Saufverbot: Alkohol in Zügen ist für SBB «kein Riesenproblem»
Aktualisiert

SaufverbotAlkohol in Zügen ist für SBB «kein Riesenproblem»

Von einem nächtlichen Alkoholverbot erhoffen sich die SBB wenig. Die problematischen Fahrgäste kämen bereits betrunken in den Zug. Der ÖV-Verband will die Idee trotzdem prüfen.

von
Lukas Mäder
Problematische Fahrgäste kommen meist bereits betrunken auf den Zug: Jugendliche in einer Archivaufnahme von 2003.

Problematische Fahrgäste kommen meist bereits betrunken auf den Zug: Jugendliche in einer Archivaufnahme von 2003.

Ein neues Verbot soll die Sauberkeit und das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Verkehr steigern. Der CSP-Nationalrat Karl Vogler aus Obwalden will in einer Motion verlangen, den Alkoholkonsum in Bussen und Zügen zwischen 21 Uhr abends und 8 Uhr morgens zu verbieten. Wie die «Zentralschweiz am Sonntag» schreibt, sieht Vogler das Verbot analog zum Rauchverbot als einfach durchsetzbar an. Es soll auch für Bahnhöfe und Haltestellen gelten; ausgenommen wären einzig die Speisewagen.

Doch bei den SBB als wichtigste Betreiberin des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz gibt man sich gegenüber dieser Idee zurückhaltend. «Der Alkoholkonsum auf den Zügen ist kein Riesenproblem», sagt SBB-Sprecher Reto Kormann. Zwar gebe es schon länger ein Problem mit betrunkenen Fahrgästen, insbesondere am Samstag und Sonntag in der Früh. «Doch diese Personen betrinken sich nicht bei uns.»

Laut Kormann handelt es sich um Personen, die betrunken vom Ausgang kommen und mit den ersten Zügen um 6 bis 8 Uhr nach Hause fahren. Dabei seien Aggression, Schwarzfahren sowie Verunreinigungen ein Problem, welches die SBB mit mehr Transportpolizei zu bekämpfen versuchen. Auf den betroffenen Linien wie Zürich - Chur, Zürich - Luzern oder Bern - Thun kämen deshalb verstärkt Bahnpolizisten zum Einsatz.

ÖV-Verband wird Idee prüfen

Mehr abgewinnen kann dem Vorschlag der Verband öffentlicher Verkehr (VöV), in dem die Schweizer Transportunternehmen zusammengeschlossen sind. «Ich finde die Idee prüfenswert», sagt Direktor Ueli Stückelberger. Der VöV werde den Vorschlag vertieft prüfen und verbandsintern diskutieren. Es gebe einige Unternehmen, die grosse Probleme mit dem Alkohol hätten. «Mit einem Verbot könnte das Sicherheitsgefühl steigen», erhofft sich Stückelberger. Gleichzeitig würden durch das Verbot die Persönlichkeitsrechte nicht übermässig eingeschränkt.

Tatsächlich haben die SBB positive Erfahrungen mit einem Verkaufsverbot für Alkohol gemacht, das seit April 2008 in den Bahnhofsgeschäften gilt. Es kommt laut Sprecher Kormann zu weniger Gelagen und weniger Aggressionen. Zudem hätten die Verunreinigungen spätabends abgenommen. Gleichzeitig seien die Umsatzrückgänge der betroffenen Läden geringer als erwartet, sagt Kormann. «Und die Kunden haben mehrheitlich positiv reagiert.»

Frage der Durchsetzung

Dass die SBB trotz dieser positiven Entwicklung bei einem Konsumationsverbot skeptisch sind, liegt an der offenen Frage der Durchsetzung. Wie Kormann sagt, darf die Verantwortung dafür nicht bei den Zugbegleitern liegen: «Sie können im Zug nicht Sheriff spielen.» Es stelle sich die Frage, ob die Transportpolizei das Verbot durchsetzen würde - die dafür aufgestockt werden müsste. Keine Sorgen um die Durchsetzung macht sich Stückelberger vom VöV: «Klar gibt es immer ein paar, die sich nicht daran halten.» Aber wenn der Grossteil das Verbot beachte, sei schon einiges erreicht.

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