Geld und Leichen: Als die Niagarafälle trockengelegt wurden
Publiziert

Geld und LeichenAls die Niagarafälle trockengelegt wurden

Donnerndes Wasser – die Niagarafälle machen ihrem indianischen Namen eigentlich alle Ehre. Ausser im Jahr 1969.

von
Fee Riebeling
1 / 12
Die Niagarafälle könnten bald etwa so aussehen, zumindest die ganz auf US-Gebiet gelegenen American Falls.

Die Niagarafälle könnten bald etwa so aussehen, zumindest die ganz auf US-Gebiet gelegenen American Falls.

AP/AP Photo
Zu den Niagarafällen zählt neben den 260 Meter langen American Falls (links) auch der 670 Meter lange Horsehoe Fall (rechts), durch den die Grenze zwischen den USA und Kanada verläuft. Dazwischen liegt die Grüne Insel.

Zu den Niagarafällen zählt neben den 260 Meter langen American Falls (links) auch der 670 Meter lange Horsehoe Fall (rechts), durch den die Grenze zwischen den USA und Kanada verläuft. Dazwischen liegt die Grüne Insel.

Wikimedia Commons/Wladyslaw/CC BY-SA 3.0
Die Grüne Insel ist durch zwei mehr als 100 Jahre alte Brücken oberhalb der American Falls erschlossen. Diese sollen nun renoviert werden, weshalb die American Falls trockengelegt werden sollen.

Die Grüne Insel ist durch zwei mehr als 100 Jahre alte Brücken oberhalb der American Falls erschlossen. Diese sollen nun renoviert werden, weshalb die American Falls trockengelegt werden sollen.

AP/David Duprey

Sie sind die wohl bekanntesten Wasserfälle der Welt: Die Niagarafälle an der Grenze zwischen den USA und Kanada. Doch so natürlich wie sie auf den ersten Blick wirken, sind sie nicht. Denn die Menge der herabstürzenden Wassermassen bestimmt der Mensch. Ohne sein Zutun wäre diese etwa doppelt so gross. So sind es – je nach Jahreszeit – «nur» 2,8 bis 5,7 Millionen Liter pro Sekunde.

Die Drosselung dient vor allem der Energiegewinnung. Die zurückgehaltenen Wassermassen werden an den Klippen vorbei und in ein Stauwehr geleitet, wo sie mithilfe von Turbinen Strom erzeugen. Ausserhalb der Saison und nachts nehmen gar 90 Prozent des vorhandenen Wassers diesen Weg.

Genau hingeschaut

Ein massiver Eingriff durch den Menschen, der erst einmal – im Jahr 1969 – übertroffen wurde. Damals wurden ein grosser Teil der Fälle für fünf Monate stillgelegt. Eine bislang einmalige Sache, die sich auf amerikanischer Seite (siehe Box 1) jedoch bald wiederholen könnte (siehe Bildstrecke).

Grund für den damaligen Wasserstopp an den American Falls waren wissenschaftliche Untersuchungen. Forscher untersuchten das Gelände geologisch und prüften, welche Spuren das sonst kontinuierlich fliessende Wasser im Stein hinterlässt.

Neue Erkenntnisse – und Überraschungen

Unter anderem wurde Beton in den Fels gedrückt, um die Erosion zu stoppen. Diese hatte 1954 einen Felssturz ausgelöst, der eine riesige Geröllhalde unterhalb der American Falls hinterliess. Entgegen den ursprünglichen Plänen räumte man diese 1969 aber nicht weg. Man hatte erkannt, dass sie eine wichtige Stützfunktion übernimmt.

Bei den Arbeiten entdeckten die Wissenschaftler ausserdem zwei Leichen, die vermutlich von Personen stammten, die sich freiwillig das Leben genommen haben. Weiter fanden die Forscher jede Menge Münzen im Geröll. Offenbar waren diese von abergläubischen Menschen in die Strömung geworfen worden.

So speziell das Bild der trockenen Fälle auch sein mag: Auch wenn das Wasser von den Klippen stürzt, sind sie mehr als sehenswert. Und das nicht nur, wenn Wagemutige und Draufgänger dort für Aufsehen sorgen. Die Mutigsten lernen Sie in folgender Bildstrecke kennen:

1 / 25
Sich im  Kajak die Niagara-Fälle runterzustürzen ist lebensgefährlich, illegal - und das grosse Ziel von Profi-Kajaker Rafa Ortiz. Er ist damit nicht allein, wie der Blick zurück zeigt.

Sich im Kajak die Niagara-Fälle runterzustürzen ist lebensgefährlich, illegal - und das grosse Ziel von Profi-Kajaker Rafa Ortiz. Er ist damit nicht allein, wie der Blick zurück zeigt.

Facebook.com/Rafa Ortiz
Den Anfang machte eine Frau: Als erster Mensch stürzte sich am 24. Oktober 1901 die amerikanische Tanzlehrerin Annie Edson Taylor in einem Holzfass die 57 Meter hohen Horseshoe Falls hinunter - und das mit 63 Jahren. Ihr Plan: dem Armenhaus zu entkommen.

Den Anfang machte eine Frau: Als erster Mensch stürzte sich am 24. Oktober 1901 die amerikanische Tanzlehrerin Annie Edson Taylor in einem Holzfass die 57 Meter hohen Horseshoe Falls hinunter - und das mit 63 Jahren. Ihr Plan: dem Armenhaus zu entkommen.

PD
Sie überlebte leicht verletzt und mit einem schweren Schock. Ihr Rat an all jene, die sie in Empfang nahmen: «Das darf niemand jemals wieder tun.»

Sie überlebte leicht verletzt und mit einem schweren Schock. Ihr Rat an all jene, die sie in Empfang nahmen: «Das darf niemand jemals wieder tun.»

Niagara Falls (Ontario) Public Library

Gestatten, die Niagarafälle

Die Niagarafälle werden aus zwei separaten Fällen gebildet: dem Horseshoe Fall auf der Staatsgrenze und den American Falls, die komplett auf US-Gebiet liegen. Zwischen den Fällen liegt die Grüne Insel. Von der US-Seite ist sie über zwei Fussgängerbrücken erschlossen.

Trockene Premiere

Erstmals fielen die Niagarafälle in der Nacht vom 29. März 1848 trocken – und das ohne menschliche Hilfe. Ein Sturm hatte die Eisschollen auf dem Eriesee in Bewegung gebracht und den Austritt des Flusses bei Buffalo fast dreißig Stunden lang blockiert, bevor sie wieder in Bewegung kamen und der Fluss wieder strömen konnte.

Deine Meinung