Aktualisiert 22.04.2014 16:37

Sherpas in NepalAlle Expeditionen zum Mount Everest abgesagt

Hunderte Bergsteiger müssen 2014 wohl auf ihre geplante Everest-Expedition verzichten. Denn die für den Aufstieg unverzichtbaren Sherpas wollen ihre Bergtouren einstellen.

Mit ihrem Entschluss, nach dem Lawinen-Tod von 16 Kameraden alle Expeditionen zum Mount Everest zu stoppen, haben Nepals Bergführer heftigen Unmut und Chaos ausgelöst.

Hunderte Bergsteiger aus aller Welt wollten in diesem Jahr den höchsten Berg der Welt erklimmen.

Viele von ihnen warteten bereits im Basislager auf den Saisonbeginn. Möglicherweise müssen sie wieder einpacken - sollte nicht doch noch eine Lösung gefunden werden. «Wir haben nach einer langen Sitzung an diesem Nachmittag beschlossen, zu Ehren unserer gestorbenen Brüder unsere Bergtouren einzustellen», sagte der Bergführer Tulsi Gurung.

«Alle Sherpas stehen hinter diesem Entscheid», sagte er am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Nach seinen Angaben haben einige von ihnen das Basislager bereits verlassen. Beim bislang schlimmsten Unglück am Mount Everest waren am Freitag insgesamt 16 nepalesische Bergführer ums Leben gekommen.

Sie waren am Morgen auf 5800 Metern Höhe im sogenannten Popcorn-Feld verschüttet worden, das auf der Route zum tückischen Khumbu-Eisfall liegt. Die Sherpas hatten Zelte, Seile und Lebensmittel dabei, um eine Route zum Gipfel des Everest vorzubereiten - denn Ende April beginnt üblicherweise die Bergsteiger-Saison im Himalaya.

Vorschlag der Regierung

Als Konsequenz aus dem Drama hatten die Bergführer bereits mit Streik gedroht, sollte die Regierung ihre Unfall- und Lebensversicherungen nicht erhöhen und keinen Hilfsfonds einrichten. Sie stellten ein Ultimatum bis nächsten Montag.

Nepals Regierung richtete nach dem Unglück einen Hilfsfonds für Bergsteiger ein. Mit dem Geld solle Verletzten und Familien von Verstorbenen geholfen werden, erklärten die Behörden am Dienstag.

Künftig sind nepalesische Bergsteiger mit mehr als 13'000 Franken versichert, dreimal so viel wie zuvor. Ausserdem wird ihre medizinische Behandlung mit bis zu 3600 Franken gezahlt.

Dazu werde ein Teil des Geldes verwendet, das ausländische Bergsteiger an Gebühren zahlen müssen, sagte Madhusudan Burlakot vom Tourismusministerium. Für einen Aufstieg auf den Mount Everest zahlen Bergsteiger derzeit umgerechnet rund 22'000 Franken.

Mit dem Entscheid der Bergführer, die Touren einzustellen, scheinen jedoch alle Verhandlungen vorerst hinfällig. «16 Menschen starben auf diesem Berg, gleich am ersten Tag unseres Anstiegs. Wie können wir da jetzt noch rauf?», fragte Gurungs Kollege Pasang Sherpa.

Touristen üben Druck aus

«Sie haben entschieden, dass es nicht nur um die Entschädigung geht. Sie haben vielmehr das Gefühl, dass sie als eine Art Denkmal für alle, die umkamen, den Mount Everest für dieses Jahr stilllegen sollten», sagte Ed Marzec, einer der enttäuschten Kunden.

Der 67-Jährige wollte ursprünglich als ältester US-Bürger den Berg erklimmen. Seinen Plan liess er jedoch bereits am Montag fallen, da eines der Opfer aus seinem Team war. Nicht alle Bergsteiger im Basislager haben jedoch Verständnis für den Entscheid der Sherpas.

Entsprechend mies war am Dienstag die Stimmung in dem Camp, wie Marzec berichtete. Einige Bergsteiger versuchten sogar, Druck auf ihre Sherpas auszuüben. Die Streichung aller Expeditionen hätte verheerende Auswirkungen auf Nepals Wirtschaft - das Land ist stark auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen.

Die Regierung hat für dieses Jahr Lizenzen für 32 Expeditionen mit 734 Teilnehmern erteilt, darunter 400 Sherpas. Seit der Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und seinen Bergführer Tenzing Norgay 1953 kamen bereits mehr als 300 Menschen am Mount Everest ums Leben, die meisten von ihnen waren Sherpas. (sda)

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