Alonso nimmt Schumis Herausforderung an

Aktualisiert

Alonso nimmt Schumis Herausforderung an

Vom Jäger zum Gejagten: Renault mit Weltmeister Fernando Alonso startet am Wochenende in Bahrain als Favorit in die Formel-1-Saison 2006.

Den Titelverteidigern sitzen primär Honda, McLaren-Mercedes und Ferrari im Nacken.

Das erstmals seit vier Jahren wieder elf Teams umfassende Feld lässt sich vor Beginn der 57. WM-Saison in drei Leistungsklassen einteilen. Hinter den vier Titelkandidaten bilden BMW-Sauber, Williams, Toyota und Red Bull den Mittelstand; Toro Rosso (ex Minardi), Midland (ex Jordan) und Super Aguri sind die Hinterbänkler.

Renault in der Position der Stärke...

Nach dem Gewinn beider Titel hatte Renault keinen Grund, im Erfolgsrezept irgendwelche Zutaten auszutauschen. Die neuen Reglemente mit der Umstellung von 3,0-Liter-V10- auf 2,4-Liter-V8- Motoren als einschneidendster Änderung stellten für das französische Werksteam unter der Regie von Flavio Briatore kein Problem dar. Das neue Auto mit der Typenbezeichnung R26 und dem RS26-Aggregat lief von Beginn weg tadellos. Fernando Alonso, Giancarlo Fisichella und der neue Testfahrer Heikki Kovalainen reihten in den winterlichen Testfahrten Bestzeit an Bestzeit.

Unter ganz speziellen Vorzeichen steht die kommende WM für Alonso. Der jüngste Weltmeister aller Zeiten unterschrieb im Hinblick auf die Saison 2007 bereits im Dezember einen Vertrag mit McLaren. Der Wechsel hat nicht nur pekuniäre Gründe. Hinter der Zukunft von Renault in der Köningsklasse steht ein Fragezeichen. Konzernchef Carlos Ghosn gab unlängst bekannt, dass von Jahr zu Jahr über das weitere Engagement entschieden werde.

... und von einem Trio gefordert

Für den 24-jährigen Alonso ist der künftige Arbeitgeber noch bis zum letzten Saisonrennen am 22. Oktober in São Paulo ein Hauptkonkurrent. Im britisch-deutschen Rennstall führt der Weg zum Erfolg über die Zuverlässigkeit. Die diesbezüglichen Probleme konnten im Winter offenbar nicht ganz aus der Welt geschafft werden. Viel wird für Kimi Räikkönen und Juan Montoya von den ersten Rennen abhängen. Im Vorjahr hatten sich der Finne und der Kolumbianer in den ersten vier Grands Prix 29 respektive 28 Punkte Rückstand auf den überlegenen Alonso eingehandelt.

Die Abstände zwischen den einzelnen Teams dürften mit Fortdauer der Saison erneut kleiner werden. Momentan weist neben Renault noch ein zweiter Rennstall einen Vorsprung auf den grossen Rest auf. Honda mit Jenson Button und Rubens Barrichello (neu von Ferrari) hinterliess in den Tests einen bestechenden Eindruck. In Valencia stellte Honda trotz V8-Motor einen Streckenrekord auf. Der japanische Hersteller tritt neuerdings (wie der Erzrivale Toyota seit 2002) als eigenständiges Team an.

Für Ferrari und Michael Schumacher steht 2006 im Zeichen der Revanche. Nach sechs fetten Jahren mit elf Titeln wurde die Scuderia im vergangenen Jahr mit Regeländerungen erfolgreich ausgebremst und im Klassement der Konstrukteure auf den 3. Platz verwiesen. Nun hat Ferrari neue Zuversicht geschöpft. Das neue Auto funktionierte in der Probezeit gut. Abstriche gab es einzig in Sachen Standfestigkeit, der langjährigen Stärke.

Ferrari kommt in der möglicherweise letzten Saison des siebenfachen Champions Michael Schumacher die Entwicklung auf dem Reifensektor entgegen. Erstens sind mit Toyota und Williams nun auch andere starke Teams mit Bridgestone-Pneus unterwegs; zweitens sind Reifenwechsel im Rennen wieder erlaubt, was der Bridgestone- Kundschaft gelegen kommen dürfte. Um den von Michelin bereiften Teams die Stirn bieten zu können, haben Ferrari, Toyota, Williams und Midland sogar vereinbart, die Erkenntnisse aus dem Bereich Reifen in einer zentralen Datenbank zu sammeln.

Krösus, Scheidungskinder und rote Bullen

Für die zweite Garde geht es kaum um mehr als Teilerfolge und die Auszeichnung «best of the rest». Was das Budget betrifft, steht Toyota mit geschätzten 600 Millionen Franken längst an der Spitze. Doch die angestrebten Titel liegen für den Krösus weiterhin nicht in unmittelbarer Reichweite. Der Wechsel der Reifenmarke gilt als Hauptgrund dafür, dass Ralf Schumacher und Jarno Trulli in den Tests noch nicht wie gewünscht auf Touren gekommen sind.

BMW-Sauber und Williams lief es wesentlich besser. Der Vergleich zwischen den ehemaligen Partnern wird interessant. Williams ist nach dem Gang von BMW in die Eigenständigkeit Kunde von Cosworth. Der englischen Motorenschmiede scheint mit dem CA2006 ein beachtlicher Wurf gelungen zu sein. Mark Webber und Formel-1-Benjamin Nico Rosberg (Sohn von Ex-Weltmeister Keke) würden ihrem Boss Frank Williams noch so gerne den Gefallen tun, das BMW-Sauber- Duo Nick Heidfeld/Jacques Villeneuve in die Schranken zu weisen.

Über einen neuen Motorenpartner verfügt auch Red Bull mit dem bewährten Fahrerduo David Coulthard/Christian Klien. Der Rennstall von Energydrink-Milliardär Dietrich Mateschitz trat als Abnehmer von Ferrari-Triebwerken an die Stelle von Sauber-Petronas. Ein veritabler Coup gelang Red Bull mit der Verpflichtung von «Superhirn» Adrian Newey. Der Brite fungiert wie zuletzt bei McLaren als Technischer Direktor.

Osterweiterung und Farmteams

Mit dem von Silverstone aus operierenden Midland-Team geht erstmals ein Kombattant ins Rennen, der in Russland lizenziert ist. Das liegt an Besitzer Alex Shnaider, der sich das Lebenswerk von Eddie Jordan schon vor der Saison 2005 unter den Nagel gerissen hatte.

Midland beschäftigt mit dem Genfer Giorgio Mondini wie Toro Rosso mit Neel Jani einen Schweizer Testfahrer. Toro Rosso (italienisch für Red Bull) gehört zu gleichen Teilen Dietrich Mateschitz und dem zehnfachen GP-Sieger Gerhard Berger und ist als «Junioren-Abteilung» von Red Bull zu betrachten. Über ein Farmteam verfügt auch Honda: Der Last-Minute-Teilnehmer Super Aguri fährt in den ersten Rennen mit modifizierten Arrows-Chassis aus dem Jahr 2002 durch die Gegend.

(si)

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