Meisterliche Aussichten: «Alles geht, nur die Frösche hüpfen»
Aktualisiert

Meisterliche Aussichten«Alles geht, nur die Frösche hüpfen»

Nach der Meisterschaft ist vor der Meisterschaft. Nur wenige Stunden nach einer feuchtfröhlichen Meisterparty, zog FCB-Trainer Thorsten Fink kurz Bilanz. Wichtiger ist aber der Blick nach vorne.

von
Eva Tedesco

Mit kleinen Augen und leicht angeschlagener Stimme liess der Meistertrainer noch einmal Mal die letzten Stunden Revue passieren: «Das Spiel war perfekt. Die Stimmung im Stadion war fantastisch – es war einfach alles angerichtet für ein grosses Fest.» Beeindruckt spricht der Trainer von der Qualität seiner Mannschaft auf den Punkt bereit zu sein. Wie im letzten Jahr in Bern, liess Rotblau auch am Mittwoch im Fernduell gegen den FC Zürich nichts anbrennen.

«Die erste Titelfeier im letzten Jahr war für mich spezieller, weil ich nicht wusste was mich erwartet. Beim zweiten Mal ist diese gewisse Euphorie nicht ganz so gross, obwohl die Bestätigung dieser Erfolge immer schwieriger ist. Aber es ist immer wieder schön Meister zu werden und wir können nicht genug kriegen.» Deshalb schaut Fink schon nach vorne: «Unser Ziel ist es, den Titel auch im nächsten Jahr zu verteidigen. Dreimal in Folge hat soviel ich weiss, noch kein Klub geschafft seit der neue Pokal im Umlauf ist.» Das ist seit 1985. Dass die Messlatte nun wieder ein Stück höher liegt, bestreitet er. «Die Erwartungen sind ja auch in dieser Saison schon hoch gewesen. Wir wollen Spass vermitteln, den Titel holen, dabei mit beiden Beinen am Boden bleiben und der Verein bleiben, der wir sind.»

Der FCB will in der Champions League überraschen

Trotz den Champions-League-Einnahmen zwischen 20 und 25 Millionen, die die direkte Qualifikation in Aussicht stellt, wird der FCB nun nicht mit Geld um sich werfen und für 20 Millionen Topstars ans Rheinknie holen. «Wir sagen ja nicht, dass wir die Champions League gewinnen wollen. Da müssen wir realistisch sein, aber wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Unser Ziel lautet, dass wir auch international überraschen wollen. Es geht alles, nur die Frösche hüpfen!» Wenn denn mehr daraus wird, nimmt man das gerne mit. Finanziell gerät der FCB aber in die groteske Situation, dass man trotz direkter Qualifikation weniger Startgeld verdienen wird, wie bisher. Dies kommt daher, dass die letztjährigen rund drei Millionen aus dem zentralen Vermarktungsteil kleiner werden.

Punktuelle Verstärkungen sind geplant

Grosse Veränderungen im Kader strebt der FCB trotz CL-Gruppenphase nicht an. Auch wenn man nicht kategorisch Nein zu einem wirklichen Topspieler sagen würde, wenn es sich ergibt. Deshalb sagt auch Vize-Präsident Bernhard Heusler: «Die schwierige Aufgabe ist, wenn man den Erfolg erreicht hat, uns in allen Dingen zu hinterfragen und wieder eine Mannschaft zusammenzustellen, die Qualität hat und hungrig ist.» Bekannt sind die Abgänge von Goalie Franco Costanzo, den man nach Klubphilosophie durch ein Eigengewächs (Yann Sommer) ersetzt. Behrang Safari, über dessen Neuausrichtung noch nichts bekannt ist und Verteidiger Beg Ferati, der zu Freiburg wechselt.

Sicher ist, dass die Abgänge ersetzt werden, oder zum Teil, wie durch Aleksandar Dragovic und Markus Steinhöfer schon im Winter ersetzt wurden. Weiters seien lediglich punktuelle Verstärkungen geplant, wie zum Beispiel im Sturm. «Wir können von einem Spieler wie Alex Frei nicht erwarten, dass er jede Saison jedes Spiel macht. Da ist sicher Handlungsbedarf. Wir wollen einen Stürmer, der vom Spielertyp anders ist, als Frei und Streller und natürlich, wenn es Abgänge gibt, diese zu ersetzen.» Ein Verein wie der FCB müsse immer damit rechnen, dass seine Spieler Begehren wecken, aber dafür ist man gerüstet. «Wir sprechen und diskutieren das ganze Jahr über und informieren uns über Spieler. Wir werden auch diesmal gewappnet sein», so Fink, der schon gespannt auf die nächste Meisterschaft schielt.

Konkurrenz belebt das Geschäft und ein kleiner Seitenhieb gegen Bayern

In einer Saison, in der der Meister wieder durch die Tretmühle einer CL-Quali muss und der zweite Leer ausgeht, respektive um den Einzug in die Europa League spielen muss, denn die fetten Jahre fallen aus der 5-Jahres-Wertung der Uefa. Fink: «Schaun mer mal, aber ich denke, dass eine interessante und spannenden Saison auf uns wartet. Es scheint, dass YB mit der Verpflichtung eines Trainers, der viel Erfahrung mit Titeln hat, angreifen will. Und auch Zürich hat gezeigt, dass gut gearbeitet wird. Aber das passt schon: Konkurrenz belebt ja das Geschäft und die Liga wird so nur aufgewertet.»

Als kleinen Vorteil sieht Fink für Rotblau darin, dass die anstrengende Qualifikationsphase für den internationalen Wettbewerb wegfällt und damit auch die anstrengenden Reisen wie nach Tiraspol oder Baku. «Wir haben zwar noch keine Erfahrung mit einem freien Juli und August, aber die Mannschaft hat Zeit zusammenzuwachsen, das kann ein kleiner Vorteil sein.» Ein Schmunzeln konnte sich Fink dann doch nicht verklemmen, als die Sprache auf seine Bayern kam, der sich erst für die Königsklasse qualifizieren muss. Der ehemalige Bayern-Profi: «Ich werde vor dem TV-Gerät sitzen und mit meiner Mannschaft interessiert zuschauen, was sie machen...»

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