prozent-Anteil Mehrheitsaktionär bei Alitalia.

(sda)

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