Aktualisiert 26.09.2016 19:08

Na dann, Prost!Alkohol-Ersatz berauscht, macht aber keinen Kater

Am Tag nach der Party dröhnt häufig der Kopf – bis jetzt. Künftig sollen alkoholähnliche Substanzen ohne Nachwirkungen glücklich machen.

von
fee

Wer zu viel trinkt, bekommt am nächsten Tag die Quittung dafür: Man fühlt sich elend, schwitzt und klagt über Kopfschmerzen und Übelkeit. Kurz: Man hat einen Kater. Doch damit könnte bald Schluss sein.

Wenn es nach David Nutt vom Imperial College in London geht, ersetzen künftig alkoholähnliche Substanzen den klassischen Alkohol (Ethanol). Insgesamt 90 verschiedene sogenannte Alcosynths hat der Neuropsychopharmakologe bereits patentieren lassen. Sie alle sollen die positiven Effekte des Alkohols imitieren können – ohne dabei einen Kater hervorzurufen.

Wilde Geschichte

Zwei der Wirkstoffe sind – wie Nutt im «Independent» sagt – besonders vielversprechend und nach bisherigem Kenntnisstand absolut frei von Nebenwirkungen.

Das war vor ein paar Jahren noch anders: Zwar machten schon damals Berichte zu Nutts Forschung zu Alcosynths die Runde. Allerdings gehörten diese damals der Gruppe der Benzodiazepine an, zu denen unter anderem Valium zählt. Das Problem: Bei regelmässiger Einnahme besteht eine ausgeprägte Suchtgefahr.

Der Aufschrei war entsprechend gross – vor allem, weil Nutt laut einem früheren Bericht des House of Commons nicht kommuniziert hatte, dass er einmal von einem Benzodiazepin-Hersteller finanziell unterstützt wurde.

Gleiche Wirkung, weniger Risiko

Bei den neuen Varianten soll dies nun anders sein. «Wir wissen heute, wie es im Gehirn zu den positiven Effekten von Alkohol kommt», so Nutt. Diese Areale könnten mit den neuen Substanzen angesprochen werden, ohne die Regionen zu stimulieren, welche die negativen Wirkungen hervorrufen.

Wie das erreicht werden soll und wie sich die neuen Alcosynths zusammensetzen, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass Nutt von ihnen überzeugt ist. Er hofft, dass seine Substanzen bis zum Jahr 2050 Ethanol komplett ersetzen. Schliesslich seien die Risiken der neuen Stoffe wesentlich geringer als die des konventionellen Alkohols – und das bei gleicher Wirkung.

Kleben statt Blasen

Wer wissen will, wie viel er intus hat, muss bislang pusten. Künftig soll das ein Pflaster übernehmen. Entwickelt haben es Forscher der University of California in San Diego. Auf die Haut geklebt, verrät ihre Erfindung, wie hoch der Alkoholpegel ist. Das ist möglich, weil der Alkohol in unserem Blut auch in den Schweiss übertritt, der von den Sensoren im Pflaster analysiert wird, heisst es im Fachjournal «ACS Sensors».

Der aufklebbare Alkohol-Tester ist mit einem Smartphone verbunden. Somit verrät schon ein kurzer Blick aufs Handy, ob man sich noch ein Gläschen genehmigen darf oder ob man es besser lassen sollte.

Die Entwicklung ist laut den Forschern präziser und verlässlicher als der klassische Pustetest, bei dem Alkohol im Atem gemessen wird. Denn dieser kann nach Gebrauch von Mundwasser oder durch Dämpfe in der Umgebungsluft falsche Werte anzeigen. (Bild: Wang et al./ACS Sensors)

Darum bleibt der Kater aus

Laut Forscher David Nutt können die Alcosynths - so wie normaler Alkohol auch - mit Mischgetränken konsumiert werden. Schon mit dem Trinken eines solchen Getränks wird der gleiche Rausch erzielt wie mit mehreren herkömmlichen Drinks. Danach sei Schluss, mehr könne man davon nicht trinken. Die Gefahr einer Überdosierung sei damit unmöglich. (Bild: iStock/Katarzynabialasiewicz)

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