Leichtathletik-WM: Alles Bolt, oder was?

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Leichtathletik-WMAlles Bolt, oder was?

Für Usain Bolt ist an der 14. Leichtathletik-WM der rote Teppich ausgerollt. Der Sprinter ist der unbestrittene Posterboy der Wettkämpfe in Moskau. Spektakel wird aber auch anderswo erwartet.

Usain Bolt dürfte zum fünften Mal in Serie einem Leichtathletik-Anlass den Stempel aufdrücken. Seit den Olympischen Spiele 2008 in Peking gewann er sechsmal Olympia- und fünfmal WM-Gold - den 100-m-Titel in Daegu verpasste er nach einem Fehlstart. In diesem Sommer kam der bald 27-jährige Ausnahmeathlet allerdings nur mühsam in Fahrt. Er blieb deutlich über seinen Fabelweltrekorden von 9,58 beziehungsweise 19,19 Sekunden über 100 und 200 m, weshalb der Kampf um die Sprintkrone erstmals wieder offen zu sein schien.

Doch das Duell gegen den Ex-Weltmeister und Jahresweltbesten Tyson Gay platzte vorzeitig. Der Amerikaner war der dickste Fisch in einem Schwarm von Betrügern, die den Dopingfahndern ins Netz gingen. Auch Bolts Landsmann Asafa Powell wurde erwischt. Zudem fällt Staffelkollege Yohan Blake, der in den letzten Jahren die Verfolger hinter Bolt anführte, wegen einer Verletzung die ganze Saison aus. Somit wird mit Justin Gatlin (USA) ausgerechnet ein ehemaliger Dopingsünder zu Bolts grösstem Rivalen über 100 m.

Der Showman der Leichtathletik wird bereits am ersten Wettkampftag am Samstag seinen ersten Auftritt in den 100-m-Vorläufen haben. Der Showdown steigt dann in der Nightsession vom Sonntag (19.50 Uhr/Schweizer Zeit). Im 200-m-Final vom Samstag, 17. August (18.05), sowie tags darauf im letzten der 47 Wettkämpfe über 4x100 m will Bolt das Triple realisieren.

Letzter Coup von Isinbajewa?

Das WM-Logo ziert die Silhouette der Stabqueen Jelena Isinbajewa. Ob die 31-Jährige im Luschniki-Stadion die weibliche Hauptrolle einnehmen kann, ist indes fraglich. Ihre Dominanz, während der sie 30-mal Weltrekord sprang, ist längst Vergangenheit. Ihren letzten grossen Titel unter freiem Himmel gewann sie 2008 in Peking. Ein Jahr später folgte bei Weltklasse Zürich mit 5,06 m der noch gültige Weltrekordflug. Im vergangenen Jahr in London resultierte immerhin Olympia-Bronze. Das Glamourgirl gibt in Moskau voraussichtlich seine Abschiedsvorstellung.

Zahlreiche Absagen

Die Titelkämpfe werden nicht bloss durch die Dopingenthüllungen im Sprintbereich überschattet. Auch einige namhafte Absenzen nehmen den Weltmeisterschaften 30 Jahre nach der Premiere in Helsinki, wo der Stern von Carl Lewis aufgegangen ist, etwas den Glanz. Verletzungsbedingt fehlen unter anderen die Siebenkämpferin Jessica Ennis-Hill, das Postergirl der Spiele von London, und der kenianische 800-m-Läufer David Rudisha, der im Londoner Olympiastadion mit einem Sololauf als Erster die Marke von 1:41 Minuten unterboten hat. Aus unterschiedlichen Gründen bleiben auch die Zugpferde Kenenisa Bekele (Äth), Caster Semenya (SA) und Blanka Vlasic (Kro) Moskau fern.

Gleichwohl wird in den neun Tagen hochklassiger Sport geboten. Zahlreiche Olympiasieger wollen ihren Coup von London bestätigen. Unter anderen dürften der erst 20-jährige Kirani James (Gren) über 400 m, Langstreckler Mo Farah (Gb), Hürdensprinter Aries Merritt, Zehnkämpfer Ashton Eaton (beide USA) oder Stabhochspringer Renaud Lavillenie (Fr) in den Wettkämpfen der Männer für Stimmung sorgen. Auch die Felder der Athletinnen sind stark besetzt und bieten dem Publikum viel russische Frauenpower.

Zwei Weltrekorde?

Für einen Weltrekord kommen primär zwei Protagonisten in Frage, die erst in dieser Saison aufgetaucht sind. Der ukrainische Hochspringer Bogdan Bondarenko versuchte sich bereits an der Weltrekordmarke von Javier Sotomayor (Kuba/2,45), und die Hürdensprinterin Brianna Rollins kam an den US-Trials in die Nähe des Uralt-Weltrekords von Jordanka Donkova (Bul).

Der Kampf um die inoffizielle Krone der Top-Nation der Leichtathletik wird sich zwischen Gastgeber Russland und den USA abspielen. 2011 in Daegu (SKor) nahmen die USA mit 25 Medaillen (12 Gold) vor Russland (19/9) Rang 1 ein. Die Sportnation Russland, die auch regelmässig Dopingfälle zu verarbeiten hat, steht diesmal als Gastgeber der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 und der Fussball-WM 2018 unter besonderer Beobachtung.

Mit über 2500 Sportlerinnen und Sportlern aus 206 Nationen wird ein Teilnehmerrekord erwartet. Die Wettkämpfe werden in rund 200 Länder übertragen. Die erfolgreichen Starter werden viel Geld verdienen. Der IAAF belohnt die acht Bestplatzierten jeder Disziplin mit einem Preisgeld von insgesamt 7,194 Millionen Dollar. Die Einzelsieger erhalten 60'000 Dollar, Prämien von 30'000 und 20'000 Dollar bekommen die Zweiten und Dritten. Platz acht ist noch mit 4000 Dollar dotiert. In den Staffel-Wettkämpfen können sich die ersten drei Teams auf 80'000, 60'000 beziehungsweise 40'000 Dollar freuen. Die besonders herausragenden Leistungen werden zusätzlich vergoldet. Für einen Weltrekord zahlen zwei IAAF-Sponsoren (Toyota und TDK) 100'000 Dollar. (si)

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