Aktualisiert 21.09.2007 07:29

Alles, was rechts ist: So ticken die Jungwähler

Die SVP wird zusehends zu einer Art Jugendbewegung – das zeigt
eine Exklusiv-Umfrage von 20minuten.ch.

Rebellische Jugend? Linke Jungwähler? Das war gestern. Vier Wochen vor den Nationalrats- und Ständeratswahlen liebäugeln die 18- bis 35-jährigen Schweizerinnen und Schweizer mit der politischen Rechten. Rund 35 Prozent der Jungwähler und 28 Prozent der Jungwählerinnen sehen sich von der SVP am besten vertreten; so eine Umfrage von 20minuten.ch. Da sehen die Grünen alt aus: Nur bei 10 Prozent der jungen Wähler finden sie Unterstützung. Denn bei den Jungen gelte immer mehr die Rechte als «aufmüpfig und systemkritisch», kommentiert der Berner Politikwissenschaftler Georg Lutz die Umfrage.

Gehen Sie wählen?

Auffallend: das grosse Interesse. 2003 wählten dann aber nur 44 Prozent der Jungen.

Welche Partei vertritt Ihre Interessen?

Auffallend: Noch sind die jungen Wählerinnen der SVP gegenüber kritischer eingestellt als ihre männlichen Altersgenossen. Sie mögen dafür mehr Rot und Grün.

Was muss sich ändern, damit Sie wählen?

Auffallend: 39 Prozent der stimmberechtigten Frauen unter 35 sagen, dass ihnen die offiziellen Abstimmungsunterlagen zu kompliziert sind – diese müssten verständlicher werden.

Weshalb gehen Sie nicht regelmässig wählen und abstimmen?

Gruppe der unter 35-jährigen Nichtwähler: 14 Prozent der Männer lehnen das politische System generell ab. 14 Prozent der Frauen vertrauen den Politikern nicht.

Gruppe der über 35-jährigen Nichtwähler: Mit zunehmendem Alter nimmt das Vertrauen in die Politiker nochmals massiv ab.

«Die Rechte gibt sich rebellisch»

Herr Lutz, weshalb fühlen sich die Schweizer Jungwähler durch die SVP am besten vertreten?

Georg Lutz: Dazu muss man vorausschicken, dass die SVP-Wähler in der Umfrage wohl übervertreten sind. Aber der Trend stimmt: Die SVP kann durchaus auch Jungwähler mobilisieren.

Wie schafft die SVP das?

Die SVP, aber auch ihre Gegenspielerin, die SP, haben tendenziell aktivere Mitglieder als die anderen Parteien – Anhänger, die eher bei einer Umfrage mitmachen und sich besser mobilisieren lassen.

Was ist das Erfolgsrezept?

Die polarisierenden Parteien verkürzen ihre Aussagen auf einfache und populistische Botschaften. Die SVP macht dies an ihren Lieblingsthemen Ausländerkriminalität, Einwanderung und der EU-Frage vor.

Ist das die Sprache der Jungen?

Offenbar. Kommt hinzu, dass es heute die Rechte ist, die sich rebellisch gibt und gegen das Establishment schiesst. Die Linke hingegen gibt sich systemtreu.

Georg Lutz ist Politologe an der Universität Bern.

(mbs)

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