Bouldern für Anfänger: So gelingt dir der Einstieg ins Klettern ohne Seil
Bouldern ist seit einiger Zeit total angesagt. Wir verraten dir alles, was du darüber wissen musst, und eine Instruktorin erzählt, was sie am Sport begeistert.

Bouldern ist seit einiger Zeit total angesagt. Wir verraten dir alles, was du darüber wissen musst, und eine Instruktorin erzählt, was sie am Sport begeistert.

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Klettern ohne SeilAlles, was du über den Trendsport Bouldern wissen musst

Der Ganzkörpersport Bouldern wird immer beliebter. Kein Wunder: Er trainiert Ausdauer, Kraft, Koordination sowie Fokus und stärkt die Gemeinschaft.

von
Geraldine Bidermann

Wer mit dem Bouldern beginnt, ist oft schnell von der Sportart gefesselt. Spass an ungewohnten Bewegungsabläufen wird mit einem ganzheitlichen Training kombiniert. Wir klären die wichtigsten Fragen und verraten dir, was du zum Start beachten musst.

Was ist Bouldern?

Bouldern (vom englischen boulder, «Felsblock») ist sowohl ein Indoor- als auch ein Outdoorsport: Geklettert wird an verwinkelten Wänden und Überhängen in der Kletterhalle oder an Felsblöcken und Felswänden in der freien Natur. Das Spezielle daran: Geklettert wird ohne Seil und Gurt. Da du nicht gesichert bist, befinden sich die Routen in der Regel in einer Absprunghöhe von bis zu vier Metern.

Spitzensport Bouldern

Seit den Sommerspielen 2021 ist Bouldern eine Olympische Disziplin. An Wettkämpfen ist eine bestimmte Anzahl von kurzen Kletterrouten ohne Seilsicherung in möglichst wenigen Versuchen vollständig zu durchklettern.

Was ist der Unterschied zwischen Klettern und Bouldern?

Ein sogenannter Boulder, die zu überwindende Strecke beim Bouldern, ist im Vergleich zu einer Kletterroute niedriger und kompakter. Es geht nicht darum, Höhe zu gewinnen, sondern anspruchsvolle Stellen, wie Überhänge, Ecken oder Vorsprünge zu schaffen. Als Sicherung dient ausschliesslich der weiche Matten-Boden in der Halle, draussen werden mobile Matten (sogenannte Crashpads) mitgenommen.

Wie hoch ist die Kletterwand?

Bouldern geht nicht so hoch wie normales Klettern mit Seil, du befindest dich stets auf Absprunghöhe. Die Wände sind bis zu vier Meter hoch, das heisst, dass deine Füsse nicht mehr als zwei Meter über der dicken, weichen Matte sind. Bei einfacheren Anfänger-Bouldern teils auch nur eineinhalb bis zwei Meter.

Was wird beim Bouldern trainiert?

Beim Bouldern werden Griffkraft sowie Schulter- und Armmuskulatur trainiert, aber die meisten Bewegungen kommen beim Bouldern nicht nur aus dem Oberkörper, sondern auch aus den Beinen und dem Bauch. Das macht es zum idealen Ganzkörperworkout.

Welche Ausrüstung brauche ich?

Für ein erstes Training brauchst du gar nichts, ausser bequeme Sportkleider, in denen du dich frei bewegen kannst. In den Hallen können Kletterschuhe gemietet werden und Magnesium (für besseren Halt an den Händen) steht auch zur Verfügung. Wenn dich der Sport packt, lohnt es sich, bald eigene Schuhe zu kaufen – in denen fühlst du dich am sichersten und bist unabhängig. Kletterschuhe gibt es ab etwa 60 Franken.

Wie fit muss ich sein und wo kann ich es ausprobieren?

Für ein Probetraining musst du nicht speziell trainiert sein – eine Portion Motivation reicht! Wärme dich aber unbedingt auf, bevor du dich an einen Boulder wagst. Die Coaches in Boulder-Hallen geben dir gerne einen Gratis-Einführungs-Kurs bei deinem ersten Besuch. Informiere dich im Netz, wo das nächste Zentrum ist, und melde dich im Voraus an, damit bestimmt jemand Zeit hat für dich. Ein Eintritt kostet etwa 20 Franken.

Noch nicht überzeugt? Boulder-Coach Kim Bodmer gibt im Interview Einblicke in ihren Sport:

Kim, was ist für dich das Schönste am Bouldern?

Egal, ob gross, klein, leicht oder schwer, Muskelpaket oder zierlich: Bouldern lehrt dich, zu was du mit deinem ganz eigenen Körper fähig bist und wie du ihn einsetzen kannst, um oben anzukommen. Zudem ist es einfach ein super sozialer Sport.

Inwiefern?

Obwohl es kein klassischer Teamsport ist, findest du beim Bouldern immer Anschluss. Abends ist in den Hallen viel los, alle helfen allen und geben Tipps, wie man einen Boulder am besten bezwingt. Auch in einer neuen Stadt ist es cool, einfach mal in einer Halle vorbeizuschauen. Dort finden manche schneller Anschluss als in jeder Bar.

Über Kim Bodmer

Kim Bodmer (28) ist Boulder-Instruktorin und Kletter-Kursleiterin. Sie ist ausserdem Mitglied bei der Non-Profit-Organisation Climbaid, welche die Entwicklung und mentale Gesundheit junger Geflüchteter mit Klettern fördern will.

Bouldern wird immer beliebter. Hast du eine Erklärung dafür?

Ich denke, dass viele zum kreativen, spielerischen Sport zurückwollen. Abends ins Gym zu gehen, ist natürlich auch super. Aber wofür trainiert man eigentlich im Kraftraum? In der Boulderhalle weiss ich konkret, wofür ich meine Körperkraft einsetze.

Was ist der Unterschied vom Training drinnen und draussen?

Draussen kletterst du an einem Naturstein mit Finessen und Eigenheiten, wie sie eine Indoorwand nicht bieten kann. In der Natur sind Griffe nicht farbig markiert, du musst ganz alleine herausfinden, welche Griffe und Tritte ein Stein bietet. Dafür braucht es einen geschulten Blick.

In der Boulderhalle finden manche schneller Anschluss als in jeder Bar.

Kim Bodmer

Was rätst du Interessierten?

In der Halle sollte man sich unbedingt informieren, wie man richtig fällt. Wer ohne Seil klettert, sollte gut im Landen sein. Sonst gefährdest du auch trotz Matten deine Knöchel und Bänder. Gerne zeigen dir Hallenmitarbeiterinnen, wie du auf den Matten richtig landest und einen Absprung gut vorbereitest.

Was, wenn man Mühe mit der Höhe hat?

Ein Zögern, ab einer gewissen Höhe weiterzuklettern, ist völlig normal und gehört vor allem Anfang auch bei den meisten dazu. Normalerweise legt sich dieses, sobald etwas Vertrauen in die Griffe, die Schuhe und das eigene Können gewonnen wurde. Ein gutes Gefühl!

Wo gehst du in der Schweiz am liebsten bouldern? Verrate uns deine Lieblingshalle oder deinen besten Spot! Warum gefällt es dir dort besonders?

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