Portät über Coulibaly: Als der Geiselnehmer von Paris Nicolas Sarkozy traf
Aktualisiert

Portät über CoulibalyAls der Geiselnehmer von Paris Nicolas Sarkozy traf

Der Geiselnehmer von Paris traf 2009 auf den damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy. In einer Zeitung wurde er kurz porträtiert.

von
cho/ann
Der mutmassliche Geiselnehmer von Paris wurde schon in einer Zeitung porträtiert.

Der mutmassliche Geiselnehmer von Paris wurde schon in einer Zeitung porträtiert.

Am Freitagabend wurden mehreren Geiseln in einem koscheren Supermarket in Porte de Vincennes in Paris festgehalten. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Geiselnehmern um Amedy Coulibaly und seine Ehefrau handelte, wobei die Rolle der Frau bisher nicht klar ist. Laut verschiedenen Medienberichten hatte der schwer bewaffnete Coulibaly mindestens fünf Menschen in seiner Gewalt haben, darunter auch Kinder. Offenbar wurde er bei der Befreiungsaktion der Polizei getötet.

Der heute 32-Jährige, mit afrikanischen Wurzeln, wurde 2009 in einer Zeitung porträtiert – der Artikel wirft etwas Licht auf die offenbar dunkle Persönlichkeit von Coulibaly. Der Mann wuchs in einem Ghetto-Quartier namens Grigny, in den südlichen Banlieus, auf. Er arbeitete 2009 als Fabrikarbeiter bei Coca-Cola. In diesem Jahr traf er den damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zusammen mit neun anderen jungen Fabrikarbeitern.

«Ich freue mich darauf», hatte Coulibaly dem Journalisten vor dem Treffen mit Sarkozy gesagt. Er wollte den Präsidenten fragen, ob er ihm eine Anstellung verschaffen könnte, denn ihm wurde im Rahmen von Einsparungen gekündigt. Wie der Journalist schrieb, hat Coulibaly neun Geschwister – alles Frauen.

Mit Terror-Brüdern verbündet

Neben Amedy Coulibaly wird auch dessen Ehefrau Hayat Boumeddienne (26) gesucht. Vermutlich hat sich diese bereits ergeben, dies ist jedoch noch nicht bestätigt. Coulibaly ist ein Kollege des Charlie-Hebdo-Mörders Chérif Kouachi und wurde 2010 festgenommen. Offenbar hatte er zusammen mit Kouachi geplant, den Islamisten Ait Ali Belkacem zur Flucht aus dem Gefängnis zu verhelfen. Ait Ali Belkacem ist ein ehemaliges Mitglied der algerischen Terrorgruppe GIA (Groupe Islamique Armée).

Er wurde für das Bombenattentat der RER-Haltestelle Musée d'Orsay im Jahre 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei seiner Verhaftung im Jahr 2010 fand man bei der Durchsuchung seiner Wohnung 240 Patronen des Kalibers 7.62 (Kalaschnikow-Munition). Coulibaly wie auch Chérif Kouachi gingen zu jener Zeit bei Djamel Bhegal ein und aus. Mit diesem planten sie auch die Befreiung von Ait Ali Belkacem.

Attentat auf US-Botschaft geplant

Der 49-jährige Djamel Bhegal alias Abu Amza hatte im Jahr 2001 geplant, ein Attentat auf die US-Botschaft in Paris zu verüben und war zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Beghal ist mittlerweile erneut wegen Terrorismus verurteilt worden.

Im Dezember 2013 wurde auch Amedy Coulibaly für den Befreiungsversuch von Belkacem zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Weil er ebenfalls seit Mai 2010 in Haft sass, wurde er am 4. März 2014 entlassen. Bis zum 15. Mai 2014 musste er noch ein elektronisches Armband tragen. Coulibaly hat eine Bewährung von einem Jahr erhalten.

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