25.08.2020 12:13

Callà vor Cup-Halbfinal«Als Captain gegen den FCB – das wäre das Schönste für mich»

Winterthur gegen Basel – das sei mittlerweile ein Cup-Klassiker, sagt Davide Callà. Der ehemalige FCB-Profi und heutige FCW-Captain ist besonders motiviert.

von
Eva Tedesco
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15. April 2012, Cup-Halbfinal: Winterthur - FCB 1:2. In Erinnerung blieb vor allem eine Szene, als der aktuelle Nati-Keeper Yann Sommer Kristian Kuzmanovic im Strafraum zu Fall brachte. Der Pfiff von Ref Alain Bieri blieb aus. Wer weiss, wie die Partie ansonsten geendet hätte.
Die bisherigen Cupduelle zwischen den beiden Teams

15. April 2012, Cup-Halbfinal: Winterthur - FCB 1:2. In Erinnerung blieb vor allem eine Szene, als der aktuelle Nati-Keeper Yann Sommer Kristian Kuzmanovic im Strafraum zu Fall brachte. Der Pfiff von Ref Alain Bieri blieb aus. Wer weiss, wie die Partie ansonsten geendet hätte.

Foto: Valeriano Di Domenico (Freshfocus)
21. September 2014, Sechzehntelfinal: Winterthur - FCB 0:4. Dank Breel Embolo war der Fall klar. Das 17-jährige FCB-Sturmjuwel durfte im Cup in der ausverkauften Schützenwiese Marco Streller ersetzen und erzielte einen Hattrick. 

21. September 2014, Sechzehntelfinal: Winterthur - FCB 0:4. Dank Breel Embolo war der Fall klar. Das 17-jährige FCB-Sturmjuwel durfte im Cup in der ausverkauften Schützenwiese Marco Streller ersetzen und erzielte einen Hattrick.

Foto: Ennio Leanza (Keystone)
5. April 2017, Halbfinal: Winterthur - FCB 0:2. Ein umstrittener Penalty ebnete dem Favoriten den Weg in den Cupfinal. Patrik Schuler erwischt im Strafraum erst den Ball und dann das Bein von FCB-Stürmer Marc Janko. Trotz vehementer Proteste entscheidet Ref Amhof auf Elfmeter für den FCB. Delgado verwandelt sicher. In der 85. Minute trifft Manuel Akanji dann zum 2:0 aus Sicht der Basler. 

5. April 2017, Halbfinal: Winterthur - FCB 0:2. Ein umstrittener Penalty ebnete dem Favoriten den Weg in den Cupfinal. Patrik Schuler erwischt im Strafraum erst den Ball und dann das Bein von FCB-Stürmer Marc Janko. Trotz vehementer Proteste entscheidet Ref Amhof auf Elfmeter für den FCB. Delgado verwandelt sicher. In der 85. Minute trifft Manuel Akanji dann zum 2:0 aus Sicht der Basler.

Foto: Walter Bieri (Keystone)

Darum gehts

  • Im Cup-Halbfinal trifft der FC Winterthur auf den FC Basel.
  • Der Cup-Klassiker steigt seit 2012 bereits zum vierten Mal – bisher setzte sich immer der Favorit durch.
  • FCW-Captain und ehemaliger FCB-Profi Davide Callà wittert aber diesmal eine Chance.

Mit der Bezeichnung Cup-Klassiker liegt Davide Callà ganz gut, wenn er von der Begegnung zwischen dem FC Basel und dem FC Winterthur spricht. Viermal sind die beiden Kontrahenten seit 2012 im Schweizer Cup aufeinandergetroffen, viermal setzte sich der Favorit aus Basel durch.

In den Halbfinals 2011/12 und 2016/17 verlangte Winterthur dem Oberklassigen allerdings alles ab und schied nach fragwürdigen Schiedsrichterentscheiden aus. Zuletzt traten die beiden Teams am 31. Oktober 2018 im Achtelfinal gegeneinander an. Auch vor zwei Jahren setzte sich Rotblau durch, dazumal weniger spektakulär mit einem 1:0-Sieg.

Das soll sich am Dienstagabend (hier live ab 20.15 Uhr) ändern. FCW-Captain und ehemaliger FCB-Spieler Davide Callà hofft auf den ersten Sieg gegen die Basler.

Kommen Revanchegefühle auf, wenn Sie die Cup-Geschichte zwischen dem FCB und Winterthur Revue passieren lassen?

Davide Callà: Es waren immer hart umkämpfte, emotionale und auch oft durch strittige Entscheide entschiedene Spiele. Diesmal kommt der VAR dazu, und deshalb sollten solche Szenen nicht mehr passieren. Ausserdem spielen wir zum ersten Mal auswärts gegen den FCB. Auch das ist neben dem VAR für uns eine Premiere.

Winterthur hatte gegen Saisonende einen Lauf, während der FCB national so schlecht abschnitt wie lange nicht. Ist für den FCW deshalb mehr drin?

Was ich sagen kann: Wir glauben daran, aber uns ist auch bewusst, dass vieles von der Tagesform abhängig ist.

Wie gegen Thun und auch den FC St. Gallen, die Winterthur auf dem Weg in den Halbfinal eliminiert hat?

