Schweizer Asyl-Dschungel – Alleine die Registrierung der Geflüchteten dauert mehrere Stunden

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Schweizer Asyl-DschungelAlleine die Registrierung der Geflüchteten dauert mehrere Stunden

Nach der Flucht aus der Ukraine müssen Geflüchtete zuerst mehrere Stunden auf ihre Registrierung warten und werden anschliessend in andere Asylzentren verlegt, wie mehrere Fälle zeigen. 

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Bereits 1,5 Millionen Menschen sollen aus der Ukraine geflüchtet sein. Nur 330 davon haben ihren Weg in die Schweiz gefunden. (Archivbild) 

Bereits 1,5 Millionen Menschen sollen aus der Ukraine geflüchtet sein. Nur 330 davon haben ihren Weg in die Schweiz gefunden. (Archivbild) 

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Bei der Ankunft in den Asylzentren kann es sein, dass die Geflüchteten weitere Kilometer auf sich nehmen müssen.

Bei der Ankunft in den Asylzentren kann es sein, dass die Geflüchteten weitere Kilometer auf sich nehmen müssen.

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Tausende Schweizerinnen und Schweizer hätten sich in den vergangen Tagen bei der NGO Campax gemeldet und eine Wohnung oder ein Zimmer für Geflüchtete bereitgestellt.

Tausende Schweizerinnen und Schweizer hätten sich in den vergangen Tagen bei der NGO Campax gemeldet und eine Wohnung oder ein Zimmer für Geflüchtete bereitgestellt.

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Darum gehts

Nach einer fünftägigen Flucht aus der Ukraine hat eine Familie das Bundesasylzentrum in Boudry NE erreicht. Das Paar hat vier Kinder, das kleinste ist drei Jahre alt. Laut «SonntagsZeitung» ging die Fahrt rund 1700 Kilometer durch Moldau, Rumänien, Ungarn und Österreich. Die Schwester der Mutter lebt in Zürich, wo die Familie zuerst unterkommen konnte. 

Im Zürcher Bundesasylzentrum musste die Familie bei Ankunft bereits sieben Stunden in einem Wartesaal auf die Registrierung warten. Doch auch mit Übersetzungshilfen konnte der Prozess nicht beschleunigt werden. Am späteren Abend konnte die Familie einen Schlafsaal beziehen. Die Familie ist eine von 330 Geflüchteten, die seit Ausbruch des Krieges in der Schweiz Zuflucht fand. 

«Aus logistischen Gründen» einmal quer durch die Schweiz

Nach einer Nacht im Zürcher Bundesasylzentrum wird die Familie aufgefordert, ins 160 Kilometer weit entfernte Bundesasylzentrum in Boudry NE zu fahren. Auf dem Passagierschein, den die Familie für die Überfahrt erhalten hat, steht «aus logistischen Gründen». In Boudry angekommen stellt sich heraus, dass andere Geflüchtete das umgekehrte Szenario erlebt hatten. Sie hatten sich in Boudry gemeldet und wurden nach Zürich verwiesen. Auch andere Geflüchtete aus der Ukraine berichten von langen Wartezeiten bei ihrer Ankunft, berichtet die «SonntagsZeitung» weiter.

Schweiz scheint nicht auf die Ankunft von Geflüchteten vorbereitet

Es scheint, als sei die Schweiz nicht auf den Empfang von Geflüchteten vorbereitet, obwohl erst sehr wenige von den rund eineinhalb Millionen Ukrainerinnen und Ukrainern in der Schweiz angekommen sind. «Seit Anfang Jahr haben sich rund 330 ukrainische Personen in den Bundesasylzentren gemeldet, momentan haben rund 200 Staatsangehörige aus der Ukraine ein Asylgesuch gestellt und sind in einem Bundeszentrum untergebracht», zitiert die «SonntagsZeitung» das SEM.

Doch die Behörden werden von Privaten unterstützt. Die ukrainische Familie will einen Antrag auf Privatunterkunft stellen. Tausende hätten sich in den vergangenen Tagen bei der NGO Campax gemeldet und eine Wohnung oder ein Zimmer für Geflüchtete bereitgestellt. Die Anträge für eine solche Unterkunft müssen vom SEM bewilligt werden.

Das Staatssekretariat für Migration sei deshalb mit «Kantonen, Gemeinden und NGOs in engem Kontakt». Zuerst aber müsse die eigene Krisenorganisation aufgebaut werden, um die Wohnungen überhaupt den Geflüchteten zuweisen zu können. Campax soll nun nächste Woche den Behörden die Datenbank öffnen. Dazu gehören Hotelzimmer, Gasthäuser oder Unterkünfte bei Kirchen und Gemeinden.

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(sys)

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