Luftfahrt: Alle Lufthansa-Flüge bisher nach Plan

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LuftfahrtAlle Lufthansa-Flüge bisher nach Plan

Die Lufthansa hat die Folgen des Streiks Tausender Mitarbeiter für ihre Kunden abfedern können. Bis zum Nachmittag gab es keine Flugausfälle.

Dies teilte am Montag Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow mit. Die Gewerkschaft ver.di erklärte, die Auswirkungen des ersten unbefristeten Ausstands beim Boden- und Servicepersonal seit 13 Jahren würden erst in den nächsten Tagen voll durchschlagen. Vor allem koste der Notfallplan das Unternehmen «richtig viel Geld».

Laut ver.di beteiligten sich bis zum Mittag mehr als 4000 Mitarbeiter aller Geschäftsfelder am Ausstand. Schwerpunkte waren das wichtigste Drehkreuz der Kranichlinie in Frankfurt am Main sowie Hamburg mit jeweils rund 1500 Streikenden. «Wir rechnen damit, dass der Flugverkehr Mitte der Woche stärker und Ende der Woche massiv betroffen sein wird», sagte der Hamburger ver.di-Fachbereichsleiter Dietmar Stretz.

LH-Sprecher Jachnow sagte, bis zum frühen Nachmittag seien 900 der täglich 2000 Flüge «zum Grossteil pünktlich» abgewickelt worden. Zu den Kosten für die Notfallpläne, in deren Rahmen beispielsweise Wartungsarbeiten von deutschen Werken ins Ausland verlegt wurden, äusserte er sich nicht. Wichtigstes Ziel sei es, den Service für die Kunden aufrechtzuerhalten.

Ver.di erklärte, Ziel des Ausstands sei nicht, die Passagiere zu behindern, sondern wirtschaftlichen Druck aufzubauen. «Catering bei der Konkurrenz einzukaufen oder das Fluggerät in anderen Werften warten zu lassen, ist richtig teuer», sagte Verhandlungsführer Erhard Ott. Zudem seien die Buchungen schon seit der Urabstimmung enorm zurückgegangen. Das könne man daran sehen, dass die Warteschlangen vor den Lufthansa-Schaltern erheblich kürzer seien als sonst, während sich die Passagiere bei anderen Airlines drängelten.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Ver.di fordert für die rund 50 000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr. Die Lufthansa hat 7,7 Prozent für 21 Monate angeboten - inklusive einer Einmalzahlung - und vorgeschlagen, den Konflikt mit einem Schlichtungsverfahren zu lösen. Die Gewerkschaft erklärte, das entspreche einer Erhöhung von 3,8 Prozent auf zwölf Monate gerechnet.

Ver.di sei bereit, wieder zu verhandeln, wenn seitens der Lufthansa klare Signale kämen, erklärte Ott. Nachdem das Management das jetzige Angebot als das Äusserste bezeichnet habe, sei es nun Sache der Lufthansa, sich zu bewegen.

Konzernsprecher Klaus Walther wies ver.di die Schuld am Streik zu. «Ver.di hat den Verhandlungstisch verlassen», sagte er. «Wir sind dialogbereit.» Es liege ein verhandlungsfähiges Angebot vor. Eine Art Dauerstreik wegen der Forderungen mehrerer Einzelgewerkschaften befürchte die Lufthansa nicht. Doch kritisierte Walther: «Wir haben viele Spezialistengewerkschaften, die auch noch zum Teil konkurrierende Forderungen stellen.»

Ver.di steht bei der Lufthansa beim Kabinenpersonal im Wettbewerb mit der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (UFO), die unter diesen Beschäftigten einen Organisationsgrad von mehr als 50 Prozent hat. Ihr Tarifvertrag läuft noch bis Ende des Jahres. Die UFO fordert 15 Prozent mehr Geld. Die meisten Piloten in Deutschland sind in der Vereinigung Cockpit organisiert. (sda)

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