Aktualisiert 30.09.2018 16:49

Kriminalfall aus 2002 kommt ins Kino

Als Bern sich vor dem «Frauen-Killer» fürchtete

Einer der berühmtesten Schweizer Kriminalfälle kommt jetzt ins Kino. Dabei werden Erinnerungen an eine Zeit wach, in der Berner in Angst und Schrecken lebten.

von
miw

Der offizielle Trailer zum Film «Der Läufer».

«Der Frauen-Killer von Bern läuft immer noch frei herum», schrieb die Berner Zeitung in ihrer Ausgabe vom 5. August 2002. Unter der Bevölkerung der Region Bern grassierte die Angst: Vier Tage zuvor, am Nationalfeiertag, stach ein Unbekannter im Dunkeln in der Berner Agglo wie wild auf zwei junge Frauen ein – eines der beiden Zufallsopfer, eine 20-jährige Maturandin, starb an den schweren Stichverletzungen.

Diese brutalen Angriffe waren der Höhepunkt der Gewaltspirale, die vom Täter in der Region Bern ausging. Denn bereits in den Monaten vor dem Mord verübte dieser «Frauen-Killer» diverse Übergriffe auf junge Frauen – mehrere seiner Opfer entkamen dabei dem Tod nur knapp.

Bern in Angst und Schrecken versetzt

Der Kanton Bern befand sich in diesen Monaten wie in einem Ausnahmezustand: Weil sich Frauen nicht mehr sicher fühlten, boomte etwa das Taxi-Geschäft. Die Sitzplätze in S-Bahnen durch Tatort-Gebiete blieben nachts beinahe leer. Mehr als üblich wendeten sich damals vor allem Frauen an die Polizei und informierten sich, wie sie sich vor Angriffen schützen können.

Unschuldige, jedoch von der Polizei verdächtigte Männer, wurden am Arbeitsort für Befragungen abgeholt. Rund 100 Männer, die auf die Täterbeschreibungen hätten passen könne, soll die Polizei insgesamt verhört haben. Das Einsatzbüro «Leib und Leben», das Mordfälle und andere schwere Delikte behandelt, hatte für die Jagd auf den damals als «Mitternachts-Mörder» Betitelten eine Truppe von über 50 Leuten zusammengestellt. Tag und Nacht suchten sie nach dem Täter.

«Was, der?»

Dann plötzlich das Aufatmen: Am 20. August 2002, nach intensiven Ermittlungen, taktischen Manövern und psychologischen Tricks der Berner Kriminalpolizei konnte die Polizei den richtigen Täter überführen. Hinter dem «Mitternachtsmörder» verbarg sich der damals 27-jährige Mischa Ebner, ein damals in der Schweiz erfolgreichen Waffenläufer. Er gestand die beiden Übergriffe des Nationalfeiertages sowie 29 weitere Delikte.

Die Festnahme sorgte unter der Bevölkerung zwar für Erleichterung, machte Betroffene aber auch ratlos: «Obwohl ich es weiss, kann ich es schlecht glauben, dass er der Täter war», sagte damals die Mutter eines Opfers gegenüber der «Berner Zeitung». Denn zu unauffällig war das Erschienen des Mörders, der kurze Zeit nach der Verhaftung in seiner Zelle Selbstmord beging.

Jetzt im Kino

Nun wird die Geschichte im Kino gezeigt: «Einerseits diese brutale Gewalt, andererseits seine Rolle als Spitzensportler und beliebter Koch – diese maximale Widersprüchlichkeit hat mich herausgefordert, hinter die Fassade des Falls zu blicken», sagt der preisgekrönte Schweizer Regisseur Hannes Baumgartner.

Ab dieser Woche wird sein Streifen über den Berner Kriminalfall offiziell auf der Leinwand zu sehen sein: Im Film «Der Läufer» wurden zwar die Namen geändert, einzelne Elemente fiktiv ergänzt, dennoch basiert der Streifen klar auf dem berühmten Berner Kriminalfall. Am 4. Oktober ist so die Geschichte des jungen Kochs Jonas (Max Hubacher), der mit seiner Freundin Simone (Annina Euling) die erste gemeinsame Wohnung plant und als extrem begabter Langstreckenläufer für den Olympia-Marathon trainiert, im Kino zu sehen.

Hauptdarsteller Max Hubacher über seine Rolle als «Läufer»:

Max Hubacher über die Rolle als Mischa Ebne

Max Hubacher: "Die Geschichte vom Läufer ging mir wahnsinnig nahe." Ab dem 4. Oktober ist der Film im Kino zu sehen.

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