Aktualisiert 09.08.2011 22:40

Deutsche HeilpädagoginAlparbeit als Abenteuer

Für Ausländer sind die Zentralschweizer Alpen ein beliebter Arbeitsort. Für einmal ist es aber nicht das Geld, das in die Berge lockt.

von
Rahel Schnüriger/Ber
Sonja H. (l.) greift der Älplerfamilie Spichtig tatkräftig unter die Arme. (ras)

Sonja H. (l.) greift der Älplerfamilie Spichtig tatkräftig unter die Arme. (ras)

Um 5.30 Uhr aufstehen und den ganzen Tag Knochenarbeit leisten – das Älplerleben gilt hierzulande nicht gerade als Traumjob. Im nahen Ausland scheint das anders zu sein. Familie Spichtig, die den Sommer auf der Urner Alp Unter Äbnet verbringt, suchte für diesen Sommer eine Magd – und die über hundert Bewerbungen dafür stammten hauptsächlich aus Deutschland, Polen und Rumänien. Geschafft hat es letztlich die Heilpädagogin Sonja H. aus Freiburg (D). Es habe sie gereizt, einmal in dieses einfache Leben einzutauchen: «Ein Vermögen verdient man damit nicht, dafür wird man reich an Lebenserfahrung», so die 31-Jährige. Nach Abzug von Versicherung, Kost und Logis erhält Sonja 900 Franken im Monat.

Dass das Interesse am Alpleben riesig ist, spürt auch Giorgio Hösli von der Internetplattform Zalp.ch. Er verzeichnet jeden Monat rund 80 000 Zugriffe auf seine Website: «Ich glaube, die Alp ist einer der letzten exotischen Plätze in der Schweiz.» Auch Pius Hofstetter vom Luzerner Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung sagt: «Zur Alp zu gehen ist bei jungen Städtern aus dem deutschen Raum sehr beliebt – vielleicht, weil sie es als Abenteuer sehen.» Für die Schweizer, die ständig Berge um sich haben, sei diese Vorstellung wohl weniger reizvoll. Ganz verleidet scheint den Schweizern die Alp aber nicht zu sein: In der Zentralschweiz gehen die meisten Alpbesitzer gemäss dem Alpwirtschaftlichen Verband immer noch selbst zu Berg.

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