Mein Beruf: «Als Berufstaucher bin ich manchmal eine Diva»
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Mein Beruf«Als Berufstaucher bin ich manchmal eine Diva»

Miklos Erismann ist einer von nur 35 Berufstauchern in der Schweiz. Im Rahmen der Serie «Leser stellen sich vor» erzählt er von seinem ausgefallenen Job.

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Egal ob auf Baustellen, in Kläranlagen und Kraftwerken oder an Schiffen: Weil Miklos Erismann das Tauchen liebt, erledigt der 44-Jährige alle Aufträge, die unter Wasser anfallen.

Miklos Erismann, wie wird man Berufstaucher?

Ich war vorher schon ein angefressener Sporttaucher. Das hat mir aber nicht gereicht. Ein befreundeter Berufstaucher hat mich dann zum Probearbeiten eingeladen und ich konnte bei ihm einsteigen. Unterdessen bin ich selbstständig und der einzige Berufstaucher in Luzern.

Wie viele Berufstaucher gibt es in der Schweiz?

Ich schätze etwa 35 Vollamtliche. Es gibt noch einige Freelancer. Die miete ich manchmal auch dazu, wenn ich bei einem Auftrag Hilfe brauche.

Was für Arbeiten erledigen Sie unter Wasser?

Vor allem Bauarbeiten, die über Wasser auch gemacht werden: schweissen, mauern, bohren, schneiden, spitzen. Das sind meistens Arbeiten, die in 2 bis 15 Metern Tiefe stattfinden. Grundsätzlich kann man mich aber für alle Aufgaben anfordern, die unter Wasser anfallen. Das können Erkundungen sein, Reinigungsarbeiten, Unterhaltsarbeiten in Hafenanlagen, Bergungen oder auch für Film- und Fernsehaufnahmen. Dann kann es auch mal tiefer runtergehen.

Gab es Jobs, die Sie besonders gerne gemacht haben?

Die Installation der Seesicht-Treppe in Zug war schon ein besonderes Erlebnis. Und 2012 durfte ich zwei Pfeiler an der Kapellbrücke in Luzern auswechseln. In der Pfahlbausiedlung Rapperswil-Jona hatte ich die Gelegenheit, mit einem Archäologen zusammenzuarbeiten. Das war interessant und lehrreich.

Aber nicht alle Aufträge werden so toll sein, oder?

Grundsätzlich mag ich jeden Job. Ich tauche einfach sehr gerne.

Haben Sie niemals Angst?

Nein. Das darf auch nicht passieren, sonst ist man in diesem Beruf falsch. Natürlich hat man Aufträge, vor denen man mehr Respekt hat. Ich musste beispielsweise schon stundenlang in körperengen Röhren unter Wasser arbeiten. Man sollte schon mit Leidenschaft dabei sein, um den Job zu machen – aber normalerweise geht ja alles gut.

Und wenn es mal nicht gut geht?

Grundsätzlich kann immer etwas passieren, aber mit einem gut eingespielten Team kann man das Risiko kalkulieren. Wenn jemand einen Fehler macht oder etwas vergisst, können die anderen das ausgleichen. Das hat bis jetzt immer geklappt.

Also sind die Mitarbeiter eine wichtige Absicherung?

Unbedingt. Man muss sich voll und ganz auf die Menschen im Team verlassen können.

Sind Sie dabei wählerisch?

Schon etwas. Schliesslich hängt auch mein Leben davon ab. Ich muss mich ganz auf das Team einlassen können – und sie auf mich. Als Berufstaucher bin ich nämlich manchmal eine kleine Diva.

Eine Diva? Was heisst das?

Wenn ich etwa nach zwei Stunden aus dem Wasser steige, brauche ich meinen Kaffee und eine Zigarette. Das sollte dann schon bereitstehen. Und ich entscheide, mit wem ich zusammenarbeiten will und mit wem nicht.

Tauchen Sie bei jeder Temperatur?

Es darf einfach nicht zu warm sein. Grundsätzlich gilt: Der Naturschutz hat Priorität. Deshalb sind wir meistens zwischen Oktober und April im Wasser. Ich hab dann manchmal Mitleid mit den Menschen oben im Trockenen. Die bewegen sich weniger und frieren deshalb an der Luft mehr als ich im Wasser.

Was ist das Wichtigste, um den Job ausüben zu können?

Man muss bereit sein, Ungewöhnliches zu machen und man muss einen Knall haben. Glücklicherweise habe ich den – also lasst mich so viel wie möglich tauchen!

Leser stellen sich vor

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Berufstaucher Miklos Erismann erledigt Unterwasserarbeiten auf Baustellen, in Kläranlagen und Kraftwerken, an Schiffen und Hafenanlagen. Seit einigen Jahren ist er selbstständig und führt die DSEM GmbH.

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