Aktualisiert 23.02.2011 09:41

TourismusAlpine Regionen leiden - Hotels in Städten boomen

Getrübte Idylle auf dem Land: In alpinen Regionen ist der Tourismus rückläufig. Die Städte profitieren jedoch von Geschäftsreisen.

von
Hans Peter Arnold
Vor allem im Tessin (im Bild Fusio) gehen die   Hotelübernachtungen zurück . (key)

Vor allem im Tessin (im Bild Fusio) gehen die Hotelübernachtungen zurück . (key)

Mit einem Minus von zwei bis fünf Prozent dürfte der Tourismus in den ländlichen Regionen im Jahr 2011 rückläufig sein. Das ist nicht irgendeine Prognose eines Experten, das sind vielmehr die Befürchtungen von Schweiz Tourismus. Grund für diesen Negativtrend: der starke Franken. «Der Freizeittourismus reagiert sensibler auf hohe Preise als der Geschäftstourismus, von dem die Städte profitieren», erklärt Direktor Jürg Schmid.

Bereits im vergangenen Jahr litten die alpinen Regionen: Die Hotelübernachtungen waren negativ; insbesondere im Wallis (-3 Prozent) und im Tessin (-5 Prozent). Gemäss Schmid leidet das Tessin unter der Verkehrsbelastung, der Konkurrenz ausländischer Sommerdestinationen sowie am ­qualitativ eher mässigen Standard im mittleren Hotelsegment (2 bis 4 Sterne).

Schweizweit ist der Trend durchaus erfreulich: Die Zahl der Logiernächte stieg um 1,7 Prozent (siehe Interview unten). Zu verdanken ist dies sowohl den Schweizer (2,2 Prozent) wie auch den ausländischen Gästen (1,4 Prozent).

Durchwegs positiv ist die Tendenz der Logiernächte in den Städten Basel, Genf, Luzern und Zürich. Die wieder boomenden Geschäftsreisen verhalfen im Jahr 2010 diesen Regionen zu einem Plus von fünf Prozent.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Der Geschäftstourismus bleibt dank guter Konjunktur stark. «Die Städte sind im europäischen Wettbewerb gut aufgestellt und sehr konkurrenz­fähig», erklärt Schmid. Schliesslich hält auch der Megatrend hin zum Kurzaufenthalt an: Die Aufenthaltsdauer in der Schweiz sank von 2,9 Tagen im Jahr 1992 auf 2,2 Tage im Jahr 2010.

«Starker Franken macht weiter Sorgen»

Frau Bär, was beschäftigt Sie zurzeit am meisten? Daniela Bär:

Frau Bär, was beschäftigt Sie zurzeit am meisten? Daniela Bär:

Der starke Schweizer Franken macht weiter Sorgen.

Dennoch stieg die Zahl der Logiernächte 2010 um 1,7 Prozent.

Weil der Binnenmarkt eine verlässliche Stütze ist. Die Schweizer sind für einen Marktanteil von 43,5 Prozent verantwortlich.

Doch auch von den ausländischen Gästen gibt es gute Nachrichten!

Ja, China legte um 49, Indien um 21 und die Golf-Staaten um 13 Prozent zu.

Das ist doch wunderbar?

Noch ist der Marktanteil dieser Länder tief. Doch das sind attraktive Wachstumsmärkte. Zu diesen zählen auch Brasilien und Polen, wo Schweiz Tourismus neue Vertretungen eröffnen wird.

Über das Ganze gesehen, ist der Trend erfreulich?

Ja, und es zeigt sich, dass die breit diversifizierte Gästestruktur sich gerade in Krisen bewährt.

Sehen Sie dunkle Wolken?

Falls sich zur Franken-Stärke auch noch eine Abkühlung der weltwirtschaftlichen Entwicklung gesellt, müsste die Branche noch knapper kalkulieren. (hpa)

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