Studie Sucht Schweiz: Alkohol trinken bis zur Vergiftung
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Studie Sucht SchweizAlkohol trinken bis zur Vergiftung

Die Zahl der Menschen, die wegen übermässigen Trinkens im Spital waren, nimmt ab. Weniger gut sieht es aber bei den Jungen aus.

von
kf
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Bei jungen Frauen stieg die Zahl der Alkoholvergiftungen seit 2003 stärker als bei den Männern: Zwei Klubgängerinnen mit Zigaretten und Champagner.

Bei jungen Frauen stieg die Zahl der Alkoholvergiftungen seit 2003 stärker als bei den Männern: Zwei Klubgängerinnen mit Zigaretten und Champagner.

Keystone/Martin Ruetschi
2014 wurden 23'313 Personen wegen Alkoholvergiftung oder Alkoholabhängigkeit stationär behandelt. Acht Prozent waren zwischen 10 und 23 Jahre alt.

2014 wurden 23'313 Personen wegen Alkoholvergiftung oder Alkoholabhängigkeit stationär behandelt. Acht Prozent waren zwischen 10 und 23 Jahre alt.

Keystone/Petra Orosz
Alkohol ist leicht zugänglich: Rotweinflaschen in einem Schweizer Retailer.

Alkohol ist leicht zugänglich: Rotweinflaschen in einem Schweizer Retailer.

Keystone/Christian Beutler

2014 wurden in der Schweiz 11'080 Personen wegen einer Alkoholvergiftung in einem Spital behandelt. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag des Bundes. Die Zahl nimmt seit 2008 ab.

Bei den 10- bis 23-Jährigen ist die Zahl wegen stationären Hospitalisierungen ebenfalls rückgängig, aber in geringerem Masse. Gegenüber 2003 stieg sie aber um 17 Prozent bei jungen Männern und sogar um 41 Prozent bei Frauen, wie Sucht Schweiz in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt.

Junge Menschen am stärksten betroffen

Sucht Schweiz hat im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit für die Jahre 2003 bis 2014 untersucht, wie viele Menschen wegen Alkoholvergiftung oder Alkoholabhängigkeit in Schweizer Spitäler stationär behandelt wurden. Ambulante Behandlungen haben die Autoren nicht einbezogen.

Zwischen 2003 und 2008 hatte die Anzahl stationärer Behandlungen wegen Alkoholvergiftung rasant zugenommen, am stärksten bei jungen Menschen. Seither zeichnet in fast allen Alterskategorien eine Trendwende ab und hat in der Gesamtbevölkerung das Niveau von 2003 erreicht.

Erklärungen für diese Trends seien schwierig zu geben, lautet der Schluss von Sucht Schweiz. Möglich sei, dass die Zunahme ab 2003 auf einem immer extremeren Trinkverhalten eines Teils der Risikokonsumenten basiere, aber auch auf ein zunehmendes Bewusstsein und eine Sensibilisierung zurückzuführen sei. Die Abnahme der stationären Behandlungen seit 2008 könnte unter anderem mit einem partiellen Rückzug des Risikokonsums ins Private und vermehrte ambulante Behandlungen von Alkoholvergiftungen zu erklären sein.

Abnahme bei Abhängigkeiten

Im Jahr 2014 wurden insgesamt 23'313 Personen wegen Alkoholvergiftung oder Alkoholabhängigkeit stationär behandelt. Acht Prozent waren zwischen 10 und 23 Jahre alt. Der Anteil steigt mit höherem Alter stetig: Den grössten Anteil stellen die 65- bis 74-Jährigen.

Bis im Alter von 15 Jahren zeigen sich zwischen den Geschlechtern keine Unterschiede punkto Alkoholvergiftungen. Erst mit Beginn der Volljährigkeit zeigt sich ein deutlicher Effekt, der sich mit zunehmendem Alter verstärkt. Insgesamt ist die jährliche Hospitalisierungsrate bei Männern im Schnitt doppelt so hoch wie bei Frauen. Erste Fälle von Alkoholabhängigkeit treten bereits im Alter von 14 Jahren auf. Laut Sucht Schweiz könnte dies darauf hinweisen, dass einige Jugendliche bereits sehr früh mit einem starken Alkoholkonsum beginnen. Allerdings sind die Raten zwischen 2003 und 2014 bei den 10- bis 23-Jährigen um rund ein Fünftel zurückgegangen. Die höchsten Werte weisen die 45- bis 74-Jährigen auf. (kf/sda)

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