Doris Fiala: «Als befinde man sich mitten im Krieg»
Aktualisiert

Doris Fiala«Als befinde man sich mitten im Krieg»

FDP-Nationalrätin Doris Fiala ist als Wahlbeobachterin in der Ukraine. Trotz jämmerlicher Armut herrsche Hoffnung, erzählt sie.

von
S. Marty
Kiew

Frau Fiala, Sie sind seit Freitag als Wahlbeobachterin des Europarats in der Ukraine. Wie erleben Sie die Stimmung vor Ort?

Unter der Bevölkerung spüre ich viel Hoffnung auf eine Zukunft ohne Korruption. Was mich sehr bewegt hat, ist die Situation auf dem Maidan. Der Widerstand auf dem Kiewer Hauptplatz ist noch immer stark spür- und sichtbar: Es mutet nach wie vor an, als stünde man mitten im Krieg – in einer Gefechtspause. Das Gefühl, wie es ist, live vor Ort zu sein, lässt sich schwer in Worte fassen. Überall wo ich hinkomme, erfahre ich aber grosse Dankbarkeit der Bevölkerung.

Hat es Situationen gegeben, in denen Sie sich unsicher fühlten?

Experten vor Ort haben uns entgegen unseren Erwartungen sensibilisiert, dass in der Hauptstadt Kiew eine erhöhte Terrorgefahr bestünde. Im Laufe des Tages und so nahe bei den Menschen hat mich diese Angst aber nie eingeholt.

Im Osten des Landes ist die Situation prekärer. Ein italienischer Journalist wurde getötet.

Der Wahlsonntag wurde definitiv von den Ereignissen im Osten überschattet. Bereits seit Samstagabend sollen Separatisten die Wahllokale in Donezk und Lugansk blockieren, so dass die Menschen nicht zur Abstimmung gehen konnten. Da die Regierung das Wahlgesetz offenbar vor wenigen Wochen angepasst hat, wird die Wahl voraussichtlich auch ohne diese Stimmen anerkannt. Hier zeigt sich, dass das Spannungsfeld zwischen Legalität und Legitimität aufs Äusserste strapaziert wird.

Was war das Eindrücklichste, was Sie am Wahlsonntag erlebt haben?

Auf einer Wahlbeobachtung in einem öffentlichen Spital etwas ausserhalb des Zentrums sahen wir jämmerliche Armut – als ob dieses Land 25 Jahre stehen geblieben wäre. Es mangelte an allem: an der Hygiene, der Technik und an Pflegepersonal. Trotz den ärmlichen Verhältnissen sind jedoch die Patienten auch dort voller Hoffnung, dass sich mit der Wahl etwas verändern wird.

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