Aktualisiert 13.05.2020 17:52

Bordellbetreiber sind sauer«Alle dürfen wieder arbeiten, ausser wir»

Betreiber von Erotikbetrieben fühlen sich unfair behandelt, weil sie noch nicht öffnen dürfen. Sie werkeln an Schutzkonzepten und machen Druck auf den Bundesrat.

von
Joel Probst
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Betreiber von Erotik-Studios wie S. K. wollen endlich wieder öffnen. «Ich finde es ungerecht», sagt die Besitzerin von zwei BDSM-Studios. Sie arbeite mit weniger Körperkontakt als etwa eine Kosmetikerin.

Betreiber von Erotik-Studios wie S. K. wollen endlich wieder öffnen. «Ich finde es ungerecht», sagt die Besitzerin von zwei BDSM-Studios. Sie arbeite mit weniger Körperkontakt als etwa eine Kosmetikerin.

Für ihre Studios hat sie bereits ein Schutzkonzept erarbeitet: Körperkontakt ist dabei Tabu, Frau und Gast müssen beim Betreten des Studios duschen und eine Hygienemaske anziehen, die sie bis zum Verlassen anbehalten.

Für ihre Studios hat sie bereits ein Schutzkonzept erarbeitet: Körperkontakt ist dabei Tabu, Frau und Gast müssen beim Betreten des Studios duschen und eine Hygienemaske anziehen, die sie bis zum Verlassen anbehalten.

Auch Ingo Heidbrink, zu dessem Bordell-Imperium unter anderem das «Globe» in Schwerzenbach gehört, findet: «Mit Schutzkonzept zu öffnen, wäre überhaupt kein Problem.»

Auch Ingo Heidbrink, zu dessem Bordell-Imperium unter anderem das «Globe» in Schwerzenbach gehört, findet: «Mit Schutzkonzept zu öffnen, wäre überhaupt kein Problem.»

KEYSTONE

Darum gehts

  • Erotikbetriebe wollen ihre Tore wieder für Gäste öffnen. Sie fühlen sich Anbietern von therapeutischen Massagen gegenüber unfair behandelt.
  • Dazu erarbeiten sie bereits Schutzkonzepte: Ansteckungen wollen sie mit Corona-Schnelltests oder Masken und Latexanzügen verhindern.
  • Das Bundesamt für Gesundheit schweigt noch dazu, wann Erotikbetriebe wieder öffnen dürfen.

Während Studios für therapeutische Massagen ab dem 11. Mai wieder offen sind, muss das Licht in Erotikbetrieben nach wie vor aus bleiben. Medizinische Massagen sind erlaubt, «Angebote der Prostitution» verbietet die Corona-Verordnung aber nach wie vor.

Erotiksalon-Betreiber wie Ingo Heidbrink, zu dessem Bordell-Imperium unter anderem das «Globe» in Schwerzenbach gehört, versteht das nicht: «Mit Schutzkonzept zu öffnen, wäre überhaupt kein Problem», sagt er zu 20 Minuten. Er hat sogar schon eine Idee, wie: «Man könnte einfach alle Frauen jeden Tag und sämtliche Gäste mit Corona-Schnelltests testen.»

Trotzdem warte er jetzt aber ab, was der Bundesrat weiter entscheide, so der Bordellbetreiber. Die Krise könne er bisher noch gut überstehen: «Ich habe gespart für schlechte Zeiten.»

«Bei BDSM kann man Schutzmassnahmen einhalten»

«Ich finde es ungerecht», sagt auch S. K., genannt «Monarchin Hekate», die zwei BDSM-Studios besitzt. Sie fühlt sich vom Bundesrat vergessen. «Wir waren solidarisch und haben den Lockdown mitgetragen. Jetzt dürfen alle wieder arbeiten, ausser wir», so S. K. zu 20 Minuten.

Mit der Einstufung ihre Betriebes als «Erotikbetrieb» fühlt sie sich schlecht bedient. Denn die Gegebenheiten in ihren Studios würden sich deutlich von denen eines Bordells unterscheiden: «Bei uns geht es nicht um Sex. Wir arbeiten mit weniger Kontakt als eine Kosmetikerin», behauptet S. K. Etwa bei Domina-Spielen habe man einen Ganzkörperanzug aus Latex an und keinen direkten Kontakt. «Da kann man alle Schutzmassnahmen einhalten.»

Fetisch

Was ist BDSM?

