Aktualisiert 30.11.2009 16:22

Schweizer Muslime

«Alle reden von Integration - wir sind integriert»

Die ganze Schweiz spricht vom Minarett-Bauverbot. Doch was denken jene, die vom Abstimmungsresultat direkt betroffen sind? 20 Minuten Online besuchte Schweizer Muslime. Dort hat niemand mit der Annahme der Initiative gerechnet, doch nicht alle sind enttäuscht darüber.

von
Katharina Bracher / Mathieu Gilliand

Sie stammen aus dem Irak, Bosnien oder der Türkei. Sie alle werden der Schweizer Muslime zugerechnet, obwohl die meisten von ihnen seit Jahren keine Moschee von innen gesehen haben. 20 Minuten Online hat mit Menschen gesprochen, die aus einem muslimischen Land stammen und in der Schweiz leben. Aufallend ist: Keiner war auf die harte Haltung der Schweizwer vorbereitet. «Mit dem klaren Abstimmungsresultat hätte ich nicht gerechnet», sagt Mohamend Abdel Aziz, Übersetzer aus Ägypten und seit 1985 in der Schweiz. Er ist auch etwas enttäuscht von den Schweizern. Doch für Abdel Aziz ist klar: «Ich werde mich weiterhin für den Ruf meine muslimischen Herkunftlandes einsetzen.»

«Ich habe den Entscheid zu akzeptieren»

Doch was ändert sich durch dieses Bauverbot konkret am Leben der Schweizer Muslime? «Für mich ändert das nichts. Ich fühle mich auch nicht diskriminiert deswegen», sagt Alan, «auch wenn 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung Minarette verbieten wollen, ich habe den Entscheid zu akzeptieren. Schliesslich leben wir hier nicht in einem muslimischen Land.» Der 29-jährige Iraker führt in Zürich einen Coiffeursalon. Zu seinen Kunden zählen neben vielen Schweizern auch Ausländer mit muslimischem Hintergrund. Einer davon ist Sandy, der ebenfalls aus dem Irak stammt. Dieser fühlt sich vom Minarettverbot überhaupt nicht bedroht. Er findet es selbstverständlich, dass Schweizer auf ihre kulturellen Werte bestehen: «Wenn ich in der Schweiz bin, verhalte ich mich so, wie man das hier tut. Wenn ich im Irak lebe dann lebe ich so, wie die Iraker leben», erklärt Sandy gegenüber 20 Minuten Online. Doch nicht alle nehmen das Abstimmungsergebnis auf die leichte Schulter.

«Wo ich herkomme, sind Kirchen schon seit vielen Jahrhunderten akzeptiert», sagt Mursel, ein türkischstämmiger Lagerist mit Schweizer Pass. Er fühlt sich zunehmend unerwünscht in der Schweiz. Auch sein Landsmann Levent Pekel, der akzentfrei Schweizerdeutsch spricht und in einem Öerlikoner Reisebüro arbeitet, macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: «Ich finde es schade. Alle sprechen von Integration. Doch wir sind integriert - wir arbeiten und leben hier.»

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