Ivo Karlovic: Alles andere als ein gewöhnlicher Spieler
Aktualisiert

Ivo KarlovicAlles andere als ein gewöhnlicher Spieler

Ivo Karlovic, der Viertelfinal-Gegner von Roger Federer, hebt sich deutlich von der grossen Masse der Tennisspieler ab. Nicht nur, weil der Kroate mit einer Körpergrösse von 2,08 Meter die gesamte Konkurrenz überragt. Sondern auch, weil er sich mit seiner Art Tennis zu spielen deutlich dem allgemeinen Trend widersetzt.

von
Philipp Reich

Die Partien von Ivo Karlovic sind für das Publikum meist nicht sehr unterhaltsam. Wegen seinem unglaublich starken Service kommt es kaum zu Ballwechseln und so ist der erste Schlag oft auch schon wieder der Letzte. Kommt der Return für einmal über das Netz zurück, steht der 2,08 Meter grosse Riese auch schon am Netz und hat beim Volley leichtes Spiel.

Karlovic ist einer der letzten verbliebenen klassischen Serve-and-Volley-Spieler und gehört damit zu einer aussterbenden Spezies. Vor einigen Jahrzehnten dominierten Spieler wie er die schnellen Beläge noch ohne Konkurrenz. Mittlerweile sind die Bedingungen aber fast überall langsamer geworden - keine optimalen Bedingungen für Aufschlagsmonster wie Karlovic.

Der unnütze Rekord

Trotz seiner Aufschlagsstärke ist Ivo Karlovic, der sich viel vom früheren Wimbledonsieger und Landsmann Goran Ivanisevic abgeschaut hat, nie zum Seriensieger geworden. Dazu sind seine Grundschläge zu flatterhaft und seine Beweglichkeit wegen der immensen Körperlänge zu eingeschränkt. An guten Tagen kann der Aufschlagshüne aber jeden Spieler auf der Tour schlagen. Sobald es aber nicht nach Wunsch läuft, kann er aber auch gegen fast jeden Gegner verlieren.

Ein Beispiel gefällig: Gegen Lleyton Hewitt führte Karlovic nach zwei gewonnen Tie-Breaks mit 2:0-Sätzen, als der Faden riss. Hewitt kämpfte sich zurück und drehte die Partie. Karlovic servierte in diesem Fünfsatz-Krimi den inoffiziellen Weltrekord von 55 Assen. Freuen konnte sich der 30-Jährige darüber allerdings nicht.

Noch kein Break zugelassen

Für seine Aufschlagsstärke wird Karlovic aber nicht nur gelobt. Oft wird herumgenörgelt, dass er ein Spiel nur mit seinem Service gewinnen könne. Den schüchternen Kroaten lässt das mittlerweile kalt. Nach seinem Sieg gegen Jo-Wilfried Tsonga witzelte der «König der Asse» keck: «Wenn ich mit einem einzigen Schlag gewinnen kann, dann muss ich doch ein Genie sein.»

Dass Karlovic' Aufschlag ihn auch in den Wimbledon-Viertelfinal gegen Federer geführt hat, zeigt ein Blick auf die Statistik. Der Kroate schlug in den ersten vier Runden 137 Asse. Das sind 41 mehr als Andy Roddick, der auf Rang zwei liegt. Roger Federer folgt mit 59 Assen gar erst auf Rang fünf dieser Statisik. Karlovic hat auf seinem Weg in die Runde der letzten Acht ausserdem noch kein Break zugelassen. Die einzigen vier Breakchancen wehrte er in der ersten Runde gegen den Slowaken Lukas Lacko allesamt ab.

Siegestanz gegen Federer?

Karlovic steht in Wimbledon zum ersten Mal im Viertelfinal eines Grand-Slam-Turniers. Dementsprechend gross war die Freude beim Kroaten nach seinem Sieg gegen Fernando Verdasco im Achtelfinal. Ja, sie war gar so gross, dass er schüchterne Riese nach dem Spiel ein kleines Tänzchen aufführte. Auch gegen Federer will Karlovic den Tanz wieder aufführen, falls er gewinnen sollte. «Gegen ihn ist es aber immer besonders schwer. In den engsten Momenten spielt er immer sein bestes Tennis», so Karlovic. Deshalb sei der Schweizer ja auch der beste Spieler aller Zeiten.

20 Minuten Online ist beim Viertelfinal ab 14 Uhr live dabei.

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