BDSM ist ein Abkürzung für verschiedene miteinander verwandte Sexualpräferenzen, die oft auch Sadomaso genannt werden. Dazu gehören Verhaltensweisen wie Dominanz und Unterwerfung, spielerische Bestrafung, Lustschmerz oder Fesselungsspiele. Häufig haben diese Spiele sexuelle Bedeutung, was aber nicht heisst, dass es immer zum Geschlechtsverkehr kommt. BDSM kann, besonders bei professionellen Dominas, sogar ohne Körperkontakt auskommen.

Bereits Schutzkonzept ausgearbeitet

Sie hat bereits ein Schutzkonzept für ihre Studios ausgearbeitet. Dieses sieht vor, dass Körperkontakt und damit etwa Zwangsfütterungen verboten sind. Nur ein Gast soll jeweils das mehrere hundert Quadratmeter grosse Studio betreten. Zuerst müssen zudem Frau und Gast ihre Hände desinfizieren und duschen. Zudem müssen sie eine Hygienemaske anziehen, die sie bis zum Verlassen anbehalten. Die Räumlichkeiten sauber zu halten, sei dabei kein Problem: «Wir haben überall homogene Flächen, die man sofort mit dem Dampfstrahler reinigen kann.»

Auch eine Petition fordert den Bundesrat auf, das Regime zu lockern. Doch nicht das ganze Sexgewerbe drängt auf eine Öffnung. «Das ist alles nur Seich. Was soll ich ein Schutzkonzept umsetzen, was ich eh nicht einhalten kann», sagt ein Ostschweizer Brodellbetreiber. Für ihn die einzige Lösung «Wir müssen das aussitzen.» Er rechnet damit, rund 100'000 Franken zu verlieren.

Bieten Frauen Sex stattdessen online an?

Woran sich der Bordellbetreiber stört: «Auf Onlineplattformen bieten Frauen ihre Dienste trotzdem an, oft als medizinische Massagen. Aber haben sie das Gefühl, es bleibt dabei? Wenn die Männer in den Wohnungen sind, dann hängen die Frauen gleich am Kabel. Das ärgert mich gewaltig.»

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will sich nicht auf die Äste wagen, wann Erotikbetriebe wieder öffnen dürfen: «Ein genauer Zeitrahmen steht im Moment noch nicht fest», so Sprecherin Katrin Holenstein. Jedenfalls sind Erotikbetriebe und Prostitution auf der BAG-Webseite unter «verboten bis 7. Juni» aufgeführt. Wenige Tage zuvor waren sie noch unter «verboten bis 31. August» zu finden.

Von einer Ungleichbehandlung des Sexgewerbes gegenüber Studios für therapeutische Massagen will das BAG nichts wissen. Die Lockerungsschritte seien abgestimmt auf das Risiko für Übertragungen und hätten zum Ziel, enge Personenkontakte in der Anfangsphase zu minimieren. Dies müsse schrittweise erfolgen, um die Auswirkungen der Etappen zu monitorisieren. «Leider können damit nicht alle Branchen gleichzeitig von diesen Lockerungsschritten profitieren.»

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112 Kommentare
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Hans Wüetrich

14.05.2020, 07:36

Alle dürfen wieder Arbeiten nur nicht wir??? Auch schon mal an die Nightlife-Szene gedacht? Da steht auch immer noch alles still und ich denke das wird sogar noch länger so bleiben als bei den Bordellen! Wiedermal typisch, jeder denkt nur an sich und will immer der erste sein...

Nano

13.05.2020, 12:24

Also wenn jede(r) jeden Tag getestet wird und das möglich ist, dann gehe ich ausnahmsweise auch in s Puff mich testen lassen, aber nur dafür. Schon verrückt! :)) Andererseits, warum werden nicht alle Bürger getestet? So könnte man es eindämmen. Und das erzählt ein Puff Besitzer, so weit sind wir schon :))

Marcus Sforza

13.05.2020, 12:07

Es ist beschämend, wie sich etliche KommentatorInnen und Gutmenschen über Mitmenschen äussern, die der Sexarbeit mit variablem Einkommen nachgehen (in Abgrenzung zur Prostitution mit fixem Einkommen). Selbstverständlich sollen sie ihre Arbeit wieder ausüben dürfen. Ich sehe keinen Unterschied zu anderen Berufsgruppen mit Körperkontakt. Maskenpflicht und Hygieneregeln sind einzuhalten ... so what!