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Umweltschutz«Alpen der Tiefsee» werden gerettet

Ein Schutzgebiet von der Grösse Italiens soll die «Alpen der Tiefsee» im Atlantik vor der Zerstörung bewahren. Fische können gerettet werden.

Die «Alpen der Tiefsee» werden eins der grössten Meeresschutzgebiete der Welt. Darauf haben sich die 15 Staaten des Oslo-Paris-Abkommens (OSPAR) zur Bewahrung des Nordost-Atlantik am Freitag in Brest geeinigt.

Die «Alpen der Tiefsee» sind eine Untersee-Bergkette mit bis zu 3500 Metern hohen Gipfeln. Das Schutzgebiet am Mittelatlantischen Rücken liegt auf halber Strecke zwischen Island und den Azoren und entspricht etwa der Grösse Italiens.

Dort soll die Tiefseefischerei mit Schleppnetzen eingeschränkt werden, die an Seebergen und am Meeresboden Schneisen der Verwüstung hinterlassen. Hoch subventionierte Fangflotten jagen dort nach Angaben der Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) lukrative Arten wie den Granatbarsch.

Dieser Fisch, der bis zu 100 Jahre alt wird uns sich erst von einem Alter von 25 Jahren an fortpflanzt, gilt als besonders gefährdet. Die Fischereikommission für den Nordost-Atlantik (NEAFC) hatte die Bodenfischerei bereits zuvor in einigen Gebieten eingeschränkt. Die Tabuzonen werden jetzt ausgeweitet.

«Historische Entscheidung»

Der WWF sprach von einer «historischen Entscheidung». «Die atemberaubende Vielfalt der Tiefsee wird gerettet», urteilte WWF- Meeresexperte Stephan Lutter.

Der Schaden durch die bis zu Fussballfeld-grossen Schleppnetze wird dadurch verschlimmert, dass diese mit «Rockhoppern» (Felsenhüpfern) wie Gummikugeln geländegängig gemacht werden und so unbeschadet über felsigen Untergrund geschleppt werden können.

Die «Alpen der Tiefsee» bieten einen idealen Lebensraum für Korallen, Schwämme, Wale und Haie. «Die Erforschung der Tiefseeberge steht noch am Anfang. Bei jeder Expedition werden neue Arten entdeckt», betonte Lutter. In diesen Zonen seien mehr als 40 Haifisch-Arten gesichtet worden.

Haifische bedroht

Haifische sind nach WWF-Angaben wegen ihrer späten Fortpflanzung und geringem Nachwuchs durch Überfischung bedroht. Auch Blauwale, die grössten Lebewesen dieser Erde, durchziehen das neue Schutzgebiet auf ihren Wanderungen durch die Ozeane.

Der Mittelatlantische Rücken ist neben einem kleineren Gebiet im Mittelmeer weltweit erst das zweite Schutzgebiet ausserhalb nationaler Gewässer. Bislang steht erst knapp ein halbes Prozent der Ozeane unter Schutz - die Schutzgebiete finden sich jedoch nahezu ausschliesslich in den küstennahen Gewässern.

Das neue Schutzgebiet entspricht den im Mai von der UNO- Naturschutzkonferenz in Bonn verabschiedeten Kriterien für den Hochseeschutz. «Die Beschlüsse von Bonn und Brest sind Meilensteine für die Bewahrung der Ozeane», betonte Lutter.

(sda)

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