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Passanten nach dem Grossbrand «Alles gesperrt – ich will in den Make-up-Laden»

Verwirrte Touristen, genervte und verängstigte Passanten: Der Grossbrand beim Hauptbahnhof bewegt die Leute. Einige kommen zum Gaffen.

von
M. Sommerhalder

Nach dem Grossbrand beim Hauptbahnhof: Verwirrte Touristen, genervte Passanten. Video: 20 Minuten

Zürich, Bahnhofstrasse. Polizisten stehen vor der Absperrung. «Ich muss hier durch», sagt ein Mann in scharfem Tonfall zu den Beamten. Geduldig erklären sie ihm, dass dies wegen des Feuers zu gefährlich wäre, der Mann schüttelt den Kopf und geht weg.

Ein paar Jugendliche haben andere Sorgen. Sie würden gerne zu McDonald's, doch dieser liegt in der Sperrzone. «Nein! Wo ist der nächste Mac?», sagen sie und seufzen. Geschlossen ist auch der Make-up-Laden, den Hanija Elimam (30) aus Abu Dhabi gern besucht hätte: «Ich bin Touristin und weiss nicht mehr, wohin. Sie hätten doch nur da absperren können, wo es tatsächlich gebrannt hat.»

Auch andere Passanten stehen ratlos auf der Bahnhofstrasse, keine Trams fahren mehr. VBZ-Mitarbeiter helfen ihnen, dass sie doch noch zum Ziel kommen. «Ich will meinen Mann im Unispital besuchen. Wie mache ich das bloss?», fragt eine Frau.

«Die vielen Polizisten machen mir Angst»

Salima Musci (33) ist von der Szenerie am Hauptbahnhof völlig überrascht. Die vielen Polizisten machen ihr Angst: «Ich dachte, eine Bombe sei explodiert.» Sie fühle sich in Zürich sonst immer sicher. Dass es einen Grossbrand gegeben habe, tue ihr leid.

Cece Lee (27) hat diesen hautnah mitbekommen. Sie war an einer Veranstaltung auf der anderen Seite des Flusses, als sie das brennende Gebäude sah. «Es gab einen Knall und wir sahen Leute wegrennen.» Gebannt starrte sie auf die Flammen, hatte Angst, dass das Feuer bis zu ihr rüberkommen würde.

Aus der Sperrzone gejagt

So weit kam es nicht, doch Lee ist auch zwölf Stunden danach immer noch aufgewühlt: «Ich habe kaum geschlafen», sagt die Unternehmerin. Um neun Uhr morgens gab sie schon wieder eine Musikstunde. «Ich musste zuerst schauen, wie ich überhaupt zu meiner Schülerin komme, weil nichts mehr fuhr», sagt sie. Hinter ihr huscht eine ältere Frau unter dem weiss-roten Band hindurch. Gefolgt von einem genervten Polizisten, der sie aus der Sperrzone jagt.

«Ich verstehe, dass sie ihren Job machen müssen», findet Marianna Zwahlen, als sie wieder im legalen Bereich steht. «Auf der anderen Seite finde ich die ruppige Reaktion kleinlich. Schliesslich habe ich zu den Polizisten gesagt, dass ich keinen Schritt weiter gehe», sagt die 70-Jährige.

«Ich wollte unbedingt ein Foto des Hauses»

Sie sei fast täglich beim Hauptbahnhof unterwegs. «Als ich im Radio vom Brand hörte, dachte ich zuerst, sie hätten das Globusprovisorium abgefackelt.» Sie wollte dann wissen, welches Gebäude es tatsächlich war: «Also machte ich etwas, was ich sonst nie mache: Ich ging gaffen», sagt sie und fährt mit der Hand durch ihren Pagenschnitt. Weil sie von der Absperrung das Haus nicht genau sah, habe sie sich untendurch gewagt: «Ich wollte ein Foto machen für meinen Mann. Er sitzt zu Hause im Rollstuhl.»

Sie nimmt die Rolltreppe und verschwindet im Shopville. Menschen kommen hoch auf die Bahnhofstrasse und machen noch mehr Bilder mit dem Smartphone. Polizisten schauen, dass die Sperrzone auch Sperrzone bleibt.

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