Ehrlicherweise muss man sagen, dass Thun zu dem Zeitpunkt nicht in der Form nach der Winterpause war und auch der FC St. Gallen nicht so stark wie etwa im dritten und vierten Meisterschaftsquartal. Wir waren am Ende der Saison gut drauf und hätten gerne weitergespielt, aber dann kam der Break. Wir hatten – wie der FCB nach dem Europa-League-Spiel – eine Woche Ferien und bereiten uns seit nunmehr zehn Tagen auf den Cup vor. Wir wissen aber nicht, wo wir jetzt stehen. Aber ich denke, dem FCB geht es nicht anders. Auch sie hatten nach dem Donezk-Spiel eine Pause. Auch für die Basler ist es nicht einfach.

Im Cup-Achtelfinal gegen Thun erzielte Callà (Bildmitte) das siegbringende Tor gegen Thun.

Im Cup-Achtelfinal gegen Thun erzielte Callà (Bildmitte) das siegbringende Tor gegen Thun.

Foto: Walter Bieri (Keystone)

Trainer Marcel Koller muss zudem auf den gesperrten Xhaka und wegen Corona auf weitere wichtige Spieler wie Cömert, Campo, Cabral und Ramires verzichten. Ist das ein Vorteil für den FCW?

Das schmälert sicher nicht unsere Chancen, zumal in jeder Reihe ein wichtiger Spieler fehlt – vor allem vorne mit Cabral.

Können Sie nachvollziehen, dass die Spieler trotz Corona ins Ausland gereist sind, obwohl klar war, dass noch mindestens ein wichtiges Spiel ansteht?

Ich denke schon, dass die Spieler vorher gebrieft worden sind. Aber auch wenn sie an einen damals scheinbar sicheren Ort geflogen sind, mussten sie damit rechnen, dass sich die Lage ändert und es Konsequenzen gibt. Da gehe ich doch auf Nummer sicher und mache Ferien in den Schweizer Bergen. Auch uns wurde vom Club empfohlen, diesmal auf Ferien im Ausland zu verzichten. Aber für uns ist es das Spiel des Jahres, und mehr musste man da nicht sagen. Es haben sich alle daran gehalten.

Beim FCB sorgt nicht nur das Virus für Probleme, der Club produziert auch sonst viel Unruhe. Nehmen das die Spieler wahr?

Natürlich nimmt man das als Spieler wahr und diskutiert auch mal darüber in der Kabine, aber für das Spiel muss das gar nichts bedeuten. Ich habe das einmal bei Servette erlebt, aber die Negativität von aussen hat die Mannschaft damals noch näher zusammengeschweisst. Darum wird das auf den Match nicht viel Einfluss haben. Eher wollen sich die Spieler keine Blösse geben.

«Als Captain gegen den FCB, in Basel – das wäre das Schönste für mich.»

Sie sind seit zwei Jahren weg vom FCB. Wie gross ist Ihre Verbundenheit noch zu Rotblau?

Ich verfolge den FCB und habe immer ein Auge auf ihn. Zudem habe ich noch mit dem einen oder anderen Spieler Kontakt. Man hört sich ab und zu, und wenn der FCB spielt, drücke ich ihm die Daumen – nur am Dienstag nicht. (lacht)

Sie könnten Ihren ehemaligen Kollegen gar ein Bein stellen und wie gegen Thun das siegbringende Tor erzielen?

Das wäre fantastisch, aber auch wenn nicht ich es bin, der die Entscheidung auf dem Fuss hat. Als Captain gegen den FCB, in Basel – das wäre das Schönste für mich. Aber noch wichtiger: Es wäre fantastisch für die Jungs. Die meisten haben noch nie im Joggeli gespielt. Leider spielen wir ohne Zuschauer oder vor nur ganz wenigen Fans, aber motivieren muss man da keinen. Die sind alle heiss.

Heiss auf den ersten Sieg. Jede Serie geht einmal zu Ende. Ist die Erwartung höher in Anbetracht dessen, dass der FCB keine gute nationale Saison gespielt hat?

Nein, das denke ich nicht, aber die ganze Stadt freut sich auf das Spiel. Alle glauben an die Möglichkeit, dass wir gewinnen können, und alle haben Lust darauf. Aber es ist uns bewusst, dass wir einen aussergewöhnlichen Tag brauchen.

Ein aussergewöhnlicher Tag in einer aussergewöhnlichen Saison – das würde passen, oder?

Sehen Sie, der Sport und speziell auch der Fussball schreiben die schönsten Geschichten, und davon lassen wir uns inspirieren. Aber ich hoffe auch, dass die Jungs das Spiel geniessen können. Nur wenn wir mutig auftreten und versuchen, mitzuspielen, können wir etwas reissen. Aber wir müssen das nicht künstlich aufblasen, es ist nur ein Fussballspiel. Wir wollen unsere Lockerheit, Frische und Frechheit beibehalten, und dann sehen wir, wie weit uns das bringt.

Am liebsten in den Final.

Wie gesagt: Wir haben Lust darauf.

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1 Kommentar
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Der Fall ist klar. Tschau Basel

25.08.2020, 14:46

Winterthur gewinnt! Basel kann den Final im Fernseher anschauen!!