Ungerechter Einkauf: Alltagsprodukte sind für Frauen massiv teurer
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Ungerechter EinkaufAlltagsprodukte sind für Frauen massiv teurer

Egal ob Deo, Unterwäsche oder Parfum: Für Frauen sind Alltagsprodukte trotz gleicher Herstellungskosten deutlich teurer als für Männer. Ein Grund sind höhere Zollabgaben.

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cls
Winterkleider kosten für Frauen oft mehr als für Männer, auch wenn das Modell das gleiche ist . (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Winterkleider kosten für Frauen oft mehr als für Männer, auch wenn das Modell das gleiche ist . (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Dass Frauen für gewisse Produkte mehr zu zahlen bereit sind, ist ein altes Vorurteil. Nun zeigt ein Vergleich der NZZ am Sonntag, dass in Sachen Alltagsprodukten tatsächlich eine monetäre Ungerechtigkeit besteht.

Rasierschaum, Parfums und Gesichtspflege sind nämlich, sobald sie nicht unisex sind, für Frauen in allen Preissegmenten massiv teurer. Der Rasierschaum von Gillette ist mehr als doppelt so teuer als der für Männer. Auch eine Packung aus zehn Einweg-Rasierern kostet in der Pink Lady-Ausführung fünf Prozent mehr als dasselbe Produkt in neutralem Gelb im Männergestell.

Gesichtspflege von Nivea kostet für Frauen trotz gleicher Herstellungskosten 19 Prozent mehr. Aber auch Bekleidung ist preislich unterschiedlich bewertet: Ein Pjyama von Calida kostet für Frauen 119 Franken, ein vergleichbares Teil für Männer jedoch nur 89 Franken, rechnet die NZZ am Sonntag vor.

Die Ursache liegt hundert Jahre zurück

Dass Frauenkleider teurer verkauft werden, ist der obersten Konsumentenschützerin, Sara Stalder, bekannt. «Häufig wird argumentiert, dass Frauenkleider eben modischer seien und aufwendige herzustellen, dabei weiss man, dass die Produktion von Männerkleidern sogar teurer ist», kritisiert Stalder.

Ein Grund für die Preisdifferenzen bei Kleidung ist die höhere Zollabgabe. Sie geht auf ein historische Relikt zurück: Vor knapp hundert Jahren waren die Stoffqualität zwischen Frauen- und Herrenkleidung so unterschiedlich, dass Textilien für Frauen teurer bewertet und mit höheren Zollabgaben versehen wurden.

Das sei ein Anachronismus, sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans zur NZZ. Er habe diesbezüglich mehr als einmal beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erfolglos interveniert.

Auch in Frankreich ein Thema

In Frankreich ist «sexistische Preisgestaltung» seit Beginn des Monats ein Thema. Eine Gruppe von jungen Frauen und Männern, die sich – nach dem Vorbild der sehr emanzipierten französischen Schriftstellerin George Sand aus dem 19. Jahrhundert –«die Georgette Sand»-Gruppe nennt, hat in verschiedenen Grossverteilern Frankreichs Preisunterschiede ausgemacht und diese fotografiert.

Darauf hat Frankreichs Staatssekretärin für Frauenrechte, Pascale Boistard, ein Foto eines rosa Damenrasierers auf Twitter gepostet: «Ich werde mich morgen daran erinnern», und gefragt: «Ist Pink eine Luxusfarbe?»

Das Finanzministerium indes hat den Konsumentinnen zugesichert, zu untersuchen, ob die Preispolitik der Hersteller und die Margen der Vertreiber tatsächlich Frauen diskriminiere.

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