28.11.2015 05:42

BundesstatistikAlkoholiker halten Spitäler auf Trab

Alkoholsucht ist einer der häufigsten Gründe, warum Menschen in der Schweiz in eine Klinik eingeliefert werden.

von
lnr

Vergangenes Jahr mussten in der Schweiz 1,4 Millionen Menschen stationär in einem Schweizer Spital behandelt werden. Die häufigsten Gründe, weshalb Patienten mehr als eine Nacht in einer Klinik verbrachten, waren die Geburt eines Kindes, Arthrose-Erkrankungen und Leistenbrüche. Direkt dahinter folgen die Personen, die wegen ihrer Alkoholabhängigkeit behandelt werden mussten, wie eine aktuelle Statistik des Bundesamts für Statistik zeigt.

Von über 9000 verschiedenen Diagnosen, die in der Statistik erfasst wurden, war Alkoholsucht die sechsthäufigste. Ausserdem bleiben die Patienten überdurchschnittlich lang: Im Schnitt werden sie erst nach 29 Tagen wieder aus der Klinik entlassen. Die Statistik weist neben klassischen Krankenhäusern auch Psychiatrie- und Rehabilitationskliniken aus.

Entwöhnung dauert lange und kostet viel

Dies ist gemäss Peter Eggli, Leiter Beratung und Therapie der Zürcher Fachstelle für Alkoholprobleme, auch der Grund, warum die Aufenthaltsdauer so hoch ausfällt: «Eine typische Alkohol-Entwöhnung dauert ungefähr zweieinhalb Monate, ein Entzug etwa zehn Tage. Kommt eine akute Behandlung, beispielsweise wegen einer Alkoholvergiftung, hinzu, kommt man etwa auf diesen Schnitt.»

Laut Markus Meury, Mediensprecher der Schweizerischen Fachstelle «Sucht Schweiz», ist der Alkoholismus sogar noch problematischer, als es die Statistik zeigt. «Behandlungen in Hausarztpraxen oder ambulante Behandlungen in Spitälern sind in der Statistik nicht ausgewiesen.» Nicht in der Statistik erfasst sind zudem Fälle, bei denen die Patienten wegen einer Begleiterscheinung ihres Alkoholismus in Behandlung sind, wie zum Beispiel Leberzirrhose.

Margrit Kessler von der Stiftung Patientenschutz sagt, die Gesundheitskosten, die als Folge des Alkoholkonsums entstünden, seien hoch. «Allerdings wird das Problem von der Gesellschaft unterschätzt. Viel Alkohol zu trinken, gilt immer noch als Kavaliersdelikt.» Auch seien nicht nur ältere Menschen betroffen: «Bei den Jungen ist mit dem Komatrinken bereits ein Nachahmer-Effekt da».

Rauschtrinken führt zu Abhängigkeit

Meury von «Sucht Schweiz» bestätigt dies: «Das Rauschtrinken unter den 15- bis 24-Jährigen nimmt zu. Ausserdem ist statistisch nachweisbar, dass frühe Rauschtrinker ein erheblich grösseres Risiko für eine spätere Alkoholabhängigkeit haben.» Laut den Anonymen Alkoholikern sind bereits «junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren regelmässig in unseren Gruppen». Man dürfe nicht vergessen, dass Sucht eine Krankheit sei und die Probleme bereits im Teenageralter begännen. «Eine suchtgefährdete Person verfällt jenem Mittel, zu der sie am meisten Kontakt hat. Und Alkohol ist nach wie vor die Droge Nummer eins.»

Aus diesem Grund ist Patientenschützerin Kessler dagegen, dass Leute jeden Alters jederzeit Alkohol kaufen können. Wichtig sei auch, dass man weiterhin Aufklärung betreibe, «damit den Jungen klar wird, dass Alkohol zu einer Droge mit schweren Folgen wird, wenn man ihn nicht mit Mass geniesst».

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