Aktualisiert 13.02.2009 10:12

Regional-TVAlkoholwerbung vor dem Aus

Die Fernmeldekommission des Ständerats will privaten Fernsehsendern Werbung für Bier und Wein wieder verbieten. «Ein Aus der Alkoholwerbung zum jetzigen Zeitpunkt ist finanziell ein Fiasko», sagt Tele Basel Chefredaktor Willy Surbeck.

von
Sandro Spaeth

Erst vor rund drei Jahren hatte sich das Parlament im neuen Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) geeinigt: Die regionalen Privatsender dürfen für Bier und Wein werben. Im Gegenzug erhielt das Schweizer Fernsehen (SF) den grössten Teil der Konzessionsgelder. Bei SF und nationalen Privatsendern wie Star TV oder 3+ ist Alkoholwerbung hingegen untersagt.

«Wir haben uns nie um Werbung für Wein gerissen»

Werbung für Bier und Wein strahlt beispielsweise der regionale Sender Tele Basel aus. Laut Chefredaktor Surbeck liegt das Potenzial für Werbe- und Sponsoringeinnahmen aus dem Alkoholbereich für 2009 bei 250 000 Franken. «Um Werbung für Bier und Wein haben wir uns aber nie gerissen. Nachdem uns die Politik jedoch diese Einnahmekomponente zugestanden hat, haben wir mit Partnern langfristige Leistungspakete vereinbart», sagt Surbeck. Für ihn entstünde ein erheblicher Aufwand, wenn Alkoholwerbung nun wieder verboten würde. Surbeck: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Aufhebung der Alkoholwerbung ein Fiasko. Für die Zukunft müssen wir darauf zählen, dass dem Regional-TV statt der Alkoholwerbung eine andere Einnahmequelle zugestanden wird.»

Folgen für Sport-Übertragungen

Über ein Verbot für Alkoholwerbung nachgedacht wird auch in Deutschland. Laut «Stuttgarter Nachrichten» beliefen sich die Ausgaben für Alkoholwerbung im deutschen Fernsehen 2008 auf 367 Millionen Euro (565 Millionen Franken). Das mache klar, dass ein Verbot erhebliche volkswirtschaftliche Effekte hätte. Gegenüber den «Stuttgarter Nachrichten» wies die Vermarktungsfirma der ARD auf negative Folgen für Sport-Übertragungen hin: Der Sport sei in der Werbesprache «Männer-affin». Dort liessen sich Produkte wie Autos und Alkohol besonders gut bewerben. Ohne Alkoholwerbung wären Übertragungen von Grossereignissen - deren Rechte teuer sind - für die Sender schlechter refinanzierbar, was weniger Übertragungen zur Folge hätte.

Möglicher Umweg

Sollten der Ständerat in der Frühlingssession und der Nationalrat in der Sommersession dem Werbeverbot in der Schweiz zustimmen, bliebe den Privatsendern noch immer der Umweg über die «alkoholfreie» Alkoholwerbung: Der dänische Bierriese Carlsberg hatte beispielsweise während der Euro 08 auch im TV aus vollen Rohren für Carlsberg-alkoholfrei geworben. Dazu der Rechtsanwalt Bruno Glaus: «Eine TV-Kampagne für alkoholholfreies Bier darf aber nicht im gleichen oder ähnlichen Stil auch für alkoholhaltiges Bier eingesetzt werden.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.