Russell Crowe: «Alles, was wir über Robin Hood zu wissen glaubten, ist falsch»
Aktualisiert

Russell Crowe«Alles, was wir über Robin Hood zu wissen glaubten, ist falsch»

Robin Hood erlebt ein Comeback. Des Erfolgsduo Ridley Scott hinter und Russell Crowe vor der Kamera hauchen dem Helden in Strumpfhosen neues Leben ein.

von
Raya Abirached

Am Mittwoch feiert «Robin Hood» an den Filmfestspielen in Cannes Weltpremiere. 20 Minuten traf Crowe bereits im Vorfeld zum Interview.

Russell Crowe, Sie sind bei «Robin Hood» nicht nur Hauptdarsteller (Video), sondern auch Produzent. Sind sie ein Kontroll-Freak?

Russell Crowe: Von aussen sieht das vielleicht so aus, aber es muss nicht unbedingt so sein. Ich fühle mich verantwortlich für das, was ich mache. In vielen Filmen habe ich ja einen Anführer gespielt, zum Beispiel den Leader einer Skinhead-Gang oder einen Schiffs-Kapitän. Da hat auch immer ein Teil meines eigenen Charakters mitgespielt. Wenn man solche Rollen spielt, wird automatisch von einem verlangt, dass man Verantwortung übernimmt. Für mich macht das aber keinen Unterschied, weil ich sowieso immer diese Einstellung hatte. Ich will nicht, dass junge Schauspieler in meinen Filmen Schwierigkeiten haben oder sogar versagen, denn es bringt überhaupt niemandem etwas, wenn man ihnen nicht eine Plattform dafür gibt, dass sie ihr Bestes geben können. Vor allem bei Ridley Scotts Filmen, aber auch bei Leuten wie Peter Weir oder Ron Howard hatte ich immer diese Einstellung. Ich spiele zwar einerseits meine Rolle, aber andererseits bin ich als Produzent auch da, um sicherzustellen, dass keiner den Filmschaffenden im Weg steht. So haben alle – die Schauspieler und die Kreativen – die Plattform, die sie brauchen.

Viele Schauspieler planen ihre Karriere, indem sie bewusst in ganz verschiedenen Rollen spielen. Sie auch?

Was mich dazu antreibt, etwas machen zu wollen, ist, wenn ich irgendeine Reaktion zeige. Entweder auf das ganze Konzept oder das tatsächliche Drehbuch. Bei den Filmen, die ich dann schlussendlich mache, hatte ich mir jedes Mal schon bei den ersten paar Seiten des Drehbuchs einen Stift geschnappt und mir Notizen gemacht. Ich fange dann sofort an zu arbeiten und nach dem ersten Durchlesen des Drehbuchs habe ich schon 15-20 Seiten Notizen, in denen ich mir aufschreibe, was ich mir merken muss, oder worüber ich noch etwas lesen oder was ich mit jemandem besprechen möchte. Es ist immer eine unmittelbare Entscheidung. Natürlich kann es auch eine sehr schmerzvolle Erfahrung sein, ein schlechtes Drehbuch lesen zu müssen, und ich lese natürlich auch viel mehr schlechte als gute Drehbücher. Aber es ist so, dass ich immer, wenn ich einen Film dann gemacht habe, schon am Anfang eine Verbindung dazu hatte. Das kann entweder Gänsehaut sein oder ein Thema, dass ich nicht mehr aus dem Kopf kriege und mich zu einem Bücherregal führt, wo ich dann ein bestimmtes Buch suche. Ich werde das oft gefragt, aber ich kann es gar nicht beschreiben. Es gibt aber immer einen Grund, wieso ich einen Film mache oder gemacht habe. Da ist es auch nicht wichtig, ob der Film kommerziell erfolgreich wird. Ich weiss, dass ich mir vertrauen kann und habe alle Filme aus den richtigen Gründen gemacht. Auf jeden Film kann ich ohne schlechte Gefühle zurückblicken und ich bin glücklich damit, was ich getan habe. Ich möchte nie auf einen dunklen Fleck zurückblicken und denken müssen, diesen Film habe ich nur fürs Geld oder aus anderen albernen Gründen gemacht.

Aus was für Gründen machen Sie denn Filme?

Neugierde motiviert mich in meinem ganzen Leben! Das Lustige ist, es gibt ja Leute, die alles, was sie erreichen, für selbstverständlich halten. Manchmal denke ich, es ist eigentlich brillant, diese Fähigkeit zu besitzen und so sorglos durchs Leben gehen zu können. Aber ich kann das nicht. Ich stelle alles in Frage. Dabei bin ich mir aber nicht ganz sicher, ob das Zynismus ist. Es ist ja nicht so, dass ich schon im Voraus erwarte, dass alles falsch ist. Ich bin auch einfach neugierig. Ich bin neugierig, mehr über gewisse Entscheidungen zu erfahren oder darauf, wie sich die soziale Struktur immer wieder ändert und wie zu einem Zeitpunkt in der Geschichte die Leute etwas ablehnen, es aber zehn Jahre später alle machen und es zur Norm wird. Menschen sind faszinierende Kreaturen und ich mag es, die Seltsamkeit der Spezies Mensch zu erforschen.

Apropos erforschen: Regisseur Ridley Scott (Video) versucht einen altbekannten Robin Hood neu darzustellen…

… ja, bei Robin Hood war das sehr extrem. Ich sagte zu Ridley, wenn wir das wirklich machen wollen, dann müssen wir das mit der Einstellung machen, dass alles, was wir bisher über Robin Hood zu wissen glaubten, falsch ist. Wir haben dann angefangen, Spass darüber zu machen, wie wir zum Beispiel den Namen „Loxley" verwenden. Ridley ist ein grosser Visualizer und kann die Komplikationen schon sehen, bevor sie überhaupt anfangen. Und er hat die Geduld, abzuwarten, bis das Gemälde vollendet ist. Ja, er hat einige Aspekte, die er übrigens auch schon bei Gladiator gezeigt hat, die nicht unbedingt absolut korrekt sein müssen. Er mag es einfach, dir Teile der Geschichte näherzubringen, in denen die Leute die Geschichten völlig falsch erzählt haben. Natürlich weiss er auch, dass nicht jeder einzelne Satz, der je gesprochen wurde, widerlegt und detailliert wiedergegeben werden kann, aber er gibt dir genug Informationen, damit du, wenn du interessiert bist, den Rest mit deinem Wissensdurst erledigen kannst. Dann nämlich wirst du dich selber durch eigene Nachforschungen informieren. Das ist bei Gladiator und Kingdom of Heaven oft passiert.

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