Grosse Unterschiede zwischen Kantonen - Als Contact Tracer kann man bis zu 10’000 Franken pro Monat verdienen
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Grosse Unterschiede zwischen KantonenAls Contact Tracer kann man bis zu 10’000 Franken pro Monat verdienen

Der Kanton Thurgau zahlt einen Stundenlohn von fast 40 Franken, am Wochenende gibt es gar 60 Franken. Wer es in eine Führungsposition schafft, kann sich auf einen besonders üppigen Zahltag freuen.

von
Patrick McEvily
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Seit Beginn der Pandemie haben die Kantone Contact-Tracing-Systeme hochgefahren und dafür hunderte Personen im Schnellverfahren engagiert. 

Seit Beginn der Pandemie haben die Kantone Contact-Tracing-Systeme hochgefahren und dafür hunderte Personen im Schnellverfahren engagiert.

Tamedia/Urs Jaudas
In mehreren Fällen ist dies mit der Hilfe externer Partner geschehen.

In mehreren Fällen ist dies mit der Hilfe externer Partner geschehen.

20min/Matthias Spicher
Der Kanton Thurgau beauftragte letztes Jahr die lokale Sektion der Lungenliga. Diese handelte die aktuellen Arbeitsverträge für die Angestellten im Thurgauer Contact Tracing aus.

Der Kanton Thurgau beauftragte letztes Jahr die lokale Sektion der Lungenliga. Diese handelte die aktuellen Arbeitsverträge für die Angestellten im Thurgauer Contact Tracing aus.

Lungenliga Thurgau

Darum gehts

  • Der Kanton Thurgau gibt im Monat 500’000 Franken für das Contact Tracing aus.

  • Der Grundlohn für einen Contact Tracer beträgt zwischen 30 und 40 Franken auf die Stunde, an Wochenenden sind es 60 Franken.

  • Ein Teamleiter kann bis zu 10’000 Franken im Monat verdienen.

  • Die hohen Lohnsummen waren von der lokalen Sektion der Lungenliga ausgehandelt worden. Mehrere Kantone haben die Zusammenarbeit mit der Lungenliga inzwischen wieder beendet.

Die Pandemie hat einen völlig neuen Berufszweig hervorgebracht: Den Contact Tracer. Was sich anhört wie ein typischer Studentenjob, kann sich bei genauerem Hinschauen als lukrativer Karriereschritt herausstellen.

Laut einem Bericht des Ostschweizer Radios «FM1» können Contact Tracer im Kanton Thurgau nämlich bis zu 10’000 Franken monatlich verdienen. Die Lohnangabe betrifft die Stelle eines Teamleiters. Aber für sämtliche Mitarbeiter gilt ein Mindestlohn zwischen 30 und 40 Franken pro Stunde. An Wochenenden verdoppelt sich der Betrag auf fast 60 Franken. Zurzeit arbeiten rund 70 Personen als Contact Tracer im dortigen kantonalen Zentrum in Felben-Wellhausen. Dieses sorgte vor kurzem für Aufsehen, weil die dortigen Mitarbeitenden nicht im Homeoffice arbeiten dürfen. Insgesamt gibt der Kanton Thurgau 500’000 Franken pro Monat für das Contact Tracing aus.

Kantone berücksichtigen Erfahrung und Hintergrund beim Lohn

Gemäss Radio FM1 wird im Kanton Zürich weniger bezahlt, obwohl man mit demselben externen Partner zusammenarbeitet. Nicht nur seien die Löhne tiefer, man bezahle hier auch keine Wochenendzulagen. Der Kanton arbeitet in einem Zweischichtenbetrieb, sieben Tage die Woche. Insgesamt arbeiten zurzeit rund 650 Personen im Kanton als Contact Tracer (siehe Infobox).

Der Grundlohn im Thurgau scheint aber nicht so ungewöhnlich. Auch die Kantone Zug und Baselland bestätigen gegenüber 20 Minuten eine Bandbreite von 30 bis 40 Franken pro Stunde. Andere angefragte Kantone geben an, bei den Lohnzahlungen nach den jeweiligen kantonalen Besoldungsverordnungen vorzugehen. Der Kanton Schaffhausen gibt an, dass die Entlohnung dem unteren Mittel des KV-Personals entspreche. Bei der Anstellung werde ausserdem die Erfahrung eines Mitarbeitenden berücksichtig, erklärt Aurel Köpfli, Mediensprecher im Kanton Zug. Wer über medizinische Erfahrung verfügt, verdient also mehr.

Vom Flight Attendant bis zur Medizinerin

Sowohl der Kanton Thurgau als auch der Kanton Zürich arbeiten mit dem Unternehmen JDMT Medical aus Pfäffikon ZH zusammen. Auf Anfrage bestätigt das Unternehmen, man habe in den beiden Kantonen insgesamt 200 Personen angestellt, allerdings habe die Zahl über die vergangenen Wochen und Monate immer wieder stark fluktuiert. 80 Prozent der angestellten Personen arbeiten gemäss JDMT-Sprecher Roland Portmann im Stundenlohn.

Dabei zahle man «marktübliche Löhne», erklärt Portmann. Diese seien historisch gewachsen und berücksichtigten mehrere Faktoren, wie die bisherigen vertraglichen Umstände oder die Parkplatz-Situation vor Ort. Man handle bei der Lohnfestsetzung nach dem Prinzip «gleicher Lohn für gleiche Arbeit». Für die Rekrutierung hat JDMT mit verschiedenen Firmen und kantonalen Stellen zusammengearbeitet. Die Fluggesellschaft Swiss hat Kabinenpersonal abgegeben, das zurzeit aufgrund der Flaute im Flugbetrieb keiner Tätigkeit nachgehen kann. Auch die kantonalen RAVs hätten Personen an JDMT vermittelt.

Die Lungenliga verlor Mandat in mehreren Kantonen

Bis Ende letzten Jahres leitete die Lungenliga Thurgau das Contact Tracing im Kanton. Diese hatte auch die ursprünglichen Löhne mit dem Kanton ausgehandelt. Dann wurde die Zusammenarbeit aufgelöst und der Kanton vergab das Mandat an JDMT. In einer offiziellen Mitteilung im Dezember 2020 habe die Lungenliga sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollen. Gemäss der «Thurgauer Zeitung» war man beim Kanton aber nicht zufrieden mit der Lungenliga, insbesondere mit den hohen Kosten.

Damit ist der Kanton Thurgau offenbar nicht alleine. Auch in den Kantonen Luzern, Zug und Schwyz, Freiburg hat man die Zusammenarbeit mittlerweile wieder beendet. Im Kanton Zug hatte der Gesundheitsdirektor gegenüber Zentralplus von einer «Überforderung» der Lungenliga gesprochen.

Das sagt der Kanton Zürich

Gemäss Beat Lauper, von der Gesundheitsdirektion des Kanton Zürich, zahlt der Kanton Zürich der Firma JDMT Medical Services einen höheren Betrag als dies der Kanton Thurgau tut. Gemäss Regierungsbeschluss 351/2021 des Kantons wird ein Stundenansatz von 59 Franken berechnet.

Der Kanton Zürich hat seitens der Sicherheitsdirektion einen Pool von über 500 Personen, die im normalen Flugbetrieb die Sicherheitskontrollen bedienen, von denen wir täglich um die 120 - 130 einsetzen, neben dem Personal am zweiten Standort. Deren Löhne werden weiterhin von der Sicherheitsdirektion bezahlt, weil sie nicht in ihrem angestammten Beruf als Sicherheitskontrolleure eingesetzt werden - aktuell bei einem Rückgang von über 80% an Passagieren am Flughafen Zürich. Der Kanton hat sich entschieden, die erwähnten 500 Personen weiterzubilden und bei Bedarf auch im Contact Tracing einzusetzen. Insgesamt ist also ein Pool von 650 Personen an beiden Standorten engagiert, von denen rund 120-130 täglich am Flughafen, und rund 65-90 am zweiten Standort Pfäffikon eingesetzt werden. Zusätzlich muss klargestellt werden, dass der Kanton Zürich keinen einzigen der über 650 Tracer selber angestellt hat, weil entweder sind sie angestellt von deren zivilem Partner JDMT, oder aber sie sind angestellt von der Sicherheitsdirektion.

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