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Fall München«Alle drei haben ganz brutal zugeschlagen»

Die Münchner Staatsanwaltschaft wird langjährige Jugendstrafen für die drei Küsnachter Schüler beantragen. Ein Rädelsführer lasse sich unter den dreien nicht ausmachen, sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Beckstein im Interview mit 20 Minuten Online.

von
Annette Hirschberg

Das Hauptopfer liegt nach wie vor im Krankenhaus. Ob der Versicherungskaufmann Wolfgang O. mit bleibenden physischen Schäden rechnen muss, ist noch nicht klar. Klar ist: Der 46-Jährige ist nicht das einzige Opfer der drei Küsnachter Schläger in München. Fünf Menschen traktierten die Jugendlichen auf ihrer Klassenfahrt, darunter einen Schwerstbehinderten. Das werde sich auch auf die Strafanträge der Staatsanwaltschaft auswirken, sagt der Münchner Oberstaatsanwalt Wolfgang Beckstein im Interview mit 20 Minuten Online.

20 Minuten Online: Die Schweizer Jugendlichen haben auf drei weitere Opfer, Arbeitslose im Park, massiv eingeprügelt. Wie schwer war der Angriff?

Wolfgang Beckstein: Mindestens einem der drei Opfer wurde ganz massiv gegen den Kopf getreten. Wie schlimm die Verletzungen sind, wird derzeit noch untersucht. Wir wissen bisher, dass einem der Kiefer wieder eingerenkt werden musste.

Wie werten Sie diese Angriffe rechtlich?

In dem einen massiven Fall ist es eindeutig versuchter Mord. Bei den anderen zwei arbeitslosen Opfern müssen wir die Schwere des Angriffs noch genauer prüfen.

Die Jugendlichen werden sich also wegen Mordversuchs in mindestens zwei Fällen und wegen gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen vor Gericht verantworten müssen?

Ja, und das erhöht die Schwere ihrer Schuld. Wir werden sicher langjährige Jugendhaftstrafen für alle drei fordern.

Kann einer als Rädelsführer ausgemacht werden?

So wie es derzeit aussieht, ist in den drei Fällen von Gewalt gegen Passanten nicht immer derselbe vorgeprescht und hat den ersten Schritt gemacht. Ausserdem ist klar, dass alle drei ganz massiv und brutal zugeschlagen und getreten haben.

Bereuen die drei inzwischen ihre Tat?

Ich habe gehört, dass sich einer entschuldigen will. Aber mit Lippenbekenntnissen lassen wir uns nicht abspeisen. Klar ist, in der ersten Vernehmung haben sie ihre Tat völlig reue- und emotionslos geschildert. Keine Verzweiflung war spürbar, kein Mitleid mit den Opfern. So etwas erleben wir nur ganz selten.

Werden die Schüler ihre Haft in Deutschland absitzen müssen, oder können sie eventuell zurück in die Schweiz?

Das wissen wir noch nicht. Derzeit ist beides möglich. Wir sind dabei, das abzuklären.

Ist es richtig, dass der eine Schüler, der Slowene ist, nicht in die Schweiz zurück kann?

Auch das ist noch unklar. Immerhin hat er seinen Wohnsitz in der Schweiz. Das spielt auch eine Rolle. Schliesslich hängt es von den Verträgen ab, die Deutschland und die Schweiz abgeschlossen haben.

Schweizer Schüler prügeln in München

Drei Schüler aus dem Kanton Zürich sitzen seit Mittwoch, 1. Juli, in München in Untersuchungshaft. Sie werden des versuchten Mordes und der schweren Körperverletzung beschuldigt. Am Abend zuvor tranken und kifften sie und gingen danach wahllos auf Passanten los. Einen verletzten sie lebensgefährlich. Die Jugendlichen befanden sich mit ihrer Klasse des 10. Schuljahrs der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) in einer externen Kurswoche in München.

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