Alle Drogen legalisieren
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Alle Drogen legalisieren

Der deutsche Drogenexperte Günter Amendt fordert die Legalisierung aller Drogen in der Schweiz. Die Verbotspolitik halte niemanden davon ab, Drogen in riskanten Mengen zu konsumieren.

Der Staat müsse jedoch eine regulierende Rolle übernehmen. Für alle psychoaktiven Stoffe solle ein Werbeverbot erlassen werden, sagte Günter Amendt am Freitag in einem Interview mit der «Basler Zeitung». Davon seien Alkohol und Nikotin nicht auszunehmen. Ausserdem sollten Drogen in Spezialgeschäften verkauft werden, in Drogerien im wortwörtlichen Sinn.

Schliesslich müsse verboten werden, psychoaktive Stoffe Lebensmitteln beizumischen, wie das heute bei Alcopops der Fall sei. Jeder einzelne solle sich bewusst für oder gegen den Konsum von Drogen entscheiden können.

Warnungen zeigen keine Wirkung

Von Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln hält Amendt nichts. Gerade für Kinder und Jugendliche bedeute ein solcher Warnhinweis oft eher einen Kick. Leute, die solche Kampagnen entwerfen, hätten keine Ahnung, was in Jugendlichen vorgehe.

Alkohol ist laut Amendt die gefährlichste Droge. Es gebe keine Cannabis-Toten, aber eine grosse Anzahl von Alkoholtoten, sagte er. Äusserst gefährlich seien auch Pharmadrogen. Es seien weitaus mehr Menschen von Psychopharmaka abhängig als von Heroin und Kokain zusammen.

Früher sei es darum gegangen, mit Drogen ein besonderes Wohlbefinden zu erzeugen, sagte Amendt. Die neuen Drogen der Pharmaindustrie seien jedoch unverzichtbare Hilfsmittel geworden, um der Beschleunigung der neoliberalen Gesellschaft standzuhalten.

Neue Drogenpolitik

Amendt sieht die Zukunft der Drogenpolitik in einer «Politik der Akzeptanz». Nach 30 Jahren drogenpolitischer Auseinandersetzung sei klar, dass die Verbotspolitik gescheitert sei. Ausserdem verstricke sich die Politik in Widersprüche, wenn sie zwar die Strafbefreiung für Cannabis-Konsum ablehne, gleichentags aber das Absinth-Verbot aufhebe.

Eine drogenfreie Gesellschaft ist laut Amendt unmöglich zu erreichen, eine suchfreie Gesellschaft aber wünschenswert. Deshalb müssten die Menschen befähigt werden, mit Drogen umzugehen, ohne sich und andere zu schädigen. Das sei das Ziel seines Akzeptanzkonzeptes, sagte Amendt.

(sda)

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