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Goldküstenprügler«Alkohol hat sie völlig enthemmt»

Die drei Jugendlichen aus der Zürcher Goldküstenregion, die in München einen Passanten lebensgefährlich verletzten, sollen gemäss Aussagen von einem Anwalt der Täter wegen übermässigem Alkoholkonsum die Beherrschung über sich selber verloren haben. Ein Mitschüler der Prügler widerspricht dem allerdings.

Für den Anwalt von Mike B., einem der drei Schüler der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht, die Dienstagnacht in München einen Mann schwer am Kopf verletzt haben, ist klar: «Alkohol hat sie völlig enthemmt». Wie es zum «Komplett-Ausraster» gekommen ist, kann sich Anwalt Florian Schneider nicht erklären. Sein Mandant habe dazu noch nichts gesagt, so der Anwalt gegenüber der «SonntagsZeitung».

Blutverschmierte T-Shirts versteckt

Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 16-Jährigen aber nicht so viel getrunken haben, dass sie schuldunfähig sind. Ein Mitschüler scheint dies zu bestätigen. Im «Sonntags Blick» sagt er anonym: «Sie hatten Alkohol getrunken und gekifft, waren aber noch voll da». Sie hätten auch versucht, die Tat zu vertuschen, indem sie ihre blutverschmierten T-Shirts in der Jugendherberge sofort auszogen und in ihren Koffern versteckten.

Der Mitschüler liefert auch Angaben zu weiteren Opfern des Schlägertrios. Begonnen habe alles, als Mike B. sein Portmonnaie verlor. Als er es bemerkte sei er zu einer Gruppe von Punks und habe sie beschuldigt, sein Geld gestohlen zu haben. Als diese verneinten und sogar angeboten hatten, Mike könne ihre Taschen durchsuchen, schlägt er einen der Punks nieder. Das Trio traktiert ihn auch mit Fusstritten.

Danach seien sie auf weitere vier Passanten losgegangen, darunter einen Studenten aus Bulgarien, bis es schliesslich zur fatalen Begegnung mit dem Geschäftsmann Wolfgang O. gekommen sei, den sie halbtot prügelten.

Keine unauffäligen Jugendlichen

Die drei Jugendlichen waren bereits in der Oberstufe aufgefallen. Mike B. drohte ein Time-out, Ivan Z. wechselte in eine Privatschule und Benji D. soll vorzeitig von der Schule abgegangen sein. Den Vorschlag der Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli den Schulen Gewaltdelikte zu melden, hält ihr Berner Kollege Bernhard Pulver für «prüfenswert». Er warnt jedoch davor, den Lehrern noch mehr sozialpädagogische Verantwortung aufzubürden.

«Aufregender als Sex»

Jugendpsychologe Allan Guggenbühl sagt, dass Jugendliche, die solche brutale Gewalttaten verüben, dies «aufregender als Sex» finden. Er sieht Alkohol und auch die fremde Umgebung als zusätzliche Enthemmungsfaktoren.

Quelle: «SonntagsZeitung»/ «Sonntags Blick»

Schläger von München will sich entschuldigen

Einer der drei Küsnachter Schüler bereitet eine Entschuldigung an die Opfer vor. Das sagte der Rechtsanwalt des Jugendlichen der «NZZ am Sonntag». Weiter erklärte der Anwalt, der 16-jährige Schüler sei völlig fassungslos und könne sich nicht erklären, warum und wie es überhaupt zu den brutalen Angriffen gekommen sei.

Bei den drei Tätern handelt es sich nicht um typische Jugend-Kriminelle. Sie waren mehrheitlich integriert, fielen in der Schule kaum auf und hatten eine Lehrstelle. Zwei der drei Schüler sind gebürtige Schweizer, einer ist Slowene.

Quelle: «NZZ am Sonntag»

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