Aktualisiert 25.10.2015 12:27

Mario Gavranovic«Alle hatten Angst, ein Scheisstor zu bekommen»

Der FCZ vergibt in der Nachspielzeit erneut einen sicheren Sieg. Lernen die Zürcher nicht aus ihren Fehlern?

von
E. Tedesco

Alain Nef zum verschenkten Sieg. (Video: 20 Minuten)

Im Letzigrund lief schon die Nachspielzeit. Der FCZ sah nach Toren von Mario Gavranovic (26.) und Kevin Bua (74.) 2:1 wie der sichere Sieger aus, obwohl er durch einen Treffer von Edgar Salli (5.) früh in Rückstand geraten war. Die Zürcher steckten den verpatzten Start weg, spielten ansehnlich nach vorne, kreierten viele Chancen und drehten das Resultat. Am Ende aber sollte es wieder nicht zum Sieg reichen.

Denn Dzengis Cavusevic machte den Zürchern einen Strich durch die Rechnung. Der Espen-Angreifer verwandelte in der 92. Minute eine Vorlage von Marco Aratore zum 2:2. «Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass wir ein spätes Gegentor kassieren» ärgert sich Alain Nef. «Wenn du 2:1 vorne liegst, musst du halt einmal auf Zeit spielen, am Boden liegen bleiben oder was weiss ich was tun.»

Nichts gelernt?

Was Nef anspricht: Am 2. August traf Florian Kamberi gegen den FCZ in der 93. Minute. Der Treffer des Youngsters brachte GC das 3:2 und den Derby-Sieg in der 2. Runde. 20 Tage später war der FC Luzern zu Gast im Letzigrund. Nach 72 Minuten führte der FCZ 2:1. Nach 84 Minuten stand es 2:2. Dann versagte die FCZ-Abwehr im Kollektiv: Lezcano (86.) und Kryeziu (89.) erhöhten auf 4:2; Lezcano machte in der 93. Minute den Deckel mit dem 5:2 drauf. Und auch beim Debüt von Hyypiä vor sechs Wochen vergab der FCZ in letzter Sekunde einen sicher geglaubten Sieg: Thuns Simone Rapp traf damals zum 3:3 – in der 93. Minute.

Lernt der FCZ nicht aus Fehlern? Nef: «Irgendwann müssen wir daraus lernen und irgendwann muss es auf unsere Seite kippen. Das Resultat gegen St. Gallen ist sicher schlecht, aber das Vergangene ist vorbei. Ich muss nach vorne schauen und sehe immer nur das Positive.»

Die Angst spielt mit

Dazu gehört, dass der FCZ Ansätze einer Verbesserung gezeigt hat. Er hat den frühen Rückstand weggesteckt, Druck aufgebaut und sich viele Chancen herausgearbeitet. Definitiv war der FCZ einem dritten Treffer näher als der FCSG dem Ausgleich. «Wenn du vier, fünf Chancen zum 3:1 nicht machst, dann beginnst du zu denken, dass du nun aufpassen musst, keines zu bekommen», sagt Torschütze Gavranovic, der zum Zeitpunkt des Gegentreffers schon unter der Wolldecke sass. «Alle hatten Angst, dass wir noch ein Scheisstor bekommen – und dann bekommt man es auch», sagt Gavranovic.

«Als Trainer denkt man in so einer Situation immer: Was kann ich machen, wenn so etwas passiert? Ich habe aber noch nicht verstanden, was ich machen muss, um solche Spiele zu gewinnen», sagt FCZ-Trainer Sami Hyypiä. «Ich sitze nun nach dem dritten Heimspiel hier und sage nach jedem Spiel, dass wir eigentlich gewinnen hätten müssen. Aber es geht weiter und ich behalte den Kopf oben. So wie hoffentlich auch meine Spieler diese Zuversicht teilen. Wenn man zu lange in Gedanken in der Vergangenheit festhängt, kann in der Gegenwart viel schief laufen.»

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