Aktualisiert 21.03.2005 21:10

Pedro Lenz - «Kleines Lexikon der Provinzliteratur»Alles gelogen und doch irgendwie real

SATIRE – Auch die ausgebufftesten Kenner der Schweizer Literatur werden wohl noch nichts von Gertrud Niederhauser aus Untersteckholz gehört haben.

In ihrer Erinnerungstrilogie «Früecher aube», «Weisch no» und «Masch di bsinne» führt sie immerhin 35 Synonyme für das Wort «damals» auf. Und wer weiss schon von Andreas Hefti, genannt MC Andy, der am interregionalen Poetry Slam im grossen Zivilschutzsaal der Mehrzweckhalle Bülach mit einem provokanten englischen Text abräumte: «Fuck you everybody.»

Dies sind sozusagen die zwei Extreme der Schweizer Provinzliteratur, und auch wenn ihre Protagonisten erfunden sind, so ist doch alles ganz wirklich und wahr. Möglich wäre durchaus auch der kuriose Fall des Res Gammenthaler, der in der englischsprachigen Literaturwissenschaft in einem Atemzug mit Frisch und Dürrenmatt genannt wird, obwohl er noch keine Zeile geschrieben hat. All diese flagranten Fälle von Lehrer- und Keller-Literatur, botanischen Sonetten, Mundarterinnerungen und Bauernmalerei persifliert Pedro Lenz in seinem fiktiven Lexikon. Manchmal verschlägt es einem glatt das Lachen, so realistisch erscheint dies alles. Lenz, Berner Mundartkünstler, Poetry-Slam-König und Fussballfan, hat ein hervorragendes Gespür für das Timing eines Textes und seiner Pointe. Leichtfüssig spielt er mit Klischees und schlechten Texten, der Leserschaft zum lehrreichen Vergnügen.

Wolfgang Bortlik

Pedro Lenz «Kleines Lexikon der Provinzliteratur». Bilger- Verlag, 112 Seiten, 28 Franken.

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