Luftpiraterie: Als es auf dem Flughafen Zürich Tote gab
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LuftpiraterieAls es auf dem Flughafen Zürich Tote gab

Die Flugzeugentführung in Genf ist glimpflich verlaufen. Der gravierendste Vorfall auf einem Schweizer Flughafen ereignete sich vor 45 Jahren in Kloten, zwei Menschen starben.

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dhr/lmm

Heute Morgen war der Flughafen Genf für einige Stunden gesperrt, weil ein entführtes Flugzeug der Ethiopian Airlines gelandet war. Der Kopilot hatte die Gewalt über die Maschine übernommen und um Landeerlaubnis in Genf ersucht. Er will in der Schweiz Asyl beantragen.

Vor fast genau 45 Jahren war der Flughafen Zürich Schauplatz eines Angriffs von palästinensischen Terroristen auf ein israelisches Flugzeug. Die vier Mitglieder der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) griffen am 18. Februar 1969 eine Boeing 720 der israelischen Fluggesellschaft El Al an. Die startende Maschine wurde auf dem Rollfeld des Flughafens Kloten mit Maschinenpistolen beschossen. Der Kopilot kam dabei ums Leben. Ein Attentäter wurde von einem israelischen Sicherheitsmann erschossen.

Das Flugzeug innert 90 Sekunden zerstören

Mitte Januar 1969 wurden die vier Terroristen von der PFLP in ein Ausbildungscamp im Westjordanland einberufen, ausgebildet und auf die bevorstehende Aktion bis ins Detail vorbereitet. Neben Unmengen an Sprengstoff und Waffen, mehreren Kopien eines Flugblattes an die Adresse der Schweizer Bevölkerung, mit dem die Attentäter an «die Töchter und Söhne des Freiheitskämpfers Wilhelm Tell» appellierten, sich «für die Sache des palästinensischen Volkes einzusetzen», trugen sie einen Einsatzbefehl mit sich. In diesem wurde ihnen aufgetragen, das Flugzeug innert 90 Sekunden zu zerstören, ohne aber das Leben von Zivilisten zu gefährden.

Am 18. Februar 1969, einem Dienstagnachmittag, kam es schliesslich zum Attentat. Als um 17.35 Uhr die El-Al-Maschine mit zwölf Besatzungsmitgliedern und 17 Passagieren an Bord auf dem Rollfeld 1 in Kloten erschien, verliessen zwei von den insgesamt vier Terroristen mit je einer Maschinenpistole bewaffnet ein Mietfahrzeug und eröffneten das Feuer. Der Kopilot wurde durch zwei Schüsse getroffen und erlag sechs Tage später seinen Verletzungen. Einer der anderen zwei Attentäter warf zwei Petarden sowie eine Handgranate vor das Flugzeug, das zum Stehen kam.

Ein Sicherheitsbeamter des israelischen Verteidigungsministeriums war auch an Bord der Boeing 720. Als er die Schüsse hörte, ging er ins Cockpit, verliess anschliessend die Maschine und rannte zu den Attentätern. Im Anschluss an eine kurze Auseinandersetzung mit einem der Attentäter gab er drei Schüsse ab, die diesen niederstreckten. Die übrigen drei Attentäter konnten von herbeigeeilten Feuerwehrleuten des Flughafens niedergerungen werden. Sie wurden verhaftet und in Winterthur vor Geschworenengericht gestellt und verurteilt. Auch der Sicherheitsbeamte musste sich vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen.

Weitere Anschläge

Damit war die Schweiz den Terror aber noch nicht los. Am 21. Februar 1970 explodierte eine Swissair-Maschine mit Ziel Tel Aviv kurz nach dem Start über Würenlingen, 47 Leute starben. Die Volksfront bekannte sich zum Anschlag, die zwei mutmasslichen Attentäter konnten jedoch nie verhaftet werden.

Am Nachmittag des 6. September 1970 trafen beim Bundesrat die ersten Nachrichten von der Entführung einer Swissair-Maschine ein. Palästinensische Luftpiraten hatten auch Maschinen der amerikanischen TWA und der britischen Boac gekapert und in die jordanische Wüste gebracht. Sie drohten damit, die Flugzeuge samt Passagieren in die Luft zu sprengen – die ganze Schweiz hielt den Atem an, wie ein Dok-Film des Schweizer Fernsehens zusammenfasst. Die Luftpiraten konnten mit ihrer Aktion die Attentäter von Zürich freipressen, die Entführung verlief für die Geiseln letztlich glimpflich.

Der Flughafen Kloten, der bis anhin kaum geschützt war, wurde in der Folge zur Festung ausgebaut. Erst wurden dafür WK-Soldaten eingesetzt. Die Bewachung galt als Aktivdienst, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Später übernahmen neu eingestellte Sicherheitsbeamte und Polizisten diese Aufgaben.

Dieser Artikel erschien am 17. Februar 2009 und wurde aus aktuellem Anlass überarbeitet.

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