Aktualisiert 31.12.2012 08:14

Spengler-Cup-Final

Alles spricht für das Team Canada, aber ...

Der HC Davos hat nur mit einem perfekten Spiel gegen das Team Canada eine Chance. Dieses perfekte Spiel ist dem HCD noch nicht gelungen.

von
Klaus Zaugg

Gegen die Kanadier werden die Davoser durch zwei NHL-Profis verstärkt: Durch Zugs Damien Brunner (Vertrag mit Detroit), den besten Skorer der Liga und durch Verteidiger Rafael Diaz (Montréal). Verstärkungen fürs Finale? Ja. Der HCD schaffte nämlich die Finalqualifikation ohne Brunner und Diaz.

Momentaufnahme einer kuriosen Situation: Der HC Davos spielt in der ausverkauften Hockey-Kathedrale gegen Vitkovice um den Einzug ins Finale des Spengler Cups. Aber zwei Nationalspieler legen sich im Wellnessbereich der Kabine abwechselnd in heisses und kaltes Wasser und verfolgen das Spiel am TV-Schirm. Damien Brunner und Rafael Diaz dürfen nicht mitspielen, weil es der Präsident verboten hat. Das dritte Drittel werden sie dann draussen im Stadion verfolgen.

Knallharte Abfuhr

Die Abmachung war von allem Anfang an klar: Brunner und Diaz dürfen zum Spengler Cup, dort aber nur drei Partien spielen. Sie bestritten das erste Spiel (0:5 gegen Kanada), setzten gegen Mannheim aus (6:2) und waren beim 7:5 gegen Ufa wieder dabei. Das gestrige Halbfinale gegen das tschechische Mittelfeldteam Vitkovice wäre die dritte und damit letzte Partie gewesen. «Ich habe unseren Präsidenten (Roland Staerkle, Anm. d. Red.) telefonisch um Erlaubnis gebeten, dass wir ein viertes Spiel bestreiten dürfen, wenn der HC Davos ins Finale kommt», erzählt Rafael Diaz. «Aber er hat knallhart gesagt, die Abmachung gelte für drei Spiele.»

Der Entscheid ist also auf präsidialer, also höchster Ebene gefallen. War es also doch nicht Trainer Doug Shedden, der seinen Einfluss gelten gemacht hat, um im Finale mit dem Team Canada nicht gegen seine besten Zuger Einzelspieler antreten zu müssen? «Nein, nein davon gehen wir nicht aus», sagen beide übereinstimmend. In Absprache mit HCD-Trainer Arno Del Curto haben sie dann entschieden, auf den Einsatz im Halbfinale zu verzichten, um beim Finale dabei sein zu können.

«Mit Shedden kann man nicht streiten»

Damien Brunner und Rafael Diaz sind Musterprofi und haben das «Nein» ihres Präsidenten (oder dessen Einflüsterers Doug Shedden) akzeptiert. Gibt es nun Zoff? «Nein, überhaupt nicht», sagen wiederum beide übereinstimmend. «Mit Doug Shedden kann man sowieso nie Streit haben. Es kann schon mal laut zu und her gehen, aber nach fünf Minuten ist alles wieder okay.»

Was, wenn Damien Brunner im Finale gegen das Team Canada endlich das erste Tor (oder der erste Skorerpunkt) am Spengler Cup gelingt? Wird er dann provokativ vor der Spielerbank von Doug Sheddens Kanadiern jubeln? «Nein, sicher nicht. Ich werde ihm dann wahrscheinlich hinterher ein SMS schicken.»

Brunner kam bisher nur zu «Blitzeinsätzen»

Interessanterweise haben Damien Brunner und Rafael Diaz bei ihren beiden Spengler Cup-Partien keinen einzigen Skorerpunkt erzielt. Mehr noch: Sie haben auch die schlechtesten Plus/Minus-Werte im Team: Brunner mit -2 und Diaz mit -3. Damien Brunner, mit 24 Toren und 29 Assists aus 30 Spielen der beste Skorer der NLA, hat in seiner Statistik bei diesem Spengler Cup erst zwei Torschüsse. Ein Versager? Nicht ganz.

Der HCD ist nach wie vor eines der taktisch besten Teams der Liga und es ist für einen Spieler nicht ganz einfach, sich in das Spielsystem zu integrieren. Dazu kommt, dass das Spiel in Zug ganz auf Damien Brunner ausgerichtet ist und er dort bis zu 30 Minuten Eiszeit pro Partie bekommt. Beim HCD kam er in den beiden Spengler Cup-Partien nur zu «Blitzeinsätzen», weil Arno Del Curto mit vier Linien spielen lässt.

«Ich hätte gerne gespielt»

So professionell die beiden Zuger Hockey-Musterknaben die Halbfinal-Sperre auch hingenommen haben – ein wenig verärgert sind sie schon. «Ja natürlich hätte ich gern gespielt», sagt Damien Brunner. «Energie hätte ich mehr als genug. In den beiden Partien, die wir mit dem HCD hier gespielt haben, liess Arno Del Curto ja vier Linien laufen und nach der frühen Entscheidung gegen Ufa (5:1 nach dem 1. Drittel, Anm. d. Red.) verordnete er Kräftesparen. Wir haben kaum Kraft gebraucht.»

Damien Brunner wie Rafael Diaz sagen, die Behauptung stimme schon, dass sie während eines Spiels mit Zug mehr Eiszeit haben und Energie verbrauchen als in den beiden bisherigen HCD-Partien beim Spengler Cup. «Ich hatte mich ja sowieso auf 82 Spiele in der NHL eingestellt», ergänzt Brunner. «Was sind dagegen drei Spiele beim Spengler Cup?»

Es geht um die Ehre Kanadas

Zum achten Mal in der Geschichte des Spengler Cups kommt es zum Traumfinale zwischen dem HC Davos und Team Canada. Der HCD hat gegen die Kanadier das Endspiel erst dreimal gewonnen (2000, 2001 und 2006). Die Kanadier warten seit 2007 auf einen weiteren Turniersieg. Das Gruppenspiel gegen Davos haben sie an diesem Turnier 5:0 gewonnen. Alles spricht für die Kanadier. Im Endspiel sind die Davoser nur Aussenseiter.

Sie treffen auf das beste und motivierteste Team Canada aller Zeiten. Die Kanadier haben sich nach einer Niederlage im ersten Spiel (1:2 n.V. gegen Mannheim) kontinuierlich gesteigert und werden von Doug Shedden und Chris McSorley exzellent gecoacht. Weil in der NHL nach wie vor nicht gespielt wird, hat das Spengler-Cup-Finale in Kanada enorme Beachtung. Eine Niederlage der NHL-Profis gegen den HCD ist für die kanadischen Fans undenkbar. Es geht um Kanadas Ehre in einem Sport, der in der Verfassung als nationaler Sport festgeschrieben ist.

Die Hoffnung auf einen Exploit

Aber Eishockey ist ein unberechenbares Spiel, das auf einer rutschigen Unterlage gespielt wird. Der HCD hat in allen vier Linien mindestens einen Spieler, der eine Partie entscheiden kann. Mit Patrick Kane haben sie den Stürmer mit den schnellsten Händen in ihren Reihen. Sein Kunstschuss 22 Sekunden vor Spielende zum 5:4 gegen Vitkovice war alleine den Matchbesuch wert. Er kann auch im Finale treffen.

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