Kriminalgericht Luzern: Als der Mieter erwachte, war sein Besuch blutüberströmt
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Kriminalgericht LuzernAls der Mieter erwachte, war sein Besuch blutüberströmt

Das Kriminalgericht hat einen Mann (29) zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, weil er einem Kollegen mehrere Stichverletzungen zugefügt hatte.

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Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte einen 29-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte einen 29-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Foto: Gerichte Luzern
An der Baselstrasse in Luzern hatte der Verurteilte im Dezember 2017 einem Bekannten mehrere Stichverletzungen zugefügt.

An der Baselstrasse in Luzern hatte der Verurteilte im Dezember 2017 einem Bekannten mehrere Stichverletzungen zugefügt.

Foto: Keystone
Der Beschuldigte und sein Opfer befanden sich zur Tatzeit im Zimmer eines Mieters an der Baselstrasse. Gemeinsam hätten die drei viel Alkohol getrunken.

Der Beschuldigte und sein Opfer befanden sich zur Tatzeit im Zimmer eines Mieters an der Baselstrasse. Gemeinsam hätten die drei viel Alkohol getrunken.

Foto: Google Street View

Das Gericht sprach den Beschuldigten, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung schuldig. Dies, weil er einem Kollegen Stichverletzungen an Kopf, Schulter und Brust zugefügt hatte. Der Eritreer soll zudem für zehn Jahre des Landes verwiesen werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte indes eine siebenjährige Freiheitsstrafe gefordert. Die Verteidigung machte sich für eine bedingte Strafe von zehn Monaten stark. Das am Dienstag publizierte begründete Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Berufung wurde angemeldet.

Beschuldigter kann sich nicht mehr erinnern

Die Tat ereignete sich gemäss Anklageschrift im Dezember 2017 in einem Zimmer an der Baselstrasse in Luzern. Der Mieter, der Beschuldigte und das Opfer tranken viel Alkohol. Der Mieter schlief ein, als er erwachte, fand er das Opfer blutüberströmt auf dem Bett sitzend vor. Es war nicht lebensgefährlich verletzt und hielt den Beschuldigten fest. Der Mieter nahm dem mutmasslichen Täter die Waffe, ein Taschenmesser, ab, und warf es auf die Strasse.

Der Beschuldigte gab an, sich nicht an die Tat erinnern zu können, bestritt diese aber auch nicht. Er habe mit seinem Kollegen nie Probleme gehabt, er habe ihn nicht umbringen wollen. Das Opfer sagte aus, dass es zwischen ihm und dem Beschuldigten zu einem Disput gekommen sei. Dann sei alles sehr schnell gegangen.

Gewohnheitstrinker

Das Kriminalgericht stufte die Aussagen des Opfers als plausibel und glaubwürdig ein. Anzeichen für eine Falschbehauptung gebe es nicht. Zudem habe der Beschuldigte selbst keine ernsten Zweifel an seiner eigenen Täterschaft.

Die angebliche Erinnerungslücke stufte das Gericht als Schutzbehauptung ein. Der Alkoholkonsum habe nicht zu einem Bewusstseinsverlust geführt. Das Gericht verwies darauf, dass der Beschuldigte trotz 2,7 Promille noch fähig gewesen sei, ein Taschenmesser zu öffnen, was daran liege, dass er Gewohnheitstrinker sei. Attestiert wurde dem Beschuldigten vom Gericht aber eine leicht verminderte Schuldfähigkeit, weil er einen Rausch hatte.

(SDA)

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