Für Aus- und Weiterbildungen - Alle Jugendlichen sollen ein Grunderbe vom Staat erhalten
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Für Aus- und Weiterbildungen Alle Jugendlichen sollen ein Grunderbe vom Staat erhalten

Teenager sollen ein Startkapital vom Staat erhalten, schlagen Ökonomen vor. Das soll der Vermögensungleichheit entgegenwirken. Doch das Geld soll es nur unter Einhaltung gewisser Regeln geben.

von
Barbara Scherer
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Jugendliche sollen Geld für Aus- und Weiterbildung vom Staat bekommen.

Jugendliche sollen Geld für Aus- und Weiterbildung vom Staat bekommen.

20min/Michael Scherrer
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt vor, dass alle 18-Jährigen einmalig 20’000 Euro erhalten sollen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt vor, dass alle 18-Jährigen einmalig 20’000 Euro erhalten sollen.

imago images/Steinach
Der Schweizer Ökonom Reiner Eichenberger geht noch weiter: Alle 20-Jährigen sollen einmalig 100’000 Franken erhalten.

Der Schweizer Ökonom Reiner Eichenberger geht noch weiter: Alle 20-Jährigen sollen einmalig 100’000 Franken erhalten.

20min/Stevan Bukvic

Darum gehts

  • Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schlägt ein Startkapital von 20’000 Euro für Teenager vor.

  • Der Schweizer Ökonom Reiner Eichenberger geht noch weiter und spricht von 100’000 Franken.

  • Doch das Geld soll nur für schlechte Zeiten sowie Aus- und Weiterbildungen verwendet werden.

  • Die Initiative Grundeinkommen spricht sich gegen Regeln für die Verwendung aus.

Wer aus einer armen Familie stammt, hat es meist schwerer, sich ein Vermögen aufzubauen. Darum sollen Teenager nun ein Startkapital vom Staat erhalten: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt vor, dass alle 18-Jährigen einmalig 20’000 Euro bekommen sollen.

Das sogenannte Grunderbe soll über eine Erbschafts- oder Vermögenssteuer finanziert werden. Doch das Geld wird nicht bar verschenkt. Es kommt mit einer Verwendungsauflage für Aus- und Weiterbildung, Erwerb von Wohneigentum, Selbstständigkeit oder Unternehmensgründungen, wie der «Spiegel» schreibt.

Für ein staatliches Startkapital setzt sich der Schweizer Ökonom Reiner Eichenberger schon länger ein. Sein Vorschlag: Alle 20-Jährigen sollen einmalig 100’000 Franken erhalten. «Allerdings sollte das Geld nur für schwierige Lebenssituationen sowie Aus- und Weiterbildung genutzt werden dürfen», so Eichenberger.

Denn das Ziel sei nicht, das Geld so schnell wie möglich auszugeben. Das Grunderbe gebe den Menschen eine finanzielle Basis, auf der sie ein Vermögen aufbauen können. «So sollten zugleich die Studiengebühren erhöht und Subventionen für Unis und Fachhochschulen reduziert werden», erklärt Eichenberger.

Keine übermässigen Kontrollen

Wichtig sei dabei, dass es nicht zu übermässigen Kontrollen komme. Denn das sei mit hohen Kosten verbunden. «Für schwierige Lebenslagen könnten beispielsweise 2500 Franken pro Monat frei bezogen werden», erklärt Eichenberger. So bestehe nicht die Gefahr, dass das Konto einfach geräumt werde.

So würden Arbeitslosengelder erst nach einigen Wochen Arbeitslosigkeit bezahlt. Das gibt den Menschen mehr Eigenverantwortung und Freiheiten und spart dem Staat Kosten. «Geld, das nicht bezogen wird, wächst durch die Verzinsung an und kommt später in die zweite Säule», so Eichenberger.

Dabei würde sich das Grunderbe in der Schweiz quasi grösstenteils selbst finanzieren über die eingesparten Subventionen und Arbeitslosengelder. Bei rund 80’000 20-Jährigen in der Schweiz würden sich die Kosten laut Eichenberger auf etwa acht Milliarden Franken belaufen.

Nur gewisse Jahrgänge profitieren

Die grösste Schwierigkeit sei dabei der Systemwechsel. Denn es erhalten nur junge Personen das Grunderbe – wer älter ist, geht leer aus. «Das ist nicht ungerecht. Denn das Grundkapital bringt ja auch neue Pflichten. Zudem sollten Ältere die Möglichkeit erhalten, ins neue System zu wechseln», so Eichenberger.

Es gebe auch viele andere politische Änderungen, die nur für bestimmte Gruppen Vorteile brachten. So wurde etwa die Wehrpflicht verkürzt oder eine Fachhochschule eingeführt – davon haben ältere Jahrgänge auch nicht profitiert.

Grunderbe nur ohne Bevormundung

Daniel Häni von der Initiative Grundeinkommen ist der Idee eines Startkapitals für Teenager gegenüber offen. Allerdings dürfe das Geld nicht an Bedingungen geknüpft werden, erklärt Häni gegenüber 20 Minuten.

«Das Grunderbe nützt nur etwas, wenn mit freiem Blick darüber verfügt werden kann. Sonst ist es eine Bevormundung», so Häni. Zudem könnten staatlich finanzierte Hochschulen so ihre Gelder verlieren.

Das Grunderbe könnte laut Häni mit dem bedingungslosen Grundeinkommen verbunden werden: «Dann wäre für alles, was ich unbedingt brauche, gesorgt und ich hätte ein Startkapital, um in eine Zukunft, wie ich sie sehe, zu investieren.»

Das ist das bedingungslose Grundeinkommen:

Jeder Bürger und jede Bürgerin bekommt Geld vom Staat, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Dafür gibt es keine Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Kindergeld mehr. Finanziert soll das bedingungslose Grundeinkommen von den bestehenden Steuereinnahmen und Sozialwerken werden. Ausserdem sollen insbesondere der Finanzsektor sowie Tech-Unternehmen stärker besteuert werden.

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