Züri Fäscht-Bilanz: Alkohol an 14-Jährige - zuviel Abfall
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Züri Fäscht-BilanzAlkohol an 14-Jährige - zuviel Abfall

Die gegen 2,2 Millionen Besucher des Züri Fäscht 2010 haben rund 270 Tonnen Abfall hinterlassen. Das sind 20 Tonnen mehr als beim Fest vor drei Jahren. Damals wurden aber rund 200 000 Besucher weniger gezählt. Bendenklich fiel das Ergebnis der Alkoholtestkäufe aus.

Die Beizenbetreiber haben am Züri Fäscht dem Jugendschutz zu wenig Beachtung geschenkt. Bei Testkäufen gaben zwei Drittel der getesteten Festwirtschaften Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren ab. Die Stadtpolizei Zürich spricht von einem «bedenklichen Ergebnis».

Durchgeführt wurden die Testkäufe von Detektiven der Stadtpolizei Zürich in Zusammenarbeit mit dem Blauen Kreuz und der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich. Am Samstagabend wurden zwischen 18 und 20.30 Uhr 16 Festwirtschaften und offene Stände geprüft.

Feuerwerk Züri Fäscht 2010 Freitag

In elf Fällen bekamen die vier 14- und 15-jährigen Testkäuferinnen und Testkäufer die alkoholischen Getränke problemlos. Das sei sehr betrüblich, heisst es in der Mitteilung der Polizei. Sämtliche Betreiber von Festwirtschaften und Verkaufsständen seien im Vorfeld auf die Testkäufe aufmerksam gemacht worden.

Viele Beizen, beziehungsweise Verkäuferinnen und Verkäufer in Festbeizen und Ständen hätten ihre Verantwortung nicht wahrgenommen. Der Profit sei im Vordergrund gestanden.

Betriebe, die Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren verkauft haben, werden beim Stadtrichteramt verzeigt. Aufgrund der negativen Bilanz werde die Stadtpolizei Zürich auch in Zukunft ein spezielles Augenmerk auf die verbotene Alkoholabgabe an Jugendliche richten.

Gastro Zürich kontert

Der Zürcher Gastroverband wehrte sich gegen die Vorwürfe: «Erstens waren die Wirte völlig überfordert, weil es zum ersten Mal die Depot-Jetons für Petflaschen gab», sagte Verbandspräsident Ernst Bachmann gegenüber «Radio Zürisee».

Zudem seien viele der Festbeizer gar keine Wirte, sondern schenkten nur einmal an einem grossen Fest Getränke aus. Bachmann kritisierte auch das Vorgehen der Behörden. Testkäufe an einem Fest mit über zwei Millionen Besuchern seien fragwürdig.

Viel Abfall

Entsorung & Recycling Zürich (ERZ) zog am Montag eine positive Bilanz. Das erstmals angewendete Depotchip-System bei Getränken habe funktioniert. Die abfallmindernden Massnahmen hätten dazu beigetragen, dass gegenüber den früheren Züri-Fäscht-Austragungen die Abfallmenge nicht angestiegen sei.

Laut ERZ konnten dank dem neuen Pfandystem während den drei Festtagen rund 10 Tonnen PET und Alu eingesammelt werden. Diese Wertstoffe würden nun der Wiederverwertung zugeführt.

Sehr gut funktioniert hätten die Zonen für Mehrweggeschirr beim Caliente-Festivals im Hafen Enge, auf der Blatterwiese sowie auf dem Sechseläutenplatz. An diesen Orten sei sehr viel weniger Abfall angefallen.

Kein Mehraufwand für ERZ

Das im Vergleich zu 2007 leicht höhere Abfallaufkommen führte bei Entsorgung & Recycling Zürich zu keinem Mehraufwand. Die Teams standen gleich lang im Einsatz wie vor drei Jahren. Unterstützt wurde ERZ von 100 freiwilligen Helfern, die während der Veranstaltung für mehr Sauberkeit auf dem Festgelände sorgten und die gesammelten Wertstoffe PET und Alu zurückführten.

Seit 2009 werden in Zürich Veranstaltungen auf öffentlichem Grund nur noch mit einem Abfallkonzept bewilligt. Mit Blick auf das Züri Fäscht 2013 will ERZ mit den Veranstaltern das gesamte System für Mehrweg, Depot und Bewirtschaftung weiter optimieren. (sda)

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