Erschreckende Studie: Alkoholiker sterben 20 Jahre früher
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Erschreckende StudieAlkoholiker sterben 20 Jahre früher

Wer sein Leben lang zu tief ins Glas schaut, wird nicht alt. Vor allem Alkoholikerinnen sterben jung: Ihre Sterberate ist fast fünfmal höher als bei der gleichaltrigen Normalbevölkerung.

Männer, die zu viel trinken, werden im Schnitt 58 Jahre alt, besagt eine neue Studie der Universität Greifswald.

Männer, die zu viel trinken, werden im Schnitt 58 Jahre alt, besagt eine neue Studie der Universität Greifswald.

Alkoholabhängige haben eine um 20 Jahre geringere Lebenserwartung als Menschen, die nie alkoholabhängig waren. Das geht aus einer Langzeitstudie von deutschen Wissenschaftlern über den Verlauf von Alkoholkonsum und Tabakrauchen hervor. Frauen seien besonders gefährdet.

Demnach starben Frauen, die alkoholabhängig waren, durchschnittlich mit 60 Jahren, Männer mit 58 Jahren. «Keiner der verstorbenen Alkoholabhängigen hat das durchschnittliche Lebensalter von 82 Jahren für Frauen und 77 Jahren für Männer erreicht», sagte Studienleiter Ulrich John von der Universität Greifswald der Nachrichtenagentur DPA.

Stärkere Auswirkungen als Rauchen

«Uns hat überrascht, dass die Alkoholabhängigkeit im Vergleich zum Rauchen besonders stark zu einer Lebenszeitverkürzung beizutragen scheint.» Besonders viele durch das Rauchen bedingte Krebserkrankungen führten oft erst später – im Alter von deutlich über 60 Jahren – zum Tode.

Die Experten hatten im Jahr 1996 die Gesundheitsdaten von 4070 zufällig ausgewählten Personen in und um Lübeck gesammelt und ausgewertet. Von ihnen waren 153 als alkoholabhängig diagnostiziert worden. Davon konnten 149 (119 Männer und 30 Frauen) über 14 Jahre beobachtet werden.

Die Ergebnisse der von den Forschern als repräsentativ eingestuften Studie erscheinen im Januar in der US-Fachzeitschrift «Alcoholism: Clinical & Experimental Research» (ACER).

Alkoholikerinnen sterben früher

Verglichen mit der jeweils gleichaltrigen Normalbevölkerung war die Sterberate von Alkoholikerinnen um das 4,6-fache erhöht, von männlichen Alkoholikern um das 1,9-fache. Woran die Betroffenen genau starben, wurde nicht untersucht. «Wir gehen aber davon aus, dass die Alkoholabhängigkeit die dominierende Erkrankung war», sagte Ulrich John.

Erstaunt waren die Forscher über die grossen geschlechtsspezifischen Unterschiede. «Frauen scheinen schneller und stärker als Männer mit Erkrankungen auf Alkoholkonsum zu reagieren», sagte John. Die genauen Gründe dafür sind laut den Forschern nach wie vor unklar.

Therapie nicht lebensverlängernd

Den Ergebnissen zufolge hat eine Alkoholtherapie keine positive Auswirkung auf die Lebenserwartung. Knapp 23 Prozent der 149 Alkoholabhängigen hatten im Laufe der 14 Jahre eine mehrmonatige Entwöhnungstherapie absolviert, weitere 6,7 Prozent lediglich eine Entgiftung.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass diejenigen, die in einer Entwöhnungsbehandlung waren, keine grösseren Überlebenszeiten gegenüber denen hatten, die nie eine Therapie absolviert hatten», sagte John. Die Sozialmediziner ziehen daraus den Schluss, dass die Therapieangebote zu spät kamen und überarbeitet werden müssen.

Der Wissenschaftler forderte zudem eine neue Debatte über Alkoholprävention. Wirksame Instrumente wären eine Preiserhöhung, ein Verkaufsverbot an Tankstellen sowie ein striktes Alkoholverbot am Steuer. (sda)

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