Aktualisiert 04.02.2004 19:47

Alles Klunker oder was?

Sind die noch zu retten? Aber ja doch! Die Männer behängen sich mit den massigsten Accessoires seit eh und je.

Text -- Martina Rissi

Fotos -- Dina Haas

Nach lackierten Fingernägeln und adretten Handtäschchen muss sich der mutige Mann von heute einer neuen Herausforderung stellen: Schmuck. Der gehört ab sofort zum guten Ton. Nicht mehr schlicht und unauffällig sollen die Teile sein. Nicht mehr nur an einem Ohrläppchen, sondern gleich an beiden baumeln. Und selbst wer ein bisschen überbehangen daher kommt, wird nicht mehr als Rockertype oder Homosexueller abgestempelt. Denn: Das ist der neue, androgyne Mann!

Noch vor fünf Jahren galten bereits zwei Ringe an einer Hand als zu viel des Guten. Schuld am neuen Ja zum Schmuck ist natürlich wieder mal Modekicker David Beckham – und mit ihm die Anhängerschaft des metrosexuellen Touchs. Stolz streichen sie sich durchs toupierte Haar (an jedem Finger einen Brocken von einem Ring), klopfen sich anerkennend auf die Brust (die fetten Ketten wippen im Takt) oder klimpern ganz ladylike mit den Armreifen. Kaspar Hürlimann, Designer bei Quadrat Schmuck: «Männer nehmen Schmuck plötzlich ganz anders wahr.»

Die grösste Wandlung hat jedoch bei den Ohrringen stattgefunden. Vor zwanzig Jahren steckte der Mann sich schüchtern ein vergoldetes Schweizer Kühlein ins Ohr. Zehn Jahre später war dann ein zweiter Ring gleich über dem ersten obligat. Und wehe dem, der ungeplant sein Schmuckstück ins «falsche» – sprich ins rechte Ohr – jagen liess. Der musste sich fortan Sprüche unter der Gürtellinie anhören: «Na, Schnucki, stehst du auf Männer?»

Alles vorbei und vergessen. Jetzt sind beide Läppchen Zielscheiben von Piercern. Und das mit dickem Kaliber: Geschmückt wird mit möglichst auffälligen, glänzenden Zirkonen. «Unsere Kunden lieben möglichst grosse Stücke», so Hürlimann. «Ein absoluter Renner seit Rapstar 50 Cent.»

Und da heisst es immer, nur wir Frauen würden jedem Trend hinterherrennen. Jetzt seid ihr auch so weit, liebe Männer. Und die Affinität zur Weiblichkeit tut euch sichtlich gut.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.