POIS-Syndrom: Männer, die allergisch auf eigenes Sperma sind

POIS-Syndrom: Ein Forschungsteam in den USA untersucht Männer, die allergisch auf ihren Samenerguss sind. 

POIS-Syndrom: Ein Forschungsteam in den USA untersucht Männer, die allergisch auf ihren Samenerguss sind. 

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Publiziert

Seltene MännerkrankheitAllergisch auf den eigenen Orgasmus – das steckt dahinter

Beim POIS-Syndrom werden Männer nach dem eigenen Samenerguss krank. Forschende haben nun Therapieansätze entwickelt. 

von
Geraldine Bidermann

Fieber und andere Erkältungssymptome nach dem Sex? Für manche Männer ist dies leider Realität. Was für Medizinerinnen und Mediziner lange ein Rätsel war, ist heute besser untersucht. Forschende der Oakland University William Beaumont School of Medicine in Michigan haben 60 Fallberichte von Männern, die unter einer solchen «Orgasmus-Allergie» leiden, im Fachjournal Urology Case Reports vorgestellt. 

POIS-Syndrom

Die Symptome von POIS

Grippeähnliche Symptome wie erhöhte Körpertemperatur, Schwitzen und Schüttelfrost sowie unspezifische Symptome wie Konzentrationsschwäche, extreme Müdigkeit, Erschöpfung und Gereiztheit sind die häufigsten Erscheinungen des Syndroms. Die Symptome treten in den meisten Fällen weniger als 30 Minuten nach dem Samenerguss auf und halten für die Dauer von zwei bis sieben Tagen an. Auch Gedächtnisverlust und Konzentrationsschwierigkeiten wurden bereits als Symptome von POIS gemeldet. 

Wenn der Orgasmus krank macht: Nur wenige Männer sind davon betroffen, dementsprechend unerforscht war das Phänomen für lange Zeit. 

Wenn der Orgasmus krank macht: Nur wenige Männer sind davon betroffen, dementsprechend unerforscht war das Phänomen für lange Zeit. 

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Ursachen sind unklar

Die Autoren der oben erwähnten Studie vermuten, dass POIS mit einer Autoimmunreaktion gegen das körpereigene Sperma zusammenhängt. Demnach könnten vorangegangene Infektionen oder Verletzungen im Bereich der Hoden zur Folge gehabt haben, dass winzige Mengen von Spermien in den Blutkreislauf der Betroffenen gelangten. Der Organismus von Betroffenen identifiziert den eigenen Samen als einen Fremdstoff und trainiert die Immunzellen als Folge darauf, diesen zu bekämpfen.

27-Jähriger litt jahrelang

Unter den dokumentierten Fällen ist auch der eines heute 27-jährigen Mannes aus Oakland. Er habe erstmals mit 18 bemerkt, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Nach dem Orgasmus lief ihm die Nase, er musste niesen und hatte mit Hautausschlägen zu kämpfen. Weiterhin berichtete er von geschwollenen Lymphknoten im Gesicht. Wegen der Symptome vermied er während Jahren praktisch jede sexuelle Aktivität und ging keine romantischen Beziehungen ein.

Die Symptome seien umso schlimmer gewesen, je heftiger er ejakuliert hatte.

Die Symptome seien umso schlimmer gewesen, je heftiger er ejakuliert hatte.

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Zahlreiche Besuche bei medizinischen Fachpersonen brachten weder eine Diagnose noch eine Linderung. Erst, als ihn ein Arzt an einen Urologen weiter gewiesen habe, der an der Studie arbeitete, kam Klarheit. 

Heuschnupfenmittel brachte Linderung

Dank verschiedenen Medikamenten konnten die Beschwerden gelindert werden. Beim Patienten in den USA half das Medikament Fexofenadin. Das Antihistamin kommt auch gegen Heuschnupfen und Nesselfieber zum Einsatz. Damit konnten die Symptome zu 90 Prozent reduziert werden. 

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Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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