Let's talk about Sex: Alles im rosaroten Bereich
Aktualisiert

Let's talk about SexAlles im rosaroten Bereich

Sex – drei Buchstaben und viele Fragen. Unsere grosse Umfrage liefert Antworten.

von
Cécile Blaser

Wir tun es im Schnitt einmal die Woche, 30 Minuten lang, in der Missionarsstellung. Das erste Mal Sex haben die meisten von uns zwischen 16 und 18, ein Viertel hat seitdem mit niemand anderem mehr geschlafen. Sind wir also viel prüder, als man uns immer weismachen will? All die Geschichten von Sexsucht, exzes­sivem Pornokonsum, Intim-OPs bei 15-Jährigen und von Schülern, die ihre selbst gedrehten Sexvideos auf Youporn stellen und nicht mehr wissen, wie Liebe machen geht – alles gar nicht wahr? Jedenfalls entspricht es bei weitem nicht der Mehrheit, wie der grosse Friday-Sex-Report zeigt.

Dieser basiert auf der repräsentativen Sex-Studie von 20 Minuten Online und Secret, bei der 2070 Männer und Frauen in der Deutschschweiz und der Romandie zu ihrem Sex­leben befragt wurden. Wir haben für euch die Antworten der 836 Studienteilnehmer zwischen 15 und 35 Jahren ausgewertet. Und festgestellt: Unsere Generation ist überhaupt nicht so oversexed and under­fucked, wie oft behauptet wird. Denn wer es einmal die Woche tut, ist zwar nicht gerade ein Sexchampion. Ein Fall für den Therapeuten ist er dennoch nicht. Zudem: Nagten wir sexuell am Hungertuch, wären wir wohl nur halb so glücklich. Und an Zufriedenheit mangelt es uns offensichtlich nicht: Mehr als die Hälfte der Befragten hat angegeben, mit ihrem Sexleben zufrieden zu sein. Es ist also alles okay, so wie es ist. Aber wieso? Ein Grund könnte sein, dass wir

keine Probleme damit haben, über unsere Bedürfnisse im Bett ganz offen zu sprechen.

Ein weiterer Grund könnte im

hohen Stellenwert der Gefühle liegen: Nur die allerwenigsten geben an, dass ihnen Gefühle beim Sex egal sind. Nicht wie, wo und wie oft ist entscheidend für ein glückliches Sexleben, sondern mit wem. Und wenn die Chemie stimmt, ist es dann wohl auch zweitrangig, ob wir auch wirklich jedes Mal kommen.

Zusammen gekommen

Sex zu dritt oder zu viert ist unsere heisseste Fantasie. Chloe, 24, hat es schon mal erlebt. «‹Mit diesem Mann will ich heute ins Bett› war mein erster Gedanke, als ich Tim an der Bar sah. Ich bestellte ihm ein Bier, aber er lehnte ab: ‹Ich muss noch meinen Freund nach Hause fahren.› ‹Kein Problem, ihr könnt bei mir schlafen›, sagte ich, ohne zu realisieren, was ich in den Ohren der beiden gerade gesagt hatte. Kurz darauf stand ich nackt mit Tim und Simon im Flur meiner Wohnung. Wir knutschten im Stehen. Ich war nie auf einen Dreier aus gewesen, aber von zwei Männern gleichzeitig so begehrt zu werden, machte mich extrem spitz. Dummerweise platzten in dem Moment meine Mitbewohner und ein paar Freunde he­rein. Tim flüchtete vor Schreck ins Badezimmer, Simon und ich zogen uns irgendwas an und setzten uns mit roten Köpfen zu den andern in die Küche. Die Runde war ziemlich betrunken. Als Simon einfach anfing, mit meiner besten Freundin Noemi zu knutschen, holte ich Tim aus dem Bad. Wir gingen zu viert in mein Zimmer, und da ging es erst richtig los. Ich mit Tim auf dem Pult, Simon und Noemi im Bett. Wir guckten uns zu und feuerten uns gegenseitig an. Bis die Stimmung irgendwann kippte und wir unkon­trolliert lachen mussten. Peinlich war es aber eigentlich nicht. Ich legte Musik auf und kuschelte mich zu den anderen ins Bett. Wir fummelten noch ein biss-chen rum und schliefen dann ein. Besonders erotisch war es nicht gewesen. Aber lustig.»

100 Franken und 1 Nacht

Marc, 27, hat schon einmal für Sex bezahlt. Wie fast ein Viertel aller Männer unter 35. «Der Klassiker: Ein Freund hatte etwas zu feiern, und wir Jungs liessen es im Stripclub krachen. Als er vorschlug, ins Puff zu gehen, und mir 100 Franken in die Hand drückte, sah ich es quasi als Mut­probe an. Klar, in dem Moment wollte ich Sex – aber es ging auch da­rum, nicht zu kneifen. Aus Nervosität kaufte ich mir eine halbe Stunde beim erstbesten Mädchen. Sie hatte lange dunkle Haare und gemachte Brüste. Als ich vor ihr stand, fühlte ich mich überfordert: Kann ich jetzt ganz normalen Sex haben? Zum Glück nahm sie die Sache in die Hand. Sie sagte mir, ich solle mich auf den Rücken legen, stülpte mir einen Gummi über und setzte sich auf mich, ohne mich direkt anzusehen. Dann nahm ich sie von hinten. Wie es sich anfühlte? Gut, muss ich zugeben. Einfach poppen, ohne emotionale Bindung. Ich kam extrem schnell. Wir sagten uns nur Tschüss, sonst redeten wir kein Wort.

Es fing gerade an, Tag zu werden, und auch mir däm­merte: Habe ich jetzt wirklich gerade für Sex bezahlt? Das hätte ich nie von mir gedacht. Über­raschenderweise fühlte ich mich aber weder dreckig noch als ein mir fremder Mensch. Nur der Ort ekelte mich plötzlich an. Das nächste Mal, dachte ich, möchte ich mir die Frau besser aussuchen und mehr mit ihr reden. Ich bin aber froh, dass ich wieder eine Freundin habe und es nie mehr dazu

gekommen ist.»

Haben wir wirklich immer früher Sex?

«Die Studie zeigt tatsächlich eine Tendenz, dass man sein erstes Mal heute etwas früher erlebt als noch vor zehn Jahren», sagt Dr. Daniel Regli von der Uni Bern, der uns bei der Studie beraten hat. Während fast 40% der 15- bis 25-Jährigen angeben, den ersten Sex mit 16 oder 17 gehabt zu haben, verschieben sich die Zahlen bei den 26- bis 35-Jährigen bereits um ein Jahr nach oben: 36% von ihnen hatten ihr erstes Mal mit 17 oder 18.

Sind wir genügend aufgeklärt?

Nein, meint Caterina Riva von der Unitobler Apotheke in Bern: «Ich erlebe immer wieder Frauen, die für die Pille danach kommen und keine Ahnung von Verhütung oder ihrem eigenen Zyklus haben.» Dass gemäss unserer Umfrage 20% der Befragten nicht verhüten, erstaunt sie nicht: «Ge­rade junge Frauen getrauen sich oft nicht zum Gynäkologen. Andere dürfen aus religiösen Gründen gar nicht verhüten.»

Wie täuscht der Mann einen Orgasmus vor?

Da staunten wir: Ganze 18% der männlichen Studienteilnehmer geben an, mindestens schon einmal einen Orgasmus vor­getäuscht zu haben. «Ein Aufbäumen, ein dumpfer Urschrei, gefolgt von einem kurzen Erstarren in der künstlichen Ekstase – und dann die Spannung lösen», erklärt Julian. Wichtig danach: «Noch bevor sie schaut, das leere Kondom entsorgen.» Und falls sie doch mal guckt? «Sagen, dass man nicht immer so viel Sperma hat.» Gründe für dieses Theater gemäss einer Blitzumfrage auf Facebook: zu viel Alkohol, ausgeschossen sein nach mehrmaligem Sex, eine zu feuchte Vagina.

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