TV-Beitrag: Als Chérif Kouachi noch Amateur-Dschihadist war
Aktualisiert

TV-BeitragAls Chérif Kouachi noch Amateur-Dschihadist war

Ein französischer TV-Sender befasste sich schon 2005 mit einem der mutmasslichen Attentäter von Paris: Chérif Kouachi. Der junge Mann galt schon damals als Radikaler.

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Im Video sieht man Chérif Kouachi, wie er einen Freund per Handschlag begrüsst.

Im Video sieht man Chérif Kouachi, wie er einen Freund per Handschlag begrüsst.

France 3
Vor der Kathedrale Notre-Dame in Paris harren die Menschen im Regen aus, um die Toten des Anschlags auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» zu ehren.

Vor der Kathedrale Notre-Dame in Paris harren die Menschen im Regen aus, um die Toten des Anschlags auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» zu ehren.

AFP/Matthieu Alexandre
Auch im Elysée-Palast wurde eine Schweigeminute abgehalten.

Auch im Elysée-Palast wurde eine Schweigeminute abgehalten.

Keystone/AP/Philippe Wojazer

Der französische TV-Sender France 3 porträtierte schon 2005 einen der beiden Hauptverdächtigen des Anschlags auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo». Die Fernsehsendung «Terrorismus – Die neue Bedrohung» zeigt den heute 32-Jährigen als Dschihad-Rekruten.

Der France-3-Beitrag, den die französische Zeitung «Le Figaro» auf ihrer Seite hochgeladen hat, zeigt Chérif als Rap-Fan, der mehr an Mädchen interessiert war als daran, in die Moschee zu gehen. Der Junge nordafrikanischer Abstammung habe damals eine «Meinung», einen «Bezugspunkt» gesucht.

Joggen als Dschihad-Training

In einer Pariser Moschee lernte Chérif Kouachi den radikalislamischen Farid Benyettou kennen. Dieser rekrutierte ihn für den Dschihad im Irak und ist mittlerweile in Haft. Chérif sei schnell vom Dschihad überzeugt gewesen, zeigt die TV-Sendung. Farid habe ihn dazu bewogen, in den Dschihad zu ziehen. Er habe ihm eine Rechtfertigung für seinen baldigen Tod gegeben, sagt Kouachi gegenüber France 3.

Sein Training sei äusserst amateurhaft gewesen, urteilt das TV-Magazin. Zwei-, dreimal sei Chérif in den Park Buttes-Chaumont in Paris joggen gegangen. Ein Waffenexperte habe ihm flüchtig die Bedienung einer Kalaschnikow erklärt. «Ich hatte Angst, aber ich sagte es nicht.»

2005 wurde Chérif von der Polizei abgefangen, kurz bevor er selbst in den Dschihad ziehen wollte. Die Tickets für den Flug nach Syrien hatte er bereits. Von dort aus wollte er in den Irak reisen, um einen Selbstmordanschlag gegen die Amerikaner zu verüben. Erst drei Jahre später, 2008, wurde er dafür verurteilt. Das Urteil lautete damals auf drei Jahre Gefängnis, davon 18 Monate bedingt.

Den TV-Beitrag von 2005 sehen Sie hier:

Farid Benyettou

Der selbsternannte Imam und Salafist soll die Kouachi-Brüder radikalisiert haben. Der Franzose mit algerischen Wurzeln gilt als Koran-Kenner. Er soll zwischen 2003 und 2005 zehn junge muslimische Franzosen mit afrikanischen Wurzeln in den Irak geschickt haben. Man sagt ihm Verbindungen zur Al Qaeda nach. Er wurde damals zu sechs Jahren Haft verurteilt.

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