Aktualisiert 07.06.2012 17:13

SchnäppchenjägerAlle wollen Spanien Geld leihen

Bei der Versteigerung von spanischen Staatsanleihen gab es bis zu viermal mehr Interessenten als Anleihen. Doch der Haken für Spanien sind die rekordhohen Zinsen, die das Land dafür zahlen muss.

Der Druck auf Spanien wird immer grösser.

Der Druck auf Spanien wird immer grösser.

Für das von einer Bankenkrise gebeutelte Euroland Spanien gibt es am Anleihemarkt keine Entwarnung. Das Schatzamt in Madrid versteigerte am Donnerstag Staatspapiere mit drei verschiedenen Laufzeiten und sammelte 2,07 Mrd. Euro ein. Die Nachfrage war gross. Doch die Geldaufnahme wird immer teurer.

Für die Sanierung seiner Banken benötigt Spanien möglicherweise erheblich mehr Geld als bislang angenommen. Ein EU-Parlamentarier und Parteifreund von Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach von einer Summe von bis zu 100 Mrd. Euro.

Schuldenfinanzierung wird immer schwieriger

Bei der Anleiheauktion verlangten die Investoren für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren Zinsen von 6,044 Prozent. Im April waren es noch 5,743 Prozent. Damit wird die Finanzierung der Schulden für Madrid, das ohnehin mit einem zu hohen Staatsdefizit kämpft, immer schwieriger.

Der spanische Finanzminister Cristóbal Montoro hatte Anfang der Woche erstmals offen eingeräumt, dass die Tür zum Kapitalmarkt beim aktuellen Renditeniveau praktisch geschlossen sei. Das heizte Spekulationen weiter an, Spanien müsse nach Irland, Portugal und Griechenland ebenfalls unter den europäischen Rettungsschirm flüchten.

Händler sprechen von Erfolg

Händler bezeichneten die Versteigerung am Donnerstag dennoch als Erfolg und führten die sehr starke Nachfrage an. Die Titel waren 2,56- bis 4,26-fach überzeichnet.

Zuletzt hatten Investoren das Land aufgrund der Probleme im Bankensektor immer kritischer bewertet. Deswegen herrschte wegen der robusten Nachfrage, die auch ein Indiz für das Vertrauen der Anleger ist, trotz höherer Zinsen auch Erleichterung.

Am Sekundärmarkt für bereits gehandelte Anleihen gingen die Renditen denn auch merklich zurück. Die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen näherte sich hier wieder der Marke von sechs Prozent an, nachdem sie zeitweilig bis auf 6,7 Prozent gestiegen war. Händler begründeten mit der Hoffnung auf eine baldige Lösung der Bankenkrise in Spanien.

100 Mrd. Euro Bedarf

Der Generalsekretär der Europäischen Volkspartei (EVP), Antonio López-Istúriz, sagte, bei den Hilfen für die spanischen Banken gehe man von einer Summe von insgesamt 80 und 100 Milliarden Euro aus, vielleicht auch weniger. Die EU-Gipfelkonferenz am 28./29. Juni könnte grünes Licht geben, wenn Spanien die Hilfen benötige. Die genannte Summe ist erheblich höher als die bisherigen Schätzungen.

Der Präsident der Grossbank Santander, Emilio Botín, hatte den Gesamtbedarf des spanischen Bankensektors auf 40 Mrd. Euro beziffert. Die EU-Kommission betonte erneut, es gebe aus Spanien keinen Antrag auf Hilfen.

Die spanische Regierung hat noch nicht entschieden, ob sie in Brüssel Hilfen beantragen wird. Sie will nach Angaben von Wirtschaftsminister Luis de Guindos erst Gutachten des Weltwährungsfonds (IWF) und zweier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zur Lage des spanischen Bankensektors abwarten.

Frankreich kommt billig zu Geld

Die zweitgrösste Euro-Volkswirtschaft Frankreich kam zu günstigeren Bedingungen als zuletzt an neues Geld. Insgesamt nahm das Land am Donnerstag 7,836 Mrd. Euro auf, wie die französische Finanzagentur in Paris mitteilte. Der grösste Teil entfiel auf eine zehnjährige Anleihe. Die Rendite lag hier bei 2,45 Prozent und damit niedriger als bei einer vergleichbaren Auktion Anfang Mai (2,96 Prozent).

Die Finanzmärkte nahmen die Auktionen erleichtert auf. Der Euro- Kurs kletterte zunächst in Richtung der Marke von 1,26 US-Dollar, sank dann aber wieder ab und notierte mit 1,2564 leicht unter dem Vortag.

(sda)

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