«Pole Position» mit Peter Haab: Alle gewinnen – nur Schumi kann verlieren
Aktualisiert

«Pole Position» mit Peter HaabAlle gewinnen – nur Schumi kann verlieren

Das Comeback des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher ist für die Formel 1 passend zur Weihnachtszeit ein Geschenk des Himmels. Aber aufgepasst: Falls Schumis Nerven nicht halten, kann er schnell wieder zum einstigen Buhmann werden.

von
Peter Haab

Kaum zu glauben, aber DIE Formel-1-Legende schlechthin kehrt nächstes Jahr definitiv in die Königsklasse des Motorsports zurück. Für die gesamte Formel 1 ist das die bestmögliche aller Weihnachts-Botschaften. Denn dank der Rückkehr der Lichtgestalt Schumacher, die am 3. Januar 2010 ihren 41. Geburtstag feiert, wird die Formel 1 in der kommenden Saison einen gewaltigen Boom erleben. Und das nicht nur in Deutschland. Dabei ist es vorerst auch gar nicht wichtig, ob Michael Schumacher wieder Rennen gewinnt oder nicht. Seine Anwesenheit allein genügt. Jeder Schritt, auch der kleinste Fehler, wird ab dem Eröffnungs-Rennen in Bahrain am 14. März 2010 wieder zum Weltthema. Schumacher ist ein Sportler, der polarisiert wie kein Zweiter. Das wird auch beim Comeback nicht anders sein.

Schumacher kann nur verlieren

Der Sport profitiert, doch die grosse Frage ist: Warum kommt Michael Schumacher, der unbestritten beste Rennfahrer aller Zeiten, nochmals zurück? Unter dem Strich kann er doch nur verlieren. Geld ist für einen, der ein paar hundert Millionen auf den Bankkonti liegen hat, bestimmt kein Anreiz mehr. Ein WM-Titel mehr oder weniger lässt den siebenfachen Weltmeister auch nicht besser schlafen. Was ist es dann? Es gibt nur eine einleuchtende Antwort: Dem durch unzählige Formel-1-Schlachten gestählten Schumacher haben im normalen Alltagsleben der Wettbewerb und die damit verbundenen Adrenalin-Schübe gefehlt. Zudem will Schumi wissen, ob er auf Grund seines herausragenden Talents und seiner vorbildlichen Fitness auch mit 41 Jahren noch Formel-1-Rennen gewinnen kann. Immer vorausgesetzt, dass es die Qualität des Mercedes-Rennwagens dann auch zulässt.

Junge ohne falschen Respekt

Doch Schumacher muss bei seiner Rückkehr vorsichtig sein. Die jungen Stars der Formel 1 wie Sebastian Vettel, Lewis Hamilton, Robert Kubica usw. werden vor dem Altmeister nicht mehr vor Ehrfurcht erstarren. Sie alle brennen doch darauf, dem bisher Grössten auf der Rennstrecke nach allen Regeln der Kunst den Meister zu zeigen. Sie werden also auch im Zweikampf mit dem siebenfachen Weltmeister mit grösster Aggressivität zu Werke gehen und auch in heiklen Rennsituationen nicht mehr zurückstecken. Mit dieser neuen Situation entsprechend geschickt umzugehen, ist ab Mitte März 2010 die grösste Herausforderung für Schumacher. Es macht nichts, wenn es bis zum ersten GP-Sieg in der zweiten Karriere etwas länger dauern würde. Aber seine Nerven muss Schumacher in den heissen Duellen mit Vettel, Hamilton und Co. im Griff haben. Sonst kann er bei diesem Comeback wirklich nur verlieren. Er wäre in Kürze wieder der einstige Buhmann, der nach seinen unfairen Duellen mit Damon Hill und Jacques Villeneuve bei den Formel-1-Fans viel Kredit verloren hat.

Nichts da von Rentner-Leben: Schumacher ist Schumacher

Einfach wirds für Schumi so oder so nicht. Denn die aktuelle Formel 1 ist die Bühne für Leute wie Weltmeister Jenson Button, Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Nico Rosberg gedacht. Schumacher müsste eigentlich in Ruhe sein unbelastetes Rentner-Leben und seine Luxus-Villa am Genfersee geniessen. Doch Schumacher ist eben nicht irgendwer, der die Früchte seiner Karriere in Ruhe geniessen kann. Schumacher ist Schumacher. Öfter mal verbissen und ein von sich selbst Getriebener. Privat die Ruhe selbst wird er im Formel-1-Cockpit zum Vollgastier, das alles von sich selbst und seinem Umfeld abverlangt und ständig nach neuen Herausforderungen sucht. Genau darum ist Schumi bis heute in der Vollgas-Branche der Beste aller Zeiten. Und er hätte eigentlich niemandem mehr etwas zu beweisen. Trotzdem spielt der bald 41-jährige Deutsche jetzt noch einmal mit dem Feuer. Der Racing-Junkie kommt offensichtlich nicht vom Formel-1-Fieber los. Ganz zur Freude von GP-Chef Bernie Ecclestone. Der hat garantiert schon lange nicht mehr derart schöne Weihnachten gefeiert.

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