Illegales Radio: Als die PTT Piraten jagte
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Illegales RadioAls die PTT Piraten jagte

In den 70er-Jahren gab es in der Deutschschweiz nur zwei Radiosender: DRS1 und DRS2. Dagegen kämpften unerschrockene Radiopiraten an. Doch die wurden vom Staat gnadenlos verfolgt.

von
jcg
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In Bezug auf illegale Radiosender kannte die PTT in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren kein Pardon: Mit Funkpeilwagen machten die Bundesbeamten Jagd auf die Radioamateure.

In Bezug auf illegale Radiosender kannte die PTT in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren kein Pardon: Mit Funkpeilwagen machten die Bundesbeamten Jagd auf die Radioamateure.

Keystone/str
Das musste auch Piratenradio-Chef Rolf G. erfahren. Am 18. Dezember 1977 schlugen Polizei und PTT zu und beschlagnahmten einen UKW-Sender, eine Antenne und zwei Tonbandgeräte seines Radio Alternativ. Trotzdem sendete er bald wieder: Die Beamten hatten nur den Notsender gefunden.

Das musste auch Piratenradio-Chef Rolf G. erfahren. Am 18. Dezember 1977 schlugen Polizei und PTT zu und beschlagnahmten einen UKW-Sender, eine Antenne und zwei Tonbandgeräte seines Radio Alternativ. Trotzdem sendete er bald wieder: Die Beamten hatten nur den Notsender gefunden.

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Das erste Schweizer Piratenradio war Radio Pirate aus Genf. Es sendete 1976 jeweils zwischen 20 und 20.30 Uhr auf UKW zu Themen wie Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung, Prostitution und Abtreibung.

Das erste Schweizer Piratenradio war Radio Pirate aus Genf. Es sendete 1976 jeweils zwischen 20 und 20.30 Uhr auf UKW zu Themen wie Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung, Prostitution und Abtreibung.

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Rock- und Popmusik war noch in den 1970er-Jahren kaum am Radio zu hören. Die zwei Deutschschweizer Sender richteten sich an ein älteres Publikum. Die Zielgruppe der Jugendlichen sei nicht bedient worden, wie Stefan Länzlinger vom Schweizerischen Sozialarchiv im Gespräch sagt. Die PTT hatte damals das alleinige Recht, Funkantennen zu erstellen und zu betreiben.

Gleichzeitig wurden in den 1970er-Jahren Bauteile für Sender billiger und kleiner. Jeder konnte problemlos für ein paar Hundert Franken einen handlichen Sender selber bauen. Damit begann der Widerstand gegen das SRG-Monopol in der Schweiz: Der erste illegale Sender Radio-Pirate sendete im Frühling 1976 aus Genf, wie der Zürcher Historiker Adrian Scherrer sagt.

In den nächsten Jahren gab es immer mehr Piratenradios, heute weiss man aber kaum mehr etwas darüber. Scherrer ist im PTT-Archiv auf Spuren von über 30 Sendern gestossen. Es habe aber sicher noch mehr gegeben, sagt er. Die meisten sendeten aus Zürich und Umgebung.

Von stümperhaft bis hervorragend recherchiert

Das Sozialarchiv erhielt kürzlich von einem Radiopiratenfan über 30 Sendungen von Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre. Die Sendungen sind nun auf der Website des Archivs aufgeschaltet. Die Sender hiessen etwa Gäterlischlitzer, Alibaba, Wällensittich oder Känguruh. Einige sendeten gerade mal ein paar Minuten, andere regelmässig bis zu zwei Stunden in der Woche.

Auch die Qualität war unterschiedlich – von stümperhaft bis zu hervorragend recherchiert, wie Scherrer sagt. Die Frequenzen lagen immer zwischen 100 und 104 Megahertz. Hier war sonst nur Rauschen zu hören. Gemäss offizieller Begründung war dieser Platz für Kriegszwecke reserviert.

Neben den Unzufriedenen, die am SRG-Monopol rüttelten, gab es – vor allem aus linken Kreisen – politisch Aktive, die ihre Botschaft über den Äther verbreiten wollten. So kamen die «Wellenhexen», die den ersten politischen Piratensender in der Deutschschweiz betrieben, aus der Frauenbewegung.

Vom Peilwagen erwischt: Busse oder Gefängnis

Die PTT schaute dem Treiben aber nicht tatenlos zu: Mit Peilwagen machte sie Jagd auf die Sender. Wurden die Piraten erwischt, bedeutete das nicht nur den Verlust der Technik, sondern auch eine Busse von bis zu 1000 Franken. Einige seien auch im Gefängnis gelandet, sagt Scherrer.

Um nicht erwischt zu werden, wechselten die Radiomacher immer wieder ihren Sendeort. Die meisten machten für ihre Sendungen auch keine Werbung im Voraus. Viele behalfen sich aber mit einem Trick, wie Scherrer erzählt. Sie überlagerten kurz einen anderen, offiziellen Sender, kündigten darauf ihre Sendungen an und hofften, so Hörer abwerben zu können.

Schawinski nutzte italienische Liberalisierung

Piratensender waren aber kein Schweizer Phänomen. Auch in anderen Ländern herrschte ein staatliches Radiomonopol. Als erstes europäisches Land liberalisierte Italien den Radiomarkt im Jahr 1976. Und genau dies nutzte Roger Schawinski vor 35 Jahren aus.

Er deklarierte sein Radio 24 als italienisches Lokalradio und sendete ab November 1979 mit einer riesigen Antenne vom Gipfel des Pizzo Groppera in Richtung Schweiz, sodass man die Sendungen auch in Zürich noch hören konnte.

Im Juni 1983 bewilligte der Bundesrat schliesslich 36 Lokalradioversuche. Am 1. November 1983 schickten die ersten Privatradios – darunter Radio 24 – ihre Sendungen über den Äther. Damit endete die Ära der Piratenradios.

Die Geschichte von Radio 24 (Video: Youtube/Radio 24) (jcg/sda)